Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: SZ (Seite 22 von 23)

Italien, unsere Liebe

Gutes Essen und Trinken, schönes Wetter, schöne Landschaft, liebevolle, temperamentvolle Menschen, vornerum Machos, hintenrum zieht Mamma die Strippen.
Vieles davon ist in Gefahr, und zwar oft durch unsere deutsche Politik der Herrschaft in der EU.

So lassen wir die Italiener*innen mit der seerechtlich vorgeschriebenen Arbeit der Seerettung allein. Die herrschende Fantasie in Mitteleuropa reicht mal gerade zur Einrichtung von Lagern, egal wo, hauptsache nicht bei uns. Hören/lesen Sie hier beim DLF (“Europa heute”), wie Italien Menschenleben und europäische Werte rettet.

Italien will Mr. Trump einladen, um ihm Beweise zum Klimawandel zu präsentieren. In Rom wird Wasser rationiert, das Land fällt trocken, Teile brennen ab – Berichte von telepolis, FAZ und SZ.

Andreas Rossmann (FAZ Feuilleton NRW) macht wie immer Urlaub in Sizilien und schickte uns diese kurze schöne Liebesgeschichte aus der Welt der Eisenbahner*innen. Morgen um 14.45 h gibts im SWR ein hübsches Filmchen aus der gleichen Gegend und Milieu.

“Flüchtlingskrise” und Medien – Ergebnisse & Befunde

von Prof. Dr. phil. Michael Haller
Wissenschaftlicher Direktor des Europäischen Instituts für Journalismus- und Kommunikationsforschung (EIJK)
haller@uni-leipzig.de

(Wiedergabe von S. 132-146 der Studie, ohne Fussnoten)

1. Zusammenfassung der Studienergebnisse

Im Folgenden fasse ich die wichtigsten Befunde der drei Studienteile in zwanzig Punkten zusammen:

1. Bereits im ersten Halbjahr 2015 überschwemmten die reichweitestarken, als glaubwürdig geltenden Newsmedien tagesschau.de, spiegel.de, welt.de und focus.de ihre User/Leser mit unüberschaubar vielen Meldungen und Berichten rund um das Dauerthema Flüchtlinge/Asylanten. Im Sommer schwoll die Nachrichtenwelle nochmals dramatisch an. Während dieser Hochphase publizierten diese Newssites im Laufe von 24 Stunden bis zu 17 Nachrichten allein zum Ereignisthema Flüchtlinge/Asylanten. Sie berichteten und meldeten von unüberschaubar vielen Handlungsorten über Beteiligte auf unterschiedlichsten Ebenen. Dies deutet auf eine (mutmaßlich dem Konkurrenzdruck geschuldete) sehr schwache Selektionsleistung der Newsredaktionen hin.
Nach Maßgabe des Theorems der „Themenverdrossenheit“ lässt sich annehmen, dass sich Teile des Publikums überfordert fühlten und reagierten, indem sie den eigenen Vorurteilen folgten (stark selektive Wahrnehmung). Weiterlesen

“Deutsche” Bank – ein Terrorismusfinanzierer?

