Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Fußball (Seite 70 von 75)

Kompliment BVB – Ansätze zur Weltklasse

Wie schwer die Krise meiner Lieblingsmannschaften, Barca und der Borussia vom Niederrhein ist, hat man heute in Madrid gesehen. Gegen dieses Real Madrid konnte Barca zuhause nicht gewinnen, und bei diesem Barca ging meine Borussia unter.
Der BVB hat heute gezeigt, wie schlagbar Real ist, was für eine mittelmässige Mannschaft diese Ansammlung von unbestrittenen Weltklassestars zusammen bildet. Wie bei Barca ist das Strukturproblem, im Defensivspiel die Ruhepausen und defensiven Unvollkommenheiten der Stürmerstars zu kompensieren. Die Stars sind gut zum Strahlen, fürs Spektakel, fürs Marketing; für Mannschaften sind sie ein großes Problem. Ich erinnere nur daran, dass Portugal das EM-Finale gegen Frankreich gewann, als Ronaldo verletzt ausgeschieden war.
Der BVB, als Mannschaft immer noch unvollkommen in der Umbruch- und Findungsphase, hat die Schwächen von Real heute intelligent offengelegt. Pepe fehlte, Ramos wird nicht mehr schneller, ein harmonisches Ensemble sind die nicht. Die BVB-Youngster Dembele und Pulisic hatten Probleme ins Spiel zu finden, doch für ihre spielerische Reifung war es mit Sicherheit ein epochales Ereignis. Sofort voll da war der kurz vor Schluss eingewechselte Däne mit türkischen Verwandten Emre Mor. Wie er vor dem Ausgleichstor den Ball eroberte und mit einem Zauberpass Aubameyang auf die Reise zur Torvorbereitung des 2:2 von Marco Reus schickte, das findet Platz in zukünftigen Lehrfilmen. Der ist 19!
Marco Reus, verdammt. In all seinen Verletzungspausen schätze ich uns Gladbach-Fans glücklich, dass “wir” für ihn noch so viel Geld bekommen hatten. Die Führerscheingeschichte hatte sogar Borderline-Charakter, persönlich in jeder Hinsicht dramatisch. Doch wenn man ihn spielen sieht, ist das alles vergessen. Stoff für eine weitere Legende.
Monsanto Leverkusen spielte heute auch, in einem kleinen Stadion, das dennoch nur halbvoll war. Merkwürdig, an der sportlichen Leistung lag es nicht. Also woran dann?

FC Internationale Berlin macht Fußballpolitik / Griezmann

Ein gesellschaftspolitisch anspruchsvoller Fußballverein, der FC Internationale Berlin. Von seinem Ansatz können selbst Sarah Wagenknecht und Oskar Lafontaine noch was lernen. Aktuell macht er wirkungsvoll Fußballpolitik, jedenfalls so wirkungsvoll, dass ein Polit-Vollprofi wie DFB-Chef Grindel dafür nicht wenig eigene PR-Arbeit investiert. Ein Anfang.
Wieviel Respekt es international für das deutsche Fußballbusiness gibt, artikuliert Antoine Griezmann, der Schrecken deutscher Abwehrketten, in diesem lesenswerten WAZ-Interview.

Mike Mennen – Schlucken ist Arbeit

Für mich ist er die Spinne im Netz. Im Bistro “El Horizonte” am Adenauerplatz melden sich alle eintreffenden Gäste bei ihm an, und alle fortgehenden ab. Alle Fußballinteressierten fragen ihn nach seiner aktuellen Meinung, alle andern, wie es ihm geht. Antwort: Schlucken ist Arbeit.
Letzten Mittwoch bekam er eine neue Herzklappe eingebaut, die vierte Herz-OP, mit 81. Jetzt geht der körperliche Aufbau wieder von vorne los. Denken und Sprechen funktioniert schon, für alles andere ist Geduld erforderlich. Gymnastik-Unterricht ist durch das Fachpersonal schon angedroht.

Viele gute Fußballnachrichten konnte ich ihm nicht ins Krankenhaus in Siegburg bringen. Reals-Ausgleich gegen Barca in der letzten Minute, Schwalbentor von RB Leipzig, Heimniederlage des BSC, Bezirksliga-Ausgleichstor gegen Beuel 06 durch geschundenen Freistoß in der Nachspielzeit: immerhin 3:3 gegen den Tabellenzweiten Spich. Mönchengladbach erobert die Tabellenspitze zurück, in der Regionalliga, mit einem 4:1-Sieg wie gewohnt gegen Köln, Viktoria; Lucien Favre verteidigt die Spitze, mit Nizza, in Frankreich, immerhin praktizierte Politik für den Weltfrieden, denn er arbeitet gleichzeitig für US- und chinesische Investoren!

