Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Fußball-WM (Seite 9 von 9)

Entertainment-Politik (Politisches Prekariat XIII)

Oprah Winfrey? Angesichts von Trump eine echte Alternative. Wirklich? Eine schwarze Frau, aber das Geschäftsmodell wäre dasselbe: ein Star des Entertainment, Milliardärin, schwere Kindheit, muss jetzt den Laden übernehmen.

Der Laden: das ist eine extrem vielfältige und polarisierte Demokratie. Demokratie lebt von Mehrheitsentscheidungen, und, was viele nicht mehr ertragen wollen, vom Aushandeln von Mehrheiten, vom Kompromisse-schliessen, um diese Mehrheiten zu erreichen, von Toleranz und Lebenlassen unterlegener Minderheiten, vom Respekt und der Achtung der Grundrechte Unterlegener; vom Miteinanderreden können aller, vom Aushalten radikaler Verschiedenheiten, so lange sie Rechte anderer nicht verletzen. Ein kompliziertes Geschäft.

Jürgen Klopp z.B. ist ein so genialer Entertainer, obwohl er im Hauptberuf doch Fußballlehrer ist, dass er während seiner Berufstätigkeit in Dortmund jederzeit, wenn er das gewünscht hätte, zum Oberbürgermeister von Dortmund gewählt worden wäre. Jogi Löw, sollte er den WM-Titelgewinn 2014 dieses Jahr in Russland wiederholen können, hätte in einer Direktwahl beste Chancen, die Nachfolge von Angela Merkel anzutreten. Ist das die Lösung? Wollen wir das?

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Warum wir nicht Weltmeister werden

Leser*innen dieses Blogs wissen, dass ich Zweifel am Stattfinden der diesjährigen Fußball-WM in Russland habe. Dass sich Wladimir Putin so intensiv mit der kriminellen Fifa eingelassen hat, spricht nicht für eine stabile Recherchequalität des Geheimdienstes, dem er selbst entstammt. Auch gelingt es ihm nicht, sein eigenes Haus, den russischen Sport, von offensichtlichem, systematischen Doping sauberzuhalten. Dass das auch anderen nicht gelingt, das aber ungleich weniger internationale Aufmerksamkeit bekommt, hilft ihm auch nicht weiter, wenn er sich selbst als Veranstalter eines Globalereignisses wie der WM exponieren will (muss?). Das ist nun aus seiner Perspektive “verschüttete Milch”.
Das bisherige Fifa-Management in Zürich deutet kaum darauf hin, dass man dort die Krisenzeichen verstanden hat. Weiterlesen

Lob (von Teilen) der taz: SPD, WM

Als die taz Ende der 70er gegründet wurde, unterstützte ich als Abonnent und späterer Autor das vom “Berliner Extra-Dienst” inspirierte Konkurrenzprodukt “Die Neue“. Die machte Jahre später pleite. Beider Gründer Charly Guggomos wurde nachgesagt, er habe mit der Stasi kooperiert. Für eine Stellungnahme war er nicht mehr zu erreichen, denn er war zum Zeitpunkt der Anschuldigungen schon tot. Ich selbst habe drei Jahre meines Berufslebens auf Kosten der DDR gearbeitet, und wurde dabei, wie ich später durch Akteneinsicht feststellte, aufmerksam durch die Stasi beobachtet. Überrascht davon war ich nicht.
Die taz wurde durch sowohl geschickte als auch glückliche Immobilienspekulationen am Leben erhalten. Wie jedes Medium hat sie viele Stärken und Schwächen. Zu den Schwächen Weiterlesen

Noch 23 Punkte – Bundesligakrise?

Borussia Mönchengladbach gab am 10. Bundesligaspieltag die erste Vorstellung von zwei guten Halbzeiten hintereinander. Mit nur einem guten Spiel den 6. Tabellenplatz zu erobern, sagt, da die Tabelle nicht lügt, einiges aus. Hätten wir gegen Bayermonsanto den auf dem Papier vorgesehenen Heimsieg eingefahren, wären wir jetzt punktgleich mit dem Tabellenzweiten BVB. Und hätten wir uns beim Gastspiel im Westfalenstadion nicht so blamiert, gegen einen, wie jetzt alle wissen, schlagbaren Gegner, dann wären wir punktgleich mit dem Tabellenführer aus dem süddeutschen Raum.

