Dortmunds OB adelt Tatort

Von , am Dienstag, 22. Januar 2019, in Beuel & Umland, Medien, Politik.

Mit Update
Endlich. Wenn ein Lokalkrimi keinen mehr aufregt, ist es um ihn geschehen, jedenfalls wenn es sich um einen ARD-Tatort handelt. Schimanski wäre ohne den standesgemässen Protest der damaligen Kommunalpolitiker*innen in Duisburg nie so bekannt, berühmt, beliebt geworden, wie er es war. Nun hat es endlich auch “Faber” in Dortmund geschafft. OB Sierau (SPD) beschwerte sich bei WDR-Intendant Tom Buhrow. Er “hätte nichts dagegen, wenn Sie den Dortmund-Tatort einstellen und Kommissar Faber und sein Team in den vorzeitigen Ruhestand schicken würden.“ Nebenbei lässt er erkennen, was die vorgärtnernden Ruhrgebiets-Kommunalpolitiker*innen niemals lernen wollen: dass den Menschen inner- und ausserhalb des Ruhrgebietes die dortigen Stadtgrenzen scheissegal sind.
Ich hatte hier meine Kritik bereits artikuliert. Das gehört zum normalen Tatort-Geschäft. Wenn es über eine Folge keinen Streit gäbe, wäre etwas gründlich schiefgelaufen. Und das Individuum Sierau kann dazu genauso seine Meinung haben. Wenn er sich aber als Amtsinhaber äussert und beim von seinen Parteigenoss*inn*en mitbestimmten Boss des Senders “anregt”, eine spezifische Produktion von Kunst einzustellen, dann wird die Grenze unserer Grundrechte und der Staatsferne eines öffentlich-rechtlichen Mediums berührt. Das werden Kommunalpolitiker*innen wohl nie lernen – da geht es um unsere Verfassung, und ihren Schutz. Darum ist es wichtig, sie aus den Gremien solcher Sendeanstalten fernzuhalten.
Das Publikum repräsentieren sie definitiv nicht. Herr Sierau z.B. wurde von 15,7% seiner Bürger*innen gewählt. Update 24.1.: umgekehrt zu seiner blassen Legitimation durch Wähler*innen platzt der arme Mann vor Hybris, dass ich mir Sorgen um ihn und seine Stadt mache. WDR-Intendant Buhrow soll ihm geantwortet haben, der komplette Wortlaut seines Briefes war auf der WDR-Homepage (wie auch fast sonst nichts) nicht zu finden.

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