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Smartphone-Demokratie

Eine Revolution in Höchstgeschwindigkeit
von Rainer Bohnet

Das digitale Zeitalter ist eine Revolution in Höchstgeschwindigkeit. Es verĂ€ndert unser ganzes Leben und bringt sogar die Demokratie in BedrĂ€ngnis. Die Smartphone-Demokratie ist ein thermonuklearer Sprengkopf im Vergleich zur Feder, die vor rund 200 Jahren mĂ€chtiger als das Schwert war (Zitat von Richard Gutjahr in seinem Vorwort zu “Smartphone-Demokratie”).

Da die Demokratie im Gegensatz zur Autokratie systemisch sehr langsam ist, dient die Digitalisierung in erster Linie autoritĂ€ren und populistischen KrĂ€ften. Das kann die Demokratie in BedrĂ€ngnis bringen. Sagt der Bonner Philosoph Martin Booms in seinem Kolloquium “Zukunft der Demokratie”. Hinzu kommt, dass die Digitalisierung den kompletten Arbeitsmarkt verĂ€ndert. Einige Experten prognostizieren existenzielle VerĂ€nderungen fĂŒr jeden zweiten Arbeitsplatz. Deshalb muss Arbeit völlig neu definiert werden. HĂ€usliche Arbeit sollte professionalisiert und ein Grundeinkommen darf nicht mehr grundsĂ€tzlich verteufelt werden.

Das PhĂ€nomen der Vermassung von Menschen spielt der Digitalisierung perfekt in die HĂ€nde. Sie wirkt im Kontext mit der Globalisierung wie ein starker Treibriemen. Selbst illiberale Tendenzen der Unfreiheit und der UniformitĂ€t deutscher InnenstĂ€dte sind hierfĂŒr ein deutliches Zeichen, das wir weitgehend unbewusst wahrnehmen. Staatliche Strukturen kommen ins Wanken, wenn die NSA befreundete LĂ€nder digital ausspionieren oder Russland versucht, die Wahl des US-PrĂ€sidenten digital zu beeinflussen. “Deshalb benötigt die moderne Welt dringend wirksame Schutzmechanismen fĂŒr Individuen, Menschenmassen und Staaten”, fordert der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Rudolf Baum.

Neben der Politik und der Gesellschaft ist auch die Wirtschaft betroffen. Denn Google, Amazon & Co. sind globale Konzerne und Datenkraken ohne jeglichen ethischen Skrupel, die die soziale Marktwirtschaft marginalisieren und neue internationale Monopole etablieren. Und wir mĂŒssen realisieren, dass die Digitalisierung außerordentlich energieintensiv ist und sehr viel Strom benötigt. So liegt der gesamte Strombedarf der DigitalwĂ€hrung Bitcoin auf dem Niveau des Staates DĂ€nemark.

Martin Booms zieht daraus den philosophisch-politischen Schluss, die Digitalisierung mĂŒsse sich demokratisieren und nicht umgekehrt. Diese Forderung kann ich voll und ganz unterstĂŒtzen. Analog und digital.

1 Kommentar

  1. Martin Böttger

    Lieber Rainer, Deine kritischen Intentionen in diesem Text teile ich weitgehend, meine eigenen Gedanken zu diesem Thema sind aber zweifelnder, neugieriger, weniger apodiktisch. In der Hinsicht: jede’ Jeck is anders.
    Ich möchte aber fĂŒr eine SchĂ€rfung der benutzten Sprache und Begriffe plĂ€dieren: “Vermassung” ist fĂŒr mich ein Terminus rechter Ideologen, die damit gerne gegen Demokratisierung argumentieren – wenn alle doof sind, ist Demokratie nicht die Lösung. Und hat Digitalisierung “HĂ€nde”, in die was gespielt werden kann?
    Besonders zustimmen kann ich Dir in der Empfehlung mehr Gutjahr zu lesen – ein sehr guter Kerl mit einem tollen Blog.

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