Dass gestern zwei Spieler der zuletzt heftig kritisierten Abwehr 2 der 3 Tore machten, dass sie beim Spielstand von 1:1 im gegnerischen Strafraum abstaubten, bei einem Auswärtsspiel gegen den – bis dahin – Tabellenvierten mit seinem jugendlichen, und was Wurfdisziplinen betrifft, noch sehr sportlichen Wundertrainer, sagt erfreulich viel über Selbstvertrauen und Spielstärke der Mannschaft – mit dem Rätsel, warum das nicht regelmässig sichtbar wird. Auch dass Thorgan Hazard mit seinem ersten Feldtor (nach 2 Elfmetern) der Saison die Spitze der mannschaftsinternen Torjägerliste eroberte, die er sich mit Lars Stindl teilt, ist kein Grund zur Kritik. Auf je mehr Spieler sich die Torerfolge verteilen, umso schwerer ist die Mannschaft für Gegner ausrechenbar. Leider ist sie das bisher auch für ihre Fans. Ziel muss bleiben: 40 Punkte, und dann gucken wir, wie weit wir sind; fehlen also noch 23.

Wenn also eine solche Mannschaft einen Europa-League-Platz erobert, was sagt das dann über die Bundesliga? Weiterlesen

WM 2018 in Russland – jetzt noch mehr gefährdet

Gestern endete der letzte Spieltag der Gruppenphase der Fußball-WM-Qualifikation auf allen Kontinenten, ausser Afrika. Das Stattfinden der WM ist ungewisser denn je geworden, denn die noch größte politische Macht der Welt, der Fußballzwerg USA, hat sportlich alles getan, um auf keinen Fall nach Russland reisen zu müssen: eine 1:2-Niederlage beim Gruppenletzten Trinidad&Tobago, in der Tabelle eingereiht hinter den Grossmächten Mexiko, Costa Rica, Panama (alle qualifiziert) und Honduras (muss in Play-Offs gegen Australien, das mit 2:1 im Heim-Rückspiel Syrien rauswarf).

Die Korruptionsermittlungen der US-Justiz gegen die Fifa wird dieses Geschehen gewiss befördern, die Beziehungen zwischen den USA und Russland dagegen kaum verbessern.

Ein Überblick über Aspekte der bisherigen WM-Qualifikation: Weiterlesen

WM-Quali: Tritt DFB-Elf gegen Mörder an?

Seit langem beklage ich an dieser Stelle den Umgang des WDR mit seinem – und des ganzen deutschen TV – einzigem Produkt des Sportjournalismus abseits der plumpen Produktpräsentation: Sport inside. Aktuell hat der Sender sonntags Arnd Zeigler um 90 Minuten vorgezogen, direkt hinter die Bundesligazusammenfassung und beschert ihm so, es sei ihm gegönnt, höhere Zuschauerzahlen. Das ungeliebte Rechercheformat dagegen soll auf dem alten Zeigler-Sendeplatz um 23.30 h versenkt werden. Zum Glück ist das nicht ganz gelungen.

Immerhin 150.000 sollen letzten Sonntag trotzdem zugeguckt haben. Dort haben sie gesehen, dass Aserbaidschan im kommenden WM-Qualifikationsspiel anscheinend gedenkt, einen Spieler aufzubieten, der unter Mordverdacht an einem oppositionellen Journalisten steht: hier der Beitrag, der den Vorwurf mit Zeugenaussagen dokumentiert.