Geduld, für alles brauchen wir jetzt Geduld. Soviel Zeit muss ein, für die wichtigen Dinge im Leben.

Fußball – schon krebserregend und bald chinesisch?

Die Kunstrasenlobby hat ganze Arbeit geleistet. Nach allem, was aus Fußballvereinen zu hören ist, und gegenüber der Kommunalpolitik können die sehr laut werden, kommen Jugendliche nur noch in Vereine, die Kunstrasen haben. Wer will sich schon in Matsch wälzen oder auf Asche die Knie aufschlagen? Fritz-Walter-Wetter nein danke. Gut, wenn keine Jungs mehr kommen, könnte mann ja Mädchen werben. Aber Mädchenfußball? Der Männerfußball weiss sich zu wehren und wirbt für gladiatorenhaftes Spiel. Schön ist das nicht. Aber für Schönheit sind ja die Frauen zuständig, es gäbe doch viel schönere Sportarten für sie ….
Schade nur, dass in den Niederlanden nun eine Untersuchung herausgefunden hat, dass 48 von 50 untersuchten Kunstrasenplätzen krebserregende Stoffe enthielten – hier der Link zum TV-Magazin Zembla (ndl.), und hier eine Kurzmeldung des DFB- und DFL-treuen Sportinformationsdienstes sid auf Zeit-online, wo der sehr aufmerksame Redakteur Oliver Fritsch arbeitet. Wie viele Eltern werden wohl Lust haben, ihre Kinder für sowas jetzt noch anzumelden?

Schade, ausgerechnet, wo jetzt der größte Kapitalist der Welt, die Staatsführung des “kommunistisch” regierten China, den Fußball als Entertainmentbusiness entdeckt und die profitgierigen Führungen von DFB und DFL völlig besoffen reden lässt, durch eine 70-jährige Funktionärin. Das muss man erst mal bringen. Und es klappt. Schmierstoff ist ja genug da. Wenn man mit einem 20-jährigen Fußballprofi als Sohn nicht mehr arbeiten gehen muss, wen stört dann die Herkunft dieses kleinen Glücks?
Der Krebs kommt, wenn überhaupt, ja erst später ….

AfD / Weisse / Missbrauch / Olympia

Die AfD ist in mancherlei Hinsicht die modernste aller deutschen Parteien, z.B. in der Art und Weise, wie sie sich intern auseinandersetzt.

Weiss-sein ist nicht normal. Weltweit sind wir eine kleine – oftmals radikale – Minderheit. Aber “wir” haben viel Macht darüber, wie die Welt zu sehen ist. Darauf weist eine taz-Kolumne hin, die sich gleichzeitig vorsichtig von überspitzenden “Critical-Whiteness”-Agitator*inn*en absetzt.

Kürzlich erwähnte ich hier eine deutsche Studie zum (sexuellen) Missbrauch im Sport. Jetzt kommt – hoffentlich – eine Aufklärungslawine im britischen Fußball ins Rollen. Leider müssen sich immer erst Opfer “bekennen”, die Täter tun es in der Regel nicht. Es wäre wohl nicht verkehrt, wenn buchstäblich jeder Fußballverein, so wie z.B. auch jede Kirchengemeinde in ihrer Vereinsgeschichte ein Reinemachen durchführen.

Unter solchen Vorzeichen ist es nur schlüssig, wenn ARD und ZDF auf Live-Senderechte von den nächsten Olympische Spielen verzichten. Die nächsten Veranstaltungen sind überwiegend in Ostasien angesiedelt: ein Finale um 20 h liefe bei uns um 4 Uhr morgens; das ARD/ZDF-Morgenmagazin beginnt immer erst um 5.30, da sind in China, Japan und Korea die Kinder schon im Bett. Der US-amerikanische “Discovery”-Konzern hat sich die europaweiten Senderechte für 1,3 Mrd. bei der kriminellen Vereinigung IOC erkauft. Mehr als 10% dieser Summe wollte er bei uns Gebührenzahler*inne*n abkassieren. Nein danke!