Die Deutsche Bank ist im Wortsinne nicht deutsch, sondern ein multinationaler Konzern. Sie macht Weltpolitik und ist zugleich ihr Gegenstand. Als unseriöser Immobilienfinanzierer ist sie schon lange im Visier der US-Justiz. Doch nicht die bekannt aggressiven US-Staatsanwälte, sondern – aus vorsichtigem vorauseilendem Gehorsam? – oder als Retourkutsche für Schäubles Austeritätspenetranz? – untersucht nun nach einem Bericht der Süddeutschen die Europäische Finanzaufsicht die Beteiligungsverhältnisse bei der Bank. Die grössten Aktionäre sind nämlich ein hierzulande undurchsichtiger chinesischer Mischkonzern, sowie Mitglieder der feudalistischen Herrscherfamilie von Katar.
Wenn wir dem SZ-Bericht folgen, sind die namentlichen katarischen Aktionäre ehemalige Regierungsmitglieder, also vom jetzigen Emir bei seiner Machtergreifung politisch degradiert worden. Je grösser der Familienclan, umso größer der Bürgerkrieg und die Interessenwidersprüche in seinen eigenen Reihen. Kleinstaat Katar ist längst, ganz wie die Deutsche Bank, sowohl Spieler als auch Gegenstand der Weltpolitik, mit vielen, vielen Feinden. Und übrigens: auch beim derzeit im Insolvenzverfahren befindlichen Bonner Solarworld-Konzern ist der größte Aktionär katarisch.
Und die Chinesen? Welches Interesse haben sie an der Deutschen Bank? Können sie daran interessiert sein, so ins Visier politischer Aggressionen zu geraten? Letzteres ist klar mit Nein zu beantworten. Zur ersten Frage finden sich Antworten im SZ-Bericht.

Katar / Facebook / Penny / Strassenbahn

Hinter der Kontroverse zwischen Saudi-Arabien und Katar könnte sich der globale Handelskrieg um das Flüssigerdgas verbergen, vermutet, nicht ganz abwegig, Jan Willmroth (SZ).
Wolfgang Michal schreibt im Freitag (hinter neu errichteter Paywall, aber bei seiner eigenen Homepage frei zugänglich), wie man Facebook sinnvoller zuleibe rücken könnte, ein Thema auf das hier kürzlich auch Roland Appel hingewiesen hat. Noch ein Wort zum Freitag: verlegerisch scheint es dort drunter und drüber zu gehen, jetzt hat Augstein Petra Reski und einen Prozess am Hals. Viele gute Autor*inn*en und Redakteur*inn*e*n haben schon das Weite gesucht.
Laurie Penny ist, vermutlich dank des Joint Venture mit dem Guardian, dem Freitag noch erhalten geblieben, hier mit einem angemessenen Wutausbruch gegen eine der Trump-Ladies.
Zentrum industrieller und technologischer Innovation ist heute China. Schauen Sie sich mal diese Strassenbahn an.

Pokalfinale – Journalismus Fehlanzeige

Der ARD als öffentlich-rechtlichen Sender ist Werbung nach 20 h eigentlich verboten. Gestern jedoch sendete sie ab 20 Uhr den ganzen Abend Werbung – eine Produktpräsentation des Deutschen Fußballbundes. Nach meiner Kenntnis ist in den Verträgen alles genauestens geregelt, ein dickes Buch. Nur bekommt die ARD für diese Werbung nichts gezahlt, sondern im Gegenteil zahlt noch eine Millionensumme, um diese Dienstleistung für den DFB zu bekommen. Ist ja unser Geld, also egal.

Manche Fans beschwerten sich, die Pfiffe während des Pausenauftritts einer bei Fußballfans nicht so doll populären Schlagersängerin seien runtergepegelt worden. Antwort der ARD: hamwer immer so gemacht. Aber Bild und Ton werden gar nicht mehr von Reaktionen und Journalisten gemacht, sondern von technischen Dienstleistern im Auftrag des Veranstalters (in der Bundesliga, sowie bei WMs und EMs genauso). Die TV-Sender müssen das dann vertragilch übernehmen. Die Pressefreiheit für Bild und Ton ist also schon abgeschafft.

Und auch beim Wegmoderieren wollte sich Herr Bommes nicht lange mit “großer Spielanalyse” beschäftigen, Weiterlesen

Die Jungfrauen werden euch auslachen

Heute ist Pokalfinale. Wenn der BVB es gewinnt, was nicht so sicher ist, wie alle glauben, hat seine Führung ein Problem. Sie muss der Öffentlichkeit erklären, warum sie den Trainer trotzdem rausschmeisst und wie es so weit kommen konnte (Zitat Claudio Catuogno/SZ): “Es ist ein ungeheuerer, im Kern auch erstaunlich unsouveräner Vorwurf, der beim BVB die Runde macht: dass Tuchel den Anschlag instrumentalisiert habe, um sich auf Kosten seiner Chefs als Gutmensch und Spielerversteher zu profilieren. Das muss man erst mal denken von einem, der nur mit Glück unversehrt blieb – und der das Team dann so beieinanderhielt, dass es kurz darauf im Pokalhalbfinale die Bayern besiegte.”