Nun spekulieren wohl alle darauf, dass das in der Öffentlichkeit ausserhalb Aserbaidschans niemand bemerkt. Weiterlesen

WM-Quali Afrika – ja, die gibts

In einer Mischung aus bräsiger Unkenntnis und rassistischer Arroganz ignorieren selbst die meisten Fachmedien die Qualifikationsrunde Afrikas zur Fußball-WM 2018 in Russland. Dabei geht es in einigen der fünf Gruppen dramatisch zu. Durch Zufall wurde ich über die ZDF-Videotextseite 494 – die ARD, verantwortet vom “Hauptstadtsender” RBB ignoriert das Geschehen komplett – darauf aufmerksam.

Bisher sind 4 von 6 Spieltagen gespielt. Die ersten zwei wurden schon vor knapp einem Jahr abgewickelt, die nächsten zwei rund ums vergangene Wochenende. Die weiteren zwei Spieltage folgen Anfang Oktober und Anfang November. Die jeweiligen Sieger der 4er-Gruppen sind qualifiziert. Weiterlesen

Katar “muss” den Fußball kaufen

Beruhigt Euch hat mein Vorbild Silke Burmester mal eins ihrer Bücher genannt. Auf den Fußball dieser Wochen gemünzt: so what? Katar investierte kräftig in seinen Stützpunkt PSG in Paris. Warum? Die dort regierende Feudalclique ist unbegrenzt liquide durch gehaltvolle Öl- und Gasfelder. Sie investiert also in den Vertrieb dieser Rohstoffe. Und weil die zwar reichhaltig, aber nicht unbegrenzt sind, diversifiziert sie gleichzeitig ihre Kapitalanlagen. Angesichts der Nullzinspolitik der US- und der europäischen Notenbank gibt es nur noch wenige Geschäftsfelder mit attraktiven Renditen. Dazu gehören aktuell die sich aufblasenden Branchen Immobilien und Fußball/Entertainment.

Katar wird derzeit vom neidischen größeren Nachbar Saudi-Arabien bedrängt. Es ist also darauf angewiesen, sich weltweit Freunde zu kaufen, Weiterlesen

FC AudiAdidasAllianz zieht ARD eine lange Nase

Die Quoten-Strichjungen in der ARD-Programmdirektion haben es diesen Sommer wieder nicht leicht. Keine WM, keine EM (der Jungs), kein Olympia. Da haben sie sich am Grabbeltisch das Kirmesturnier in einer Großstadt im süddeutschen Raum andrehen lassen, in dem Glauben, Trainingseinheiten des dort regional führenden Fußballvereins würden nördlich des Main TV-Zuschauer*innen aus ihrer Liegeposition hochlocken. Nicht gemeldet wird, wieviel von unserem Haushaltsgebührengeld sie dabei an die armen Akteure, in deren Aufsichtsrat die Kleinunternehmen Audi, Adidas, Allianz, Telekom und ein Ex-VW-Boss sitzen, umverteilt haben. Ging jedenfalls ungefähr so schief, wie gestern der “Dieselgipfel“.
Im Einzelnen: der gastgebende Verein, der von gerichtsfest verurteilten Kriminellen angeführt wird, qualifizierte sich sportlich leider nur für das “Spiel um den dritten Platz”. Das sollen gestern ca. 2,5 Mio. Zuschauer*innen gesehen haben, also ein Drittel dessen, was die Frauennationalmannschaft, solange sie bei ihrer EM dabei war, vor die Glotze gelockt hat. Weiterlesen

EM: Mädels, ihr werdets den Männern nie recht machen ….

Seit 1991 seid ihr zweimal Weltmeisterinnen geworden, also genauso oft wie die Jungs (1990 und 2014). Achtmal wurdet Ihr Europameisterinnen, davon die letzten sechs Male hintereinander. Die Jungs? Vergesst es, das letzte Mal vor 21 Jahren. Wie diese unterschiedlichen Leistungen bezahlt wurden – Mantel des Schweigens der Männer darüber. In den USA verklagen die Mädels die Männer jetzt dafür. Ihr dagegen seid schon mit 37.500 Euro zufrieden? Super, dann könnten wir den Tarif ja jetzt auch den Jungs vorschlagen, wg. Grundgesetz Art. 3, und so ….
1990 wurden die Jungs Weltmeister mit Rumpelfussball. Durch einen Elfmeter! Danach waren die Strassen voll mit Besoffenen (Männern), wie sonst nur beim Karneval. Ähnlich bei der EM 1996 (Golden Goal von Bierhoff), bei der die Jungs das Finale nur erreichten, durch ….. ein legendär gewordenes Elfmeterschiessen. Über die Schönheit ihres damaligen Fußballspiels lieber den Mantel des Schweigens, Weiterlesen