Europaligist

Gestern nachmittag kam es mir ein bisschen wie ein “Kreuzweg” vor, im Beueler Zentrum von wildfremden FC-Fans demonstrativ gegrüßt zu werden. Eine hämische Freude, die ihnen in diesem Leben selten genug vergönnt war. Nach gestern Abend geht es mir wieder etwas besser.

Dafür ist zuallererst den Gladbach-Ultras zu danken. Ich hatte eine Karte auf dem Oberrang über den richtigen Fans auf den Stehplätzen, die in der CL quasi “illegal” sind. Aber “Sitzen ist für’n Arsch!” und schlecht für die Stimmung. Während meine Sitznachbarn vorwiegend über Fabian Johnson und den Trainer quengelten, kämpften die Stehplatz-Fans um den Sieg. Und immerhin ist ein Punkt, der Sicherheit für die Europa-League-Qualifikation bedeutet, dabei herausgekommen.

Gegen einen Gegner, der über einige Fantastilliarden mehr Geldmittel und einen Wundertrainer verfügt, Weiterlesen

Wie Sport und sein Journalismus herunterkommen

Die Süddeutsche Zeitung gilt als “Qualitäts-” und “Leitmedium”. Ich habe sie auch einige Zeit als Abonnent genossen. Damals, als sie noch einen NRW-Teil hatte, aber auch darüber hinaus sehr lesenswert war, wegen ihrer internen Meinungsvielfalt, und zahlreicher junger Talente, die sie damals beschäftigte, so ungefähr zu Beginn dieses Jahrtausends muss das gewesen sein. Ich erlebte mal eine große, gelungene Veranstaltung der “Lit.Cologne” die fast nur von ihren Sportmitarbeiter*inn*en bestritten wurde, Raphael Honigstein, Christoph Biermann, Birgit Schönau, Javier Caceres, Ronald Reng. Dann kamen 2008 die Schwaben von der SWMH, kauften vier der fünf SZ-Besitzerfamilien aus dem Verlag raus, und auch sonst viele Andere. Das Feuilleton ist seitdem ausgezehrt, hat politische Interventionen fast komplett aufgegeben. Der Sportteil ist immer FC-Bayern-lastiger geworden. Der NRW-Teil wurde als erstes dichtgemacht, und einige Zeit später war ich dann auch als Abonnent weg. Wie analysefrei seitdem dort Fußballjournalismus betrieben wird, illustriert heute Chrstoph Kneer mit seinem Ancelotti-Porträt zur Bayern-Krise (die ist immer, wenn sie nicht gewinnen und nicht Erster sind), ein Autor, der es nachweislich besser könnte. Aber wenn die Fußballer Formkrise haben, kriegen die Journalisten sie auch, so symbiotisch geht es dort schon zu.
Wo der Fußball mal landen wird, wenn er so weiter macht, das sehen wir aktuell an der zusammenbruchartigen Krise der Welt-Leichtathletik. Was war das mal eine attraktive und begeisternde Sportart. Fast nichts haben sie von ihr übrig gelassen.

Lehren aus Trump (IV)

