Seppelt – und nun ARD?

Von , am Samstag, 12. Mai 2018, in Fußball, Medien, Politik.

Dopingexperte Hajo Seppelt wurde von Russland das Einreisevisum und damit die Presseakkreditierung entzogen. Er kann also nicht zur WM anreisen und von dort berichten. Die Empörung der ARD ist darüber gross und vordergründig lautstark. Aber ist sie auch rechtschaffen? Wieviel Substanz hat sie im Kern?
Seppelt hat mit der ARD, vertreten durch WDR und RBB, ähnliche Verträge wie die Talkshowmaster. Er ist nicht Angestellter, sondern selbstständiger Dienstleister. In der Dopingdiskussion hat er sich einen hochangesehenen – und gefürchteten – Expertenstatus erarbeitet, auf den die ARD-Sportredaktionen nicht verzichten wollen, und die Intendant*inn*en ihn darum vertraglich gebunden haben. So weit, so gut. Seppelt ist auch, selbst wenn er in seiner Agressivität manchmal so wirkt, kein Russophober; er schreckt auch vor Kritik an deutschen Dopingmethoden nicht zurück.

Nun stellen sich aber Fragen an das Vertragsverhältnis von ARD (und ZDF) mit dem WM-Veranstalter Fifa. Die Sender haben für sehr, sehr viel von unserem Geld die WM-Senderechte bei der Fifa gekauft. Solche Lizenzverträge haben gewöhnlich einen grossen Umfang. Der letzte Scheiss wird darin geregelt: wie welche Sponsoren ins Licht gesetzt werden müssen, was wie gesendet werden muss, Fifa-eigene Spots z.B. u.v.m. Und jetzt sagen Sie bitte nicht, ARD und ZDF hätten sich die journalistische Pressefreiheit nicht vertraglich zusichern lassen! Update 12.5.: ein Bericht im DLF behauptet, es sei vertraglich gesichert. Spannend wäre offenzulegen: wie?

Schlimm genug, dass sie Bilder schon lange nicht mehr selber machen, sondern sich verpflichten lassen, die von Fifa-beauftragten Dienstleistern zu übernehmen, wie es auch mit der DFL/Bundesliga seit Jahren praktiziert wird – das vereinfacht Bildzensur und -selektion.

Wenn die Berichterstattungsfreiheit vertraglich abgesichert ist, dann würden Russland und die Fifa mit der Visumverweigerung gegen Seppelt vertragsbrüchig, und auf die Senderechte und den ganzen Deal müsste kostenfrei verzichtet werden können. Oder etwa nicht? Warum nicht?

Ist unseren öffentlich-rechtlichen Sendern etwa ein Fussball-Deal mit der größten globalen Mafiaorganisation Fifa wichtiger als die Pressefreiheit? Was wäre dann noch mal genau “unser” Unterschied zu Putin?

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