Ohne Absicht öffnet der SZ-Sportredakteur hier den Blick ins Innere des konservativen deutschen Bürgers, der BVB-Boss Watzke nach Selbstauskunft ist. Der Andere, und sei er auch noch so gut, will mir von meinem hart Erarbeiteten was wegnehmen, das kann der von den Medien ausgeleuchtete genial-wahnsinnige Trainer sein, der faule Grieche, oder der massenhafte Flüchtling oder sogar unser bester Freund, der mit uns um den Weltmarkt und die Weltherrschaft konkurrierende Trump. Das ist die Leitkultur, der der so engagierte Bundesinnenminister eine Stimme gibt und auf der seine vorgesetzte Bundeskanzlerin surft, und der zu widersprechen sich die SPD bis heute nicht traut.

Jeremy Corbyn dagegen hat seine Sprache gefunden und steigt in den Umfragen. Doch am besten von allen schreibt die verehrte Sibylle Berg die Worte zum Wochenende, an alle Massenmörder, mehrheitliche männliche, dieser Welt: die Jungfrauen werden Euch auslachen, in der Hölle.

Russland / Portugal / Big Data in China

Es soll hierzulande Linke geben, die immer noch treu zu Russland stehen wollen. Sie haben nicht nur das Abdanken des “real existierenden Sozialismus” verpasst, sondern auch die Errichtung eines offen brutalen Oligarchenkapitalismus auf seinen Ruinen. Ulrich Heyden, der im Ukraine-Konflikt nie einseitig gegen Russland berichtet hat, hat nun auf Telepolis eine Reportage über eine verbrecherische Gentrifizierungspolitik der Moskauer Stadtspitze veröffentlicht. Zum besseren Verständnis für Bonner*innen: das ist Rene Benko in ganz gross.

Das linke Wirtschaftswunder Portugals ist in Wahrheit kein Wunder, sondern volkswirtschaftlich logisch. Es wird kaum berichtet, hier eine kleine Ausnahme beim Oxiblog.

Kai Strittmatter, ehemals in der Türkei, jetzt wieder in China für die SZ, ist immer lesenswert. Nur leider oft online in der Paywall der SZ eingemauert. Dankenswerterweise hat sich darum Götz Eisenberg auf den Nachdenkseiten einer Nacherzählung seiner Big-Data-Reportage befleissigt, die einer allgemeinen Öffentlichkeit zeigt: Orwell war harmlos. Und diese Art Sozialismus/Kommunismus kann es nicht sein, wovon wir träumen.
Update 24.5.: Selbstverständlich keine Skrupel dieser Art zeigt Windoof-Hersteller Microsoft – Börsenwert, Umsatz und Rendite gehen vor.

NSU-Tribunal / Schinken-Panscherei

In Köln fand am Wochenende ein Tribunal zur NSU-Mordserie statt, Dorothea Marcus berichtet in der taz. Das Problem: in Strafgerichtsverfahren können nur auf konkrete Taten begrenzte Sachverhalte – im besten Falle – aufgeklärt werden. Es fehlen dabei Zusammenhänge, gesellschaftliche, politische. Deren Aufklärung wäre notwendiger Bestandteil einer Wiedergutmachung gegenüber den Hinterbliebenen.