Ivo Bozic (Jungle World) sieht in der Trump-Zuspitzung den Kampf zwischen “Globalisten” und Lokalisten”, zwischen Stadt und Land, und sieht sich langfristig auf der erfolgreichen Seite. Vor Determinismus in diesem Zusammenhang sei aber gewarnt; das könnte zu einem bösen Ende führen.
Klaus Walter zeichnet im gleichen Blatt, wie die US-Pop-Elite gegen Trump den kürzeren zog. Die mehrheitlich schwarzen Popstars versetzten scheinbar die Trump-Fans so dermassen in Angst und Schrecken, dass sie sie ungewollt zur Wahlteilnahme mobilisiert haben.
Noch mehr zum Nachdenken regen heute zwei Carta-Beiträge an:
Der Erste sollte dem DFB und der DFL (Deutsche Fußball-Liga) als Pflichtlektüre demokratie-ärztlich verordnet werden; sie beziehen den Löwenanteil ihrer Milliardeneinnahmen von Rupert Murdochs Medienkonzern. Wolfgang Hagen und Hermann Rotermund analysieren, in welcher verheerenden Medienlandschaft Trump seinen Sieg erreichte. Vieles spricht hier für Klarsichtigkeit und durchdachte Strategie, also insgesamt das Gegenteil von irre. Hier sei ergänzt, dass heute der gleiche Mechanismus für die AfD glänzend funktioniert: der WDR lädt in einer Publikums-Live-Sendung zur Diskussion über Trump: den “linken Rand” repräsentiert neben dem rechten AfD-Landesvorsitzenden der NRW-CDU-Chef Laschet. Verschiebung des Diskurspektrums – “Mission accomplished”, mit unseren Gebührenzahlungen finanziert.
Ron Kellermann analysiert Trump aus der Sicht eines Dramaturgen. Welche Geschichte hat er entwickelt und erzählt? Warum wurde sie ihm geglaubt? Oder war das sogar egal? Keine deutsche Partei setzt gegenwärtig der AfD eine Geschichte entgegen; dieser Utopieverzicht ist lebensgefährlich.
Yannis Varoufakis verzichtet nicht auf Utopien, hat in Deutschland nur ein Popstar-Image, aber keine soziale Basis. Das liegt nicht nur, aber auch am verkommenen ökonomischen Diskurs hierzulande und der Allmacht, die der Figur Schäuble bei seiner offiziellen Interpretation überlassen wurde.
Ostasien ist und wird auch in Zukunft die gefährlichste Krisenregion bleiben. Schwer kontrollierbare Despoten prallen hier aufeinander, nicht nur aus USA und China, sondern auch aus Japan. Die Informationsstelle Militarisierung in Tübingen ist immer wieder ein Quell exzellenter globaler Information.

Sport: ein Drittel sexuell belästigt

Der Sport macht sich immer wieder laut bemerkbar. Nicht nur über die Milliardäre im Fußball, auch über seine Lobbyisten in der Kommunalpolitik. Einige wenige besonders Laute lassen sich sogar gegen die Kulturszene aufhetzen statt mit ihr zusammenzuarbeiten; fast alle Fußballfunktionäre meinen, ohne Kunstrasen laufe ihnen “die Jugend” weg. Und jeder Stadtteil braucht natürlich ein Schwimmbad.
Nun gibt es ein Thema, zu dem ich mir mal vergleichbar vernehmbare Geräusche wünschen würde. Einer Untersuchung der Sporthochschule Köln zufolge werden im Sport ein Drittel aller Aktiven sexuell belästigt, in direkter körperlicher Konfrontation sind es immer noch 5%. Das wäre doch wirklich mal ein guter Grund für Jugendliche, aus dem Verein wegzulaufen. Zur Ehrenrettung des organisierten Sports sei hier ergänzt, dass die Untersuchung, (in der DLF-Meldung verlinkt) von der Deutschen Sportjugend, das ist die Jugendorganisation des DOSB, mitinitiiert war. Und hoffen wir mal, das diese Selbstkontrolle bei uns in Bonn auch funktioniert.

artenschutz für Terrorismus / Schwarzer Karneval / Kinderarbeit / Fußball wird chinesisch

Vielen Menschen hierzulande fehlt jedes Verständnis dafür, warum unser Land, unser System von Terrorismus angegriffen werden. Ihnen kann leider geholfen werden. Es ist schmerzhaft: wenn sie den kurzen Text lesen, den Charlotte Wiedemann in der taz veröffentlicht hat, werden Sie nicht mehr sagen können, es nicht gewusst zu haben.
Rudolf Walther erklärt im gleichen Blatt noch mal ganz genau, warum das “Leitkultur”-Geschwätz Unsinn ist.
Ratingen macht es anders. Dort hat schon in den 90ern eine mir gut bekannte sehr nette Frau den Zweitliga-Eishockey angeführt. Jetzt ist es ein schwarzes Paar, das den dortigen Karneval regiert. (WAZ)
Derweil herrscht in Ghanas Ökonomie Kinderarbeit. Nicht alles daran ist schlecht, weil es ja nicht um unser gutes Gewissen beim Schokoladen- und Kaffefgenuss geht, sondern um Existenzsicherung für die Kinder und ihre Familien. (Jungle World)
Der deutsche Profifussball hat mal wieder Witterung aufgenommen, viel, viel Geld, diesmal nicht von Rupert Murdoch/Sky, sondern chinesisches Staatsgeld. Wenn wir den globalen Geldkreislauf betrachten, sind es eigentlich die US-amerikanischen Schulden, von denen China rund 1 Billion besitzt. Wie lange wird das gutgehen? Hat schon mal einer bei Trump gefragt? (taz/FR)