Menotti: Jeden Tag Fußball ist wie jeden Tag Nudeln

Interview mit der argentinischen Trainerlegende César Luis Menotti
von Sandra Schmidt

An einem heißen Sommertag im Februar empfängt César Luis Menotti Sandra Schmidt in seinem klimatisierten Büro zwei Blocks vom Obelisken im Zentrum von Buenos Aires. El Flaco, wie der lange, dünne Mann hier heißt, ist in hervorragender Verfassung und bester Laune. Bei den politischen Themen regt er sich wunderbar auf und weist auch gern nochmal auf seine Zeiten mit Parteibuch – der argentinischen KP – hin. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich Papiere und alte Fußballzeitschriften, die den Trainer des Weltmeisters von 1978 und Verfechter des schönen Spiels auf dem Titelbild zeigen – „Guck’ mal, so etwas schicken mir die Leute!“. Menotti wird im Oktober 79 Jahre alt.

Wie geht es dem argentinischen Fußball heute?

Der argentinische Fußball behauptet sich wie der Jagdhund, das ist genetisch. (lacht) Diese Hunde sind seit hundert, ach was, seit tausend Jahren Jagdhunde, und hier kommen immer wieder Fußballer hervor und man weiß nicht, warum. Das kann eigentlich nur genetisch sein, denn das ganze Umfeld hier macht es niemandem leicht, sich zu entwickeln. Wir stecken in einer sehr tiefen Krise, die nicht nur, aber auch kultureller Art ist. Argentinien hat in den letzten dreißig Jahren einen tiefgreifenden Kulturverlust erlebt, und davon ist der Fußball natürlich nicht unberührt geblieben. Er ist längst Teil des großen Geschäfts, nicht mehr der Kultur, nicht mehr das, was der argentinische Fußball lange war: repräsentativ für die Gesellschaft hier, mitsamt der Freude jedes einzelnen, der sein Vereinstrikot hatte. Heute träumt der junge Fußballer hier nicht mehr davon, in seinem Verein Karriere zu machen, sondern eher davon, nach Europa zu gehen. Hier herrscht das Chaos, die wirtschaftliche Situation ist sehr schwierig und komplex.

Der argentinische Fußballverband, die AFA, steckt seit dem Tod von Julio Grondona 2014 in einer tiefen Krise… (zum Zeitpunkt des Interviews war die AFA noch führungslos, am 30. März wurde Claudio Tapa zum Präsidenten gewählt)

Grondona war ein Caudillo, ein Anführer, und wenn ich das sage, dann rede ich nicht über Redlichkeit oder Ehrlichkeit – dafür ist die Justiz zuständig –, sondern über seine Art. Weiterlesen

