Emanzipation – wieder aus den USA?

Von , am Dienstag, 14. August 2018, in Politik.

Was die Frauen in den USA auf die Beine stellen, scheint mir derzeit politisch beeindruckender, als was alle Genders zusammen hierzulande bewerkstelligen. In den letzten Monaten waren es die Frauen, die Schwarzen und die Schüler*innen, die nicht nur virtuell und digital (das auch!), sondern ganz altmodisch als richtige Menschen auf der Strasse zeigten, wie gross und stark die gesellschaftliche Opposition gegen das Trump-Regime ist.
Dann hat die Kandidatin der US-Demokraten für New York Alexandria Ocasio-Cortez die Rechten in den USA und in ihrer eigenen Partei in Angst und Schrecken versetzt. Nun folgt ihr eine Muslima, Rashida Tlaib in Michigan. Für rechtsradikale Trump-Fans, für die der Teufel sowieso eine Frau ist, muss er jetzt unmittelbar vor der Machtergreifung stehen. Es wird wieder heiss werden am anderen Atlantikufer.
Auffällig: die Bildersprache ändert sich. Bisher waren es glaubwürdige weisshaarige weisse Männer, Bernie Sanders und Jeremy Corbyn, die die angloamerikanische Linke mobilisiert haben (beachten Sie das Foto auf der Startseite seiner Homepage, da sehen Sie schon die Zukunft). Langsam scheinen junge Frauen mit diversesten Migrationshintergründen mit gleichzeitig funktionierender sozialer Erdung zu übernehmen. Sie aktualisieren damit die progressive Personality-Performance. Wesentlich für einen Erfolg wird sein, dass Bild und Botschaft zusammenpassen, im Idealfall identisch sind.
Hierzulande sind wir in dieser Hinsicht noch evangelischer als der Papst. War es schon übergriffig, leistungsstarke deutsche Sportlerinnen sexy zu finden? Nein natürlich nicht. Bei so einem jungen Sender wie dem ZDF müssen sie nur mit ihrer Sprache noch was üben. Die Kleidung der Damen wird durch ihre – männlich dominierten – Sportverbände bestimmt. Im Volleyball war es bereits Streitgegenstand, der Beachvolleyball bestreitet sogar sein Marketing mit der Sexyness seiner Teilnehmerinnen. Am besten wäre, die Männer in den Verbänden zügeln ihre Regelwut, und die Damen und Herren dürfen sich kleiden, wie sie selbst wollen. Bei den Vorstellungsrunden vor jedem Wettbewerb ist unschwer zu erkennen, dass sie bei Schminke, Frisur und der aufregenden Mischung von Konzentration auf den Wettbewerb und charmantem Mienenspiel eigene Akzente zu setzen wissen. Und keiner davon, davon lebt der Verkauf der Sportart an die Medien, ist unattraktiv.
Warum führe ich das an dieser Stelle so weitschweifig aus? Weil die Kampagnen-Manager*innen der US-Demokrat*inn*en selbstverständlich über solche Dinge nachgedacht haben werden. Wenn sie am 6. November (Midterm-Elections) gewinnen, werden es alle richtig finden.

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