Der leckerste und teuerste Schinken der Welt wird derzeit von der korrupten spanischen Regierung, in Zusammenarbeit mit der EU, planmässig ruiniert. So berichtete es Thomas Urban in der SZ am Wochenende. Es könnte einem egal sein, wenn die Spanier*innen so blöd sind. Sie sollten sich mal in der Toskana, bei den Produzent*inn*en des Brunello erkundigen, wohin Geschmackspanscherei führt – die Verkaufspreise jedenfalls wurden “bereinigt”. Es geht aber auch ein einmaliges Kulturgut verloren, und ein einzigartiger Geschmack. Und das gehört der Menschheit, keiner Regierung.

BVB & Favre: Geld allein macht nicht glücklich

…. es erlaubt nur auf angenehme Weise unglücklich zu sein. Ist es das, was Lucien Favre noch braucht? Ich glaube nicht. Ein sehr engagierter BVB-Fan erzählte mir diese Woche, er verliere die Lust am Profifussball, wenn er “das” sehe. Auch mich haben diese Anwandlungen diese Saison oft befallen. Der Overkill ist nah.

Sogar der Fußballkonzern aus dem süddeutschen Raum musste diese Saison lernen, dass es Leute gibt, Philipp Lahm und Max Eberl, die seine Angebote ablehnen können. Die BVB-Aktiengesellschaft hielt es nun für nötig, mit Durchstechereien von BILD bis Freddie Röckenhaus (SZ) gegen ihren Trainer Tuchel zu intrigieren, unmittelbar vor der Entscheidung um einen sicheren Champions-League-Platz, und vor dem Pokalfinale. Wer auf diese Methoden angewiesen ist, zeigt damit in erster Linie seine Schwäche und Instabilität.

Das wird auch einem klugen Trainer wie Lucien Favre nicht verborgen geblieben sein. Weiterlesen

“WannaCry”-Virus aus NSA-Küche?

Ist der Virus, der seit gestern die Nachrichtensendungen – und die Anzeigentafeln der DB – beherrscht, aus der Küche der NSA geklaut worden? Verschwörungstheorie? Vielleicht. Es gibt Verschwörungen, die gab es wirklich …. Diese habe ich von Thomas Pany auf telepolis, und der hat sie von der New York Times. Nach Donald Trump eine Fake-News-Fabrik.
Update 16.5.: hierzu eine intelligente politische Deutung von Evgeny Morozov aus der SZ.
Update 23.5.: Den Stand der Erkenntnisse versuchte vorgestern (heute online) Harald Staun in der FAS zusammenzufassen.

Neuer BVB-Trainer schon ausgeguckt?

Wie unwichtig der DFB-Pokal für das Fußballgeschäft geworden ist, wird wohl nirgends deutlicher demonstriert, als von der Außendarstellung des Finalisten in Dortmund. Dort wird ein offener Bürgerkrieg ausgetragen; niemand versucht mehr das zu verbergen. Als Aussenstehender muss man wohl offenlassen, wer “angefangen” hat.
Das Vorgehen der Vereinsführung ist jedenfalls zielstrebig. Ihre Offensive gegen den Trainer begann mit diesem Interview von Boss Watzke mit der WAZ.
Trotzdem hat die Mannschaft, mit schlechter Leistung und Schiri-Hilfe zwar, das wichtige Punktspiel um Platz 3 gegen Hoffenheim gewonnen. Da Platz 4 als CL-Quali-Platz aber sowieso nicht gefährdet ist, fallen wohl alle Hemmungen vor verbrannter Erde. Das Presseecho ist einhellig: Tuchel hat ausgeschissen. Theweleit (taz/FR) macht mit, und der viel in den Verein hineinhörende Röckenhaus (SZ) ebenfalls – alle volles Rohr.
Wer so offen(siv) agiert, muss einen Grand mit Vieren in der Hand haben, oder von Katastrophenangst angetrieben sein. Oder beides.