Trump-Fans / Neoliberaler Charakter / New Deal / NSU / Aki Schmidt

Karim El-Gawhary, dessen Vater mir aus meiner Vorstandszeit 1978 in der Anti-Apartheid-Bewegung in guter Erinnerung ist, weist in der taz darauf hin, welcher Staatschef als erster Donald Trump zu seiner Wahl gratuliert hat: Ägyptens Putschgeneral al Sisi. Das ist der, dem Sigmar Gabriel bei seinem letzten Besuch dort eine “beeindruckende Persönlichkeit” attestiert hatte. Gestern bezeichnete die FAZ in einem Teaser-Text Sigmar Gabriel schon als “Trump-konform”. Haben wir es gut, so lange es noch beim Krieg der Worte bleibt.
Götz Eisenberg (JW) beschreibt wissenschaftlicher, als ich es hier zur Politszene getan habe, den neoliberalen Charakter.
Thomas Fricke (SP-on) entwickelt in knappen Sätzen, mit welcher Wirtschafts- und Finanzpolitik man heute noch den rechten Vormarsch und die wachsende Kriegsgefahr stoppen könnte. Der “New Deal” müsse nun von Europa ausgehen, da die USA dafür jetzt ausfallen.
Auch NRW ist im NSU-Skandal mit eigenen V-Leuten dabei: hier wieder bei Telepolis mehr über das gespenstische Treiben unserer “Sicherheits”behörden.
Einen bewegenden Nachruf zum verstorbenen Aki Schmidt (BVB, dt. Meister 1963 und Europacup-Sieger 1966) schrieb Peter Müller in der WAZ.

Lehren aus Trump

Unübersehbar das Geschwätz dieser Woche. Meine Auswahl von unten nach oben:
1. Erstaunlich unreflektiert und wiederkäuend mein ehemaliger Blogkollege David Schraven, dessen mentale Entfernung und Erinnerungsschwächen aus dem Ruhrgebiet (“Mettigel”) unverkennbar sind, und dem am Beispiel eines ehemaligen SPD- und heutigen AfD-Poltikers auch die politischen Kategorien schwer verrutscht sind.
2. Holger Schmale, ehemaliger Freitag-Verleger und ehemaliger USA-Korrespondent (1997-01), rätselt mit uns über den außenpolitischen Kurs Trumps, ebenso wie seine ehemaligen Kollegen von dpa, deren Material hintergrund.de aufbereitet hat.
3. Die FAZ würdigt die Vorhersagefähigkeiten von Michael Moore, doch wem hilft rechtbehalten jetzt weiter? Günter Bannas skizziert Merkels und Gabriels Lehren. Dass Gabriel sich beim Blockieren des Klimaschutzplans “gegen Merkel durchgesetzt” habe, will sie exakt so aussehen lassen und erodiert so weiter Gabriels politische Basis. 7% hätten hierzulande Trump gewählt. Bei aller Kritik an der Qualität der Demoskopie: er hätte weniger als die AfD. Wer bei Trump “copy&paste” versucht, landet also exakt da, wo Merkel einen haben will.
4. Erste gedankliche Anstrengungen für eine politische Strategie hierzulande und in Europa finden sich bei Claus Leggewie in der FR.
5. Und am nachdenklichsten fand ich nicht die so genannten Seiten, sondern ein Interview des von mir sehr geschätzten und bei nachdenkseiten.de oft unflätig beschimpften Wolfgang Storz, ebenfalls ehemaliger Freitag-Verleger, mit Horst Kahrs von der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

And now something completely different:
aus den Unterklassen im englischen Fußball: Klopp steht mit dem FC Liverpool auf Platz 1, ein “Mini-Klopp” mit Huddersfield, Grafschaft Yorkshire, auf Platz 3 in Liga 2. Vergesst sie also nicht, die Unterklassen!

Hallo NRW-Staatskanzlei, jemand zuhause?

