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Hallo Grüne – jemand zuhause?

Seit dem 10. September waren die Grünen mit sich selbst beschäftigt. Sie traten statt mit den politischen Gegnern mit sich selbst in Konkkurrenz, um fiktive und im deutschen Wahlrecht überhaupt nicht vorgesehene Spitzenkandidat*inne*n zu bestimmen. Um es besonders lächerlich zu machen, kandidierte für den weiblichen Spitzenplatz dann nur eine Frau; Neinstimmen waren für sie nicht vorgesehen, man konnte sie nur durch Nichtankreuzen ablehnen, was dann auch 30% der Wahlteilnehmer*innen taten.
Wie üblich prahlen Parteien in solchen Selbstbeschäftigungszeiten besonders eindrucksarm über sich selbst (Eintrittszahlen etc., für niemanden nachprüfbar).
Welche Möglichkeiten haben wir nun zu prüfen, wie die Grünen mit dieser Spielerei die Gesellschaft, die Wähler*innen beeindruckt haben?
Als Stichprobe habe ich mir angesehen, was die Bonner Grünen in dieser Zeit mitzuteilen hatten. Auf ihrer Homepage kam ich auf 29 Mitteilungen, von denen sich 8 mit ihnen selbst beschäftigten. 21 betrafen mehr oder weniger Themen, die auch die Bürger*innen betrafen. 21 in 134 Tagen (die Weihnachtspause schon nicht mitgerechnet). Gleichzeitig prahlt die Stadtratsfraktion, dass sie fürs letzte Jahr 17.000 €, für das Vorjahr 13.000 € an die Stadt zurückgezahlt habe, mit andern Worten: keine Ideen und keine Lust hatte, mit dem vom Steuerzahler zur Verfügung gestellten Geld politische Aktivitäten zu entwickeln.
Dann haben wir noch die Möglichkeit, Umfragedaten auszuwerten, die ich selbst durchaus auch immer gerne anzweifle und die mit Wahlergebnissen nicht verwechselt werden sollten. Als Wahrnehmung von Trends sind sie aber geeignet. Wie war der Trend zwischen dem Start der Urwahl am 10.9. und heute bei den Grünen-Werten?
Allensbach: von 12 auf 9
Emnid: von 11 auf 10
Forsa: von 11 auf 10
FG Wahlen: von 13 auf 8
Infratest: von 12 auf 9
Insa: von 11 auf 8,5
Schön wäre, wenn daraus gelernt würde. Die Zeit wird knapp.

1 Kommentar

  1. Roland Appel

    In seinem lesenswerten Buch “Rückkehr nach Reims” analysiert Didier Eribon messerscharf, aufgrund welcher Mechanisman eigentlich links sozialisierte Wähler, ehemalige Kommunisten und Mitglieder der CGT wie seine Mutter inzwischen “Front National” wählen. Ein zentrales Motiv ist, dass die ehemaligen Angehörigen der weißen Arbeiterklasse von linken Sozialisten und Grünen eingeflüstert bekamen, dass der Klassenkampf längst “veraltet” und der Gegensatz von Kapital und Arbeit ein Relikt aus einem jahrhundert sei. Grüne und Sozialdemokraten, die “es geschafft” hatten, “B 3 macht frei” – Der Wahlspruch von Karrierebeamten – steht dabei als Synonym für die Enttäuschung und das Unverständnis der “kleinen Leute” gegenüber denen, die ihnen doch einstmals Erlösung von ihren Leiden, der Armut und Perspektivlosigkeit durch linksalternative und sozialdemokratische Konzepte versprochen hatten, von denen allerdings die Mehrzahl im Mainstream versank.

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