Gehört das auch zu deutscher Leitkultur? BVB-Fan Küppersbusch hat zu der heute jedenfalls in der taz das Richtige geschrieben: Weiterlesen

Istanbul-Biennale: Jenseits des binären Codes

von Ingo Arend

Ein weißer Quader, wie aus dem Bilderbuch des architektonischen Minimalismus. Darinnen ein Labyrinth verschachtelter Räume, das Ganze aufgestellt in einem öffentlichen Park. „Cruising Pavillon“ nannte das Künstlerpaar Elmgreen & Dragset 1998 seine Installation im dänischen Aarhus. Mit ihr visualisierte es das Paradox, dass die schwule Subkultur ihre intimen Räume oft genug dadurch gewinnt, dass sie „straighte“ Kontexte umfunktioniert.
Die Chance, dass die beiden Künstler im Herbst ein ähnliches Werk in Istanbul aufstellen, ist denkbar gering. Für ein so doppelbödiges wie anstößiges Werk ist das kulturelle Klima in der Türkei derzeit vermutlich zu angespannt. Aber die frappierende Dialektik, mit der das Künstlerpaar gern arbeitet, könnte ihnen bei ihrem aktuellen Job von Nutzen sein. Anfang September eröffnen die beiden nämlich die 15. Istanbul-Biennale – diesmal als Kuratoren.

„A good neighbour“ – das Thema, das die beiden zum Motto der Biennale erkoren haben, hat ein gemischtes Echo hervorgerufen. Weiterlesen

„Zukunft der Arbeit als öffentliches Thema“

von Jupp Legrand (Otto-Brenner-Stiftung)

+++ Studie der Otto Brenner Stiftung (OBS) analysiert Presseberichterstattung über die Zukunft der Arbeit +++ Welche Botschaften stehen im Mittelpunkt? +++ Welche Probleme werden diskutiert, welche Hoffnungen geweckt? +++ Prozess der Digitalisierung wird wie ein Naturgesetz wahrgenommen +++ politische Gestaltungsansprüche bleiben wenig ambitioniert und seltsam reduziert +++

Die Arbeitsgesellschaft durchlebt seit Jahren einen epochalen Umbruch. Es müssen Antworten auf radikale Neuerungen gesucht und Lösungen für dramatische Veränderungen gefunden werden. Doch an die Zukunft der Arbeit richten die meinungsbildenden Medien in Deutschland nur altbekannte Fragen: Sie berichten über die technischen Veränderungen und beschreiben die digitale Revolution im Horizont der seit 150 Jahren vertrauten Probleme. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Otto Brenner Stiftung, die soeben zum diesjährigen Tag der Arbeit erschienen ist.

Die Autoren haben die Presseberichterstattung von elf deutschen Tages- und Wochenzeitungen analysiert und unter dem Titel „Die Zukunft der Arbeit als öffentliches Thema“ veröffentlicht. Der Untertitel diagnostiziert eine „Presseberichterstattung zwischen Mainstream und blinden Flecken“. Untersucht wurden u. a. „Der Spiegel“ und „Die Zeit“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die „Süddeutsche Zeitung“, „Die Welt“, das „Handelsblatt“ und „die Tageszeitung“.
„Sorgenvolle Unausweichlichkeit“ sei der Grundton der Medienberichterstattung, resümiert die Studie. Weiterlesen

Eberl und Bayern

Die wichtigste Vertragsverhandlung von Borussia Mönchengladbach wurde vollendet. Keine Gerüchte, sondern offizielle Mitteilungen: der Vertrag mit dem ehemaligen Aussenverteidiger und heutigen leitenden Angestellten Max Eberl wurde “zu erhöhten Bezügen” bis 2022 verlängert. Diese Frist sagt im heutigen Fußball immer weniger über den zu erwartenden Vertragsvollzug aus, dafür umso mehr über die Höhe der erforderlichen Ablösesumme, um ihn vorzeitig zu aufzulösen. Ist doch auch schön.