Vor einigen Wochen wurde man als NRW-Bürger regelrecht geschockt, weil die Ministerpräsidentin Kraft vorgab eine “Idee” zu haben: eine NRW-Bewerbung für Olympische Spiele. Auf dieses Holzpferd soll sie der Wittwer des verstorbenen Guido Westerwelle, Sportvermarkter Mronz, gesetzt haben. Frau Kraft soll den gleichen Lieblingsverein wie ich haben: Borussia Mönchengladbach. Da ich für übernächsten Samstag gegen den FC Stadionkarten habe, werde ich sie darauf hinweisen, wenn ich sie sehe:
Andreas Rüttenauer hat jüngst in der taz den geradezu hemmungslosen Aufklärungswillen des DFB in Sachen Sommermärchen-Korruption herausgearbeitet.
Und Thomas Kistner (SZ), der sich neben Jens Weinreich sicherlich am besten in den Machenschaften der Sportmafia auskennt, hat noch mal genau zu erklären versucht, wie wenig gut diese Idee von Frau Kraft ist.
Da sich das ausserhalb der NRW-Staatskanzlei schon ziemlich rumgesprochen hat, wäre fast jede andere Idee besser und auch erforderlich, um eine Kraft-Wiederwahl zu sichern.

Wann platzt die Fußball-Blase?

Nehmen wir die TV-Termine dieser Woche:
Mo. 20.15 h St. Pauli (erstmals in dieser Saison: 5 x 1.Liga)
Di. 20.45 h Champions League (demnächst zusätzlich um 19 h)
Mi. 20.45 h Champions League (demnächst zusätzlich um 19 h)
Do. 19 h & 21.05 h Europa-League
Fr. 18.30 h 2.Liga, 20.30 h 1.Liga
Sa. 13 h 2.Liga, 15.30 h 1.Liga, 18.30 1.Liga
So. 13.30 h 2.Liga (erstmals diese Saison auch 2 x 1.Liga), 15.30 h 1.Liga, 17.30 h 1.Liga
Es gibt immer noch Leute, die sich wundern, dass die Amateurmannschaften, die keine Profikarriere anbieten und am Wochenende spielen müssen, Nachwuchsprobleme haben. Ich wiederum kann aus eigener persönlicher Erfahrung berichten, dass das Zugucken vor der Glotze auch schon körperlich anstrengend ist. Nach zwei Spielen hintereinander ist, da mein Kneipier einfach keine Liegestühle anschaffen will, “alles zuende”.

Doch manchen ist es noch nicht genug. Weiterlesen

Renterinnen / Richterin / Erdogan /Aubameyang

FAZ-Herausgeber Steltzner ängstigt sich vor den Rentnern. Klassisch für einen Mann seiner Rolle und Position ist ihm die Genderfrage fremd, von Rentnerinnen weiss er nichts. Wenn die herrschende Klasse so ignorant bleibt, besteht ja noch Hoffnung für die Andern.
In Hamburg gibt es eine Richterin am Landgericht mit Namen Meyer-Göring. Sie nimmt es mit dem regionalen Apparat der Sicherheitsbürokratie auf. Wenn Richterinnen gemäss Grundgesetz wirklich unabhängig sind, dürfte das für sie eigentlich nicht gefährlich sein …..
Hierzulande versteht ausser den MitbürgerInnen mit türkischem Migrationshintergrund, und von denen auch sehr viele, nicht, wie es mit diesem Erdogan so weit kommen konnte. So weit es die türkische Innenpolitik betrifft, zeichnet das Guardian-Korrespondent Christopher de Ballaigue im Freitag noch einmal nach.
Spektakulärster Vorfall am gestrigen Champions-League-Abend war der Tribünenauftritt von “Auba”. Daniel Theweleit (Sp-on) sieht den “besten deutschen Trainer” Thomas Tuchel dabei an einer riskanten Kante entlangbalancieren.

Libanon / Pakistan / Soros / NSU / Deutsche Bank / HSV

Gerrit Hoekman (JW) berichtet über aktuelle Manöver in der Innenpolitik Libanons, die vorteilhaft für Iran und Assad und nachteilig für Saudi-Arabien sind. Bei Letztgenannten gib es ebenfalls ein umfangreiches Revirement in der Regierung, über das Rainer Hermann in der FAZ berichtet.
Knut Mellenthin (JW) setzt hier seine Pakistan-Berichterstattung fort.
Telepolis setzt seine Serie über die Strategien von George Soros fort.
Ebenfalls fort setzt Telepolis seine außergewöhnlich verdienstvolle Serie zur staatliche Sabotage der Aufklärung der NSU-Morde und anderen -Straftaten. Eines Tages wird alles rauskommen, dieses Versprechen ist unsere Gesellschaft den Opfern und der internationalen Öffentlichkeit schuldig.
Jens Berger von den nachdenkseiten beschreibt, dass die Deutsche Bank die Nationalität nur im Namen trägt und es daher kaum in die Zuständigkeit der Bundesregierung fallen könne sie zu “retten”.
Was passt in diese Aneinanderreihung politischer und ökonomischer Desaster: natürlich der Hamburger SV, Lieblingsverein meines Vaters, und seit Jahren beliebter Praktikumsplatz für alle, die irgendwas mit Krisenkommunikation lernen wollen. Uwe Seeler wird übrigens gerade 80. Er schoss das erste Länderspieltor, das ich als Kind live im TV gesehen habe. Das war 1965.