WM-Käufer sportlich ganz unten

Die Asien-Qualifikation zur WM wird hierzulande kaum beachtet. Da drunter ist wohl nur noch die von Afrika. Zu Unrecht. In der Asien-Gruppe A sehen wir derzeit eine Tabelle von Symbolwert. Der Iran, der schon vielbeachtete WM-Teilnahmen hatte, führt in seiner Gruppe 3 Spiele vor Schluss mit 9 Punkten vor einem Nicht-Quali-Platz. Er hat soeben China 1:0 nachhause geschickt. Während der Fußball im Iran eine emanzipatorische gesellschaftliche Kraft entfaltet, weil seine Fanszene ein für die reaktionären Revolutionswächter unzugänglicher Freiheitsbereich ist, ist es in China umgekehrt: das Volk interessiert sich so wenig für Fußball, dass gemessen an der Gesamtbevölkerung soviele Jugendliche Fußball spielen, dass es bei uns ein paar hundert wären. Das wollen weder die expansionsgierige Fifa noch die renditegierigen globalen Entertainmentinvestoren, nicht zuletzt in China selbst, ertragen. In China ist es daher Parteiauftrag, irgendwann Weltmeister zu werden, und ganz sicher wird man versuchen die nächste zu vergebende WM (2026) bei der Fifa zu kaufen. Dieses China ist 5. und Vorletzter der Asiengruppe A.
Dahinter ist nur noch Katar, dass sich schon eine WM (2022) gekauft hat, und seitdem unfreiwillig auf seinen Charakter als Sklavenhaltergesellschaft für die aus armen asiatischen Ländern importierten Arbeitskräfte aufmerksam macht. Katar verlor heute bei der Fußballgroßmacht Usbekistan, ebenfalls mit 0:1. Ob sie, ähnlich wie im Handball, bis 2022 noch eine konkurrenzfähige Fußballnationalmannschaft zusammengekauft bekommen? Könnte sein. Im Fußball ist vieles mit Geld zu regeln. Schön ist er, solange das noch nicht für alles gilt. Danke Asiengruppe A!

Rassistische Arroganz: kein Free-TV vom Africa-Cup

Beim Africa-Cup gibt es oft schlechte Spiele. Bei der letzten EM gab es das auch. Bei den WMs sowieso. Der Africa-Cup wird in einem diktatorisch regierten Land ausgetragen. Ach so. Die nächsten WMs, die TV-Rechte sind längst “gesichert” worden, finden dagegen in den Musterdemokratien Russland und Katar statt.
Diese “Argumente” sind vorgeschoben. Das ökonomische Kalkül ist, dass die rassistischen Deutschen sich für billige, fussballspielende Negerkinder zu wenig interessieren. Der früher sendende TV-Kanal Eurosport hat die Rechte sogar für andere europäische Länder erworben, für den großen deutschen Markt aber diesmal nicht. Die neuen US-Besitzer dieses Senders haben vor kurzem die TV-Rechte für Olympia für 1,3 Mrd. gekauft, zur Freude des deutschen Wirtschaftsanwalts Thomas Bach, und jetzt kauft sie ihnen in Deutschland – bisher – keiner ab. Sie müssen also sparen, und sind verunsichert, was diesen Teilmarkt betrifft. Da sparen wir als erstes Mal risikolos bei den Negern.
In Deutschland wird den Internet-Livestream vom Africa-Cup ein Wettanbieter, den ich hier nicht verlinke, senden, der dafür eine Login verlangt, also Daten sammeln will. Negerfussball wollen also nur Suchtabhängige gucken, bzw. wer das sehen will, könnte mit hoher Wahrscheinlichkeit auch wettsüchtig werden. Keine menschliche Logik, aber Algorithmen kriegen das hin.
So verpassen wir hier also die Zukunft des Fußballs. Denn woher kommen die preisgünstigsten Talente? Die Spielerberaterkonzerne sitzen in Gabun alle auf der Tribüne.

Fußball und Geopolitik

Das werden wir wohl in nächster Zeit von den “Qualitätsmedien” öfter bekommen: recherchearme Berichte wie diesen des Handelsblatts, in wie schrecklichen Zusammenhängen die WM 2018 in Russland stehen wird. Die, die hier im Handelsblatt beschrieben sind, sind exakt identisch mit denen “unseres Sommermärchens” 2006, politisch damals abgedeckt von ganz oben, was bei uns Bundeskanzler Gerhard Schröder war. Jetzt denken Sie: Schröder, Putin, na klar. Das ist zu kurz gedacht.
Was Putin hier angeblich alles beschlossen hat, Weiterlesen