Es gibt einen Gladbach-Fan im Exil, den ich um seinen gut dotierten Job nicht beneide. Es ist der Sportressortchef des offiziellen überregionalen Vereinsblattes des FC Bayern, der Süddeutschen Zeitung (SZ), Klaus Hoeltzenbein. Extradienst-Gastautor Klaus Kleinöder schrieb ihm vor einigen Monaten eine empörte Abo-Abbestellung, Weiterlesen

Dopingparadies Fußball

In Deutschland und England ärgert mann sich sehr, dass der spanische Fußball ihnen, meistens, bei Länderturnieren und in den Europapokalen der Vereinsmannschaften seit über 10 Jahren eine lange Nase zeigt. Die spanischen Großklubs Real und Barca beherrschen den Fußball nicht nur sportlich, sondern auch in der Geldliga; sie sind globale Marken, unbezahlbar wertvoll im Entertainmentgeschäft. Real wird dabei von der spanischen Staatspartei PP protegiert, das florierende Barcelona inkl. Womanizer Pep Guardiola, hat seine ökonomischen Fühler in die arabischen Feudaldiktaturen ausgestreckt.
Thomas Kistner/SZ fragt darum verständlicherweise, ob das Zufall sein kann. Zufällig auch hat die rechte Parlamentsmehrheit, Engagement der Linken ist allerdings auch nicht bekannt, eine Ratifizierung internationaler Antidopingabkommen bisher verschleppt, so dass sie in Spanien immer noch keine Rechtskraft haben.
Vom Antidopingkampf im deutschen Fußball ist allerdings auch wenig bekannt. Im Ohr klingen noch die Heuchel-Interviews, Doping würde im Fußball ja “gar nichts bringen”. Finanzdoping ist dagegen, ausser in Fan- und Ultrakreisen, unumstritten. Das Magazin “Sponsors”, der Name ist die Nachricht, listet die erste Finanzfußballliga auf, mit auf den ersten Blick seriös geschätzten Zahlen. Auch diese Tabelle “lügt nicht”; ein deutscher Traditionsverein von “1899” gehört dieser Ersten Liga an. Eine gewisse Logik haben also die nächsten WM-Veranstalter Russland 2018 und Katar 2022. Auf sie wird China folgen, wetten?
Beim Fußball ist es wie bei der Deutschen Bahn. Bei ihr ist das einzige, was den Betrieb stört, der Fahrgast. Beim Fußball ist der Einzige, der beim Geldverdienen stört, der Fan im Stadion. Samstag Fünfzehndreissig schauen wir im Westfalenstadion in die Zukunft.

Slowakei – Eibar – Freiburg – Dortmund

Osteuropa ist fremden- und flüchtlingsfeindlich. Dank ihrer formidablen Regierungen sind die europäischen Länder und Menschen (süd-)östlich von Deutschland bei uns im Kopf entsprechend abgestempelt. Zum Glück stimmt das nicht. Die zahlreichen deutschen Numerus-Clausus-Flüchtlinge z.B. wissen es besser. Sie lernen Städte wie Wilnius, Riga oder Bratislava als kosmopolitische Global Cities kennen. Und die Slowakei hat sogar einen Staatspräsidenten (Audiolink von “Europa heute”, 14.2.), der sich von der fremdenfeindlichen sozialdemokratischen Regierung abgrenzt, und dafür nicht etwa angefeindet, sondern immer beliebter wird.

Das Fußballmärchen in Eibar ist immer noch nicht zuende. 4:0 im Montagsspiel gegen Granada, dicht an den Europapokalplätzen in der La Liga.

Das Fußballwunder des SC Freiburg ist das Produkt harter Arbeit. Und am Ende der Saison müssen die besten Spieler immer weiterverkauft werden, mit erklecklichem Gewinn.