Ostasien will den Fußball erobern

Während die USA die weltweite Fußballmafia mit polizeilichen und staatsanwaltlichen Mitteln zu bekämpfen versuchen, versuchen es die Ostasiaten mit ökonomischen und infrastrukturellen Mitteln. Ich biete Wetten an, dass China sich die nächste verfügbare WM kaufen will. Inter und AC Mailand haben sie schon, auch einen relevanten Anteil von Atletico Madrid.
Japan ist nicht so aggressiv, hier läuft eine eher umgekehrte Marketingstrategie: im allgmeinen globalen Wettlauf, hält jeder international ambitionierte Verein einen Japaner in der Mannschaft, weil das seine dortige Vermarktbarkeit radikal vervielfacht. Wer wirkliche Wachstumspotenziale anstrebt, sollte die Frauen nicht vergessen – hier war Japan schliesslich bei der WM in Deutschland 2011 beeindruckender Titelgewinner, und beim letzten Mal 2015 wieder Finalteilnehmer. Aber so weit können die männlichen Fußball-Mänätscher-Jungs meist nicht gucken. Es soll schnell gehen mit dem Cash, bei den Frauen braucht man dafür zuviel Geduld.
So entstehen also erstmal neue Spielerberater-Berufsbilder, im unserer Region hat sich schon einer (von mehreren) auf japanische Jungs spezialisiert, wenig überraschend: er hat auch in Gladbach gelernt.

Milliardärsvereine und Langeweile auf dem Vormarsch

Die Tabelle lügt nicht. Jetzt sind also die Milliardärsvereine aus Leipzig und Hoffenheim die Verfolger von diesem Außer-Konkurrenz-Team aus dem süddeutschen Raum. Optisch auffällig, dass bei den Spielen in eigentlich kleinen Stadien, in Mainz (gegen VW II), VW I (gegen Bayer AG), Darmstadt (gegen Leipzig), Sinsheim/Hoffenheim (gegen Hertha) viele freie Sitzschalen zu sehen waren. Aber die Zuschauer im Stadion sind, anders als bei den Westdeutschen in Mönchengladbach, Dortmund, Schalke und Köln, sowieso egal. Entscheidend ist das Fernsehgeld von Rupert Murdoch (und wenn der mal tot ist, wahrscheinlich Leon Blavatnik). Was werden die Miiiardäre wohl machen, wenn ihnen das dauernde Gewinnen langweilig wird?

Und hier die guten Nachrichten: Lucien Favres Siegesserie in Nizza geht weiter, heute 4:1 gegen Exmeister Nantes, Balotelli spielte 75 Minuten und machte auch ein Tor. Und der Verein mit dem wenigsten Geld und dem kleinsten Stadion in Europas großen Ligen, SD Eibar hat auch gewonnen, 2:1 gegen das Spitzenteam von Villareal; hätten die gewonnen, wären sie punktgleich mit Barca. Haben sie aber nicht und Eibar bleibt stabiler 9.

Ruhrpottderby: Formkurven kreuzten sich

Die spielentscheidende Szene, so sollte sich später erweisen, gleich am Anfang: Kolasinac foult Pulisic platzverweiswürdig; es wird aber nicht einmal Freistoss gepfiffen. Kolasinac bekam dadurch den Spin, um der kampfstärkste Spieler auf dem Platz zu werden. Er rettete ein weiteres Mal spielentscheidend vor einem einschussbereiten Dortmunder. Gelb bekam er erst eine Viertelstunde vor Schluss. Pulisic dagegen musste fürchten, in diesem Spiel Freiwild zu sein, und blieb hinter seinen sonst üblichen Leistungen zurück, mein Gott der ist erst 18. Mehr Gefahr kam über die andere Seite des Dortmunder Angriffs (Dembele, Passlack).

S04 war exzellent vorbereitet Weiterlesen

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