WM-Quali: Risiko Spannungsabfall

Der schärfste Rivale der DFB-Mannschaft in der Qualifikation für die Fußballweltmeisterschaft der Herren in Russland ist: Aserbaidschan. Das ist in mehrererlei Hinsicht problematisch.
Sportlich war bereits gestern Abend in der 2. Halbzeit der Spannungsabfall zu erkennen. Die – theoretisch – stärksten Konkurrenten Tschechien und Nordirland wurden klarer, als es die Ergebnisse 3:0 und 2:0 aussagen, beherrscht. Der sportliche Spannungsabfall, der nun im Angesicht des tabellarisch schärfsten Konkurrenten Aserbaidschan droht, kann die fußballerische Weiterentwicklung der Mannschaft, die für die Konkurrenzfähigkeit in der Weltspitze erforderlich ist, entscheidend bremsen. Der größte Feind ist die Selbstzufriedenheit.
Aserbaidschan wird erst am 26.3. nächsten Jahres Gastgeber der DFB-Mannschaft. Es ist, vorsichtig ausgedrückt, ein politisch sensibles Parkett. Wie wird sich der DFB dort positionieren, nachdem der russische Nationalspieler Roman Neustädter in dieser Hinsicht jüngst Maßstäbe gesetzt hat? Das aserbaidschanische Regime weiss, wie käuflich der westliche Kapitalismus ist, und wird keine Kosten scheuen, nachdem es die europäische Schlagerwelt schon in seine Westentasche gesteckt hat. Hiesige Konzerne und unsere Regierung sind, wie immer, scharf auf Öl und Gas (zunehmend letzteres).
Das andere Land, auf das unsere Konzerne einschliesslich des Fußballbusiness hemmungslos scharf sind, ist China. Es will sich nicht nur die nächst erreichbare WM kaufen – ab 2026 wäre das machbar, sondern auch in erreichbarer Kürze selbst Weltmeister werden. Das Schöne am Fußball ist bisher noch, dass sowas nicht planbar ist. Derzeit ist der WM-Favorit 2030 Letzter der Asien-Qualifikationsgruppe A, nach einem 0:2 in Usbekistan. Vorletzter ist übrigens Katar, das sich die WM 2022 gekauft hat.

Island & Immobile

Island scheint eine ganz große Fußballmannschaft zu werden. Das gibt es sonst nur bei Real Madrid oder dieser Mannschaft aus dem süddeutschen Raum: dass so lange gespielt wird, bis sie das siegbringende Tor schiesst. So heute Island im WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland zum 3:2 in der 95. Minute.
Von heute bis Dienstag sind täglich europäische Qualifikationsspiele zur WM 2018 in Russland. Ich bezweifle immer noch, dass diese WM dort wie geplant stattfinden wird. Man schaue nur, was geopolitisch gerade los ist, derzeit noch als geographisch begrenzter aber mit unbegrenzter Grausamkeit durchgezogener Krieg in Syrien (hier und hier Versuche von Telepolis, einen Überblick zu geben).
Spanien vergab die Chance auf einen vorentscheidenden Auswärtssieg in Italien. In der 1. Halbzeit, in der es beim 0:0 blieb, gab es einen fußballerischen Klassenunterschied, den Spanien wie so oft nicht mit Toren untermauerte. Es brauchte sogar das Geschenk eines Torwartfehlers durch den großen Gianluigi Buffon, um überhaupt zum Torerfolg zu kommen. Danach hätte der eingewechselte Immobile, der beim BVB meistens nicht über die Ersatzbank hinauskam, sie in seinem Turiner Heimstadion fast alleine geschlagen – am Ende 1:1. Auch der Ausgleich war ein Geschenk – des deutschen Schiris, der Elfmeter für Italien pfiff.

Das letzte Fußball-Länderturnier wie wir es kannten?

Gratulation an Portugal (mehr zur aktuellen Lage des Landes hier und hier), das gestern Abend nach dem Ausfall Cristiano Ronaldos als Mannschaft über sich hinauswuchs. Und erneut den Nachweis brachte, dass im heutigen Fußball der kleinen Unterschiede die Mannschaft und ihr Zusammenhalt der eigentlich “Star” ist. Doch der Fußball, der uns in Frankreich gezeigt wurde, hat keine Zukunft mehr.

Schon bei der WM vor zwei Jahren in Brasilien war erkennbar, dass die Gladiatorenhaftigkeit ein oft gewähltes Stilmittel Weiterlesen

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