Beim Thema Fußballfans brechen alle rechtsstaatlichen Dämme, sogar bei Heribert Prantl, der die DFB-Strafe gegen die Südtribüne richtig findet und erwachsene Bürger zu “Vereinskindern” degradiert, anders als der realistische Fußballfachmann der FR Jan Christian Müller. Worauf ich bereits hingewiesen habe, wird nun endlich von Freddie Röckenhaus für alle, die es ernsthaft interessiert offengelegt: der rechtsradikale Hintergrund der Gewalttäter in Dortmund. Wer dagegen Beleidigungen nicht aushält, sollte sich vom Fußball fernhalten.

USA&China / Africa-Cup&Kamerun / Hoeness / Facebook

Felix Lee beschreibt den aktuellen Stand der Beziehungen zwischen China und den USA, und erkennt dabei richtig ihre Explosivität für uns alle (taz).
Kamerun hat den Africa-Cup of Nations mit einem 2:1 im Finale gegen Ägypten gewonnen. Woran Volker Finke gescheitert war, ist einem belgischen Trainer gelungen, mit einer Mannschaft, der fast alle in Europa Geld verdienenden Stars einen Korb gegeben haben. Tragisch nur, dass die politischen und sozialen Verhältnisse dort katastrophal sind, und logisch, dass es nun nach Gabun der nächste Austragungsort werden soll.
Uli Hoeness wurde einstimmig zum Aufsichtsratsvorsitzenden beim FC Bayern gewählt. Ausgrechnet das Handelsblatt, das in Sachen Wirtschaftskriminalität nun wirklich kompetent ist, kommentiert das angemessen kritisch.
Auf dieser Seite finden Sie keine Logos von oder Links zu Facebook oder anderen asozialen Netzwerken. Natürlich kann und will ich Sie nicht daran hindern, sich dort trotzdem zu bewegen. Wenn Sie Englisch können, sollten Sie sich dann aber diese kritische Gebrauchsanweisung nicht entgehen lassen. Hier eine kurze deutschsprachige Einführung der SZ, was drinsteht. Auf Carta ausserdem ein Soziologen-Interview zur Strategie dieser organisierten Datenkriminalität.

Es gibt noch gute Medien

Gestern berichtete das Deutschlandradio über ein selbstverwaltetes Krankenhaus im brandenburgischen Spremberg. Kannte ich nicht, gesundheitspolitisch sensationell, von der breiten Öffentlichkeit ausserhalb dieses dünn besiedelten Bundeslandes unbemerkt. There are alternatives!
Sonntag bereits sendete “Sport inside”, das sich zusehends zu einem “Weltspiegel” des Sports entwickelt. Absolut sehenswert: die Gabun-Reportage. Das Tragische: es handelt sich um die einzige TV-Sendung, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, die überhaupt Sportjournalismus betreibt – alle anderen Sportformate sind Produktpräsentationen, die sogar weitgehend vertraglich über die Senderechte abgesichert werden, also bei Licht besehen eigentlich Werbefernsehen. Das ist das WDR-Format “Sport inside” ganz sicher nicht, und, obwohl es nur normal-kritischen Journalismus betreibt, für dieses Alleinstellungsmerkmal grimmepreiswürdig.
Thomas Kistner ist auch ein richtiger Sportjournalist. Er berichtete diese Woche für SZ und DLF neue Vertuschungsmerkwürdigkeiten des DFB und der von ihm beauftragten Kanzlei Freshfields in Sachen “Sommermärchen” 2006. Ex-DFB-Präsident Niesbach war offensichtlich besonders darauf erpicht, seinen Vorgänger Zwanziger, der verdächtig ist Jens Weinreich/Spiegel-online mit Infos gefüttert zu haben, in ein schlechtes Licht zu rücken. Kein Medium hat nachgesetzt. Eigene Recherche erfordert bezahlte Arbeit; wer will heute noch für Arbeit bezahlen?
Einige richtige Stichworte zur aktuellen Medienentwicklung gab Lutz Hachmeister der geschätzten Kollegin Ulrike Simon. Hachmeisters wacher Geist ermüdet, ich sah ihn vor ein paar Wochen bei einer Veranstaltung seines Instituts in Köln, weil die Berliner Hauptstadtpolitik an seinen Hinweisen komplett desinteressiert ist. Medienpolitik macht in der BRD eine kleine Gemeinde, fast alle kennen sich untereinander persönlich, Selbstreferentialität in potenzierter Form. Sie sollen die Kreise derer in Berlin nicht belästigen – die so besonders anfällig bleiben für Einflüsterungen strategisch agierender Milliardär*inn*e*n (Murdoch, Malone, Mohn, Springer, Zuckerberg etc.). Diese Provinzialität in der Hauptstadt ist erschütternd.

“Leitmedien” – geht doch

Heute stellte das Politikressort der FAZ seine beiden Hauptstadtleuchttürme Sattar und Bannas endlich mal wieder online. Und wir erfahren mehr über die SPD-“Kanzlerkandidatenkür”, als wir überhaupt wissen wollen. Keine Lügen, sondern relevante Bestandteile von Wahrheit – wie relevant, und was fehlt, müssen wir als Bürger*innen immer noch selber herausfinden.
Für nicht Landeskundige geradezu grossartig, was Kai Strittmatter auf Seite 3 der SZ heute an China-Reaktionen auf Trump zusammengetragen hat, leider nicht online, sondern nur hinter Paywall, und darum hier nicht verlinkt. Strittmatter hatte schon als Türkeikorrespondent der SZ ein beeindruckendes journalistisches Werk hinterlassen.
Trump und die Medien wird heute bei Carta von Hachmeister-Mitarbeiter Till Wäscher ausgeleuchtet. Der Medienbeschimpfer ist ihr eigenes Produkt und Quell ihrer Profite, Dialektik des modernen Kapitalismus.
Noch nicht mal mit ihrem Arsch gucken hiesige Medien den Africa Cup of Nations an. Das habe ich hier schon beklagt. Einen Kurzbericht zum Stand dieses sportlich wichtigen Kontinentalturniers, inklusive angemessener Kritik an seiner politischen und kapitalistischen Instrumentalisierung heute in der Jungen Welt.

Panikmache regiert das Land

Gestern Abend ist in Berlin ein Sattelzug in einen Weihnachtsmarkt gefahren und hat nach bisherigen Erkenntnissen zwölf Menschen getötet und achtundvierzig verletzt. Das ist schlimm, wenn dies absichtlich geschehen ist, noch schlimmer. Das Mitgefühl mit den Opfern und ihren Angehörigen sowie die hoffentlich baldige Genesung der Verletzten sind das Wichtigste. Dies wäre die richtige Reaktion, wenn wir nur im mindesten ernst nähmen, was die Weihnachtsbotschaft des christlichen Glaubens meint. Barmherzigkeit und Mitleid mit den Opfern und ja, auch mit dem Täter, egal wer er ist. Denn wie fehlgeleitet, wie irrsinnig und weit weg von jeder Menschlichkeit muss ein Mensch gekommen sein, der so etwas – möglicherweise, wir wissen es immer noch nicht – mit Absicht getan hat? Warum schreibe gerade ich als Atheist so etwas? Weil ich trotzdem glaube, dass ein Weg der inneren Stärke und Sicherheit von uns allen, nur über Mitleid und Barmherzigkeit erlangt werden kann und nicht über Hass und Gewalt. Der Gedanke kam mir, als ich heute Morgen das “Handelsblatt Morning Briefing” las, in dem Herausgeber Steingart von “Zivilisationsfinsternis” und einer “weltweiten Serie des Unheils” schrieb und die Frage stellte, “ab dem wievielten Anschlag der Krieg” beginnt?

Als vor einigen Jahren in Köln ein Raser auf dem Ring in eine Menschenmenge fuhr und ich weiß es nicht mehr genau, ich glaube, fünf Menschen tötete, darunter den Sohn den Oberbürgermeisters Schramma, war das eine furchtbare Tat. Aber niemand kam deshalb auf die Idee, Weiterlesen

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