Feuer unterm SZ-Dach

Von , am Dienstag, 14. Mai 2019, in Genuss, Medien.

Weiter unten: Guardian, Sergej Dorenko, Joachim Król
Kürzlich hatte ich mich über die Online-Präsentation der SZ beschwert. Komplett unschuldig bin ich dennoch daran, dass die Bossin davon, Julia Boenisch, geboren, wo ich auch geboren bin, mir persönlich bisher nicht bekannt, jetzt unter schweres Feuer geraten ist. Das berichtet die in meiner Respekt-Skala weiter aufsteigende Anne Fromm/taz. Den Text von Boenisch, auf den sich die Aufregung bezieht, finden Sie hier. An dem habe ich weniger auszusetzen. Wichtig ist mir die Differenzierung, dass Boenisch nicht die Auflösung der Trennung zwischen Anzeigen und Redaktion, sondern zwischen Verlag und Redaktion befürwortet. Dafür spricht einiges, dass die besser zusammenarbeiten. Nicht einschätzen kann ich, inwieweit sich ihre aufgeschriebenen Einsichten mit ihrer alltäglichen Führungspraxis decken. Wenn nicht, könnte sie sich da böse selbst ein Bein gestellt haben.

Guardian

Zu Recht erregt in diesen Debatten der Guardian weltweites Aufsehen. Sein Ex-Chefredakteur Alan Rusbridger gab der NZZ ein Interview, in dem ich nichts Falsches entdecken kann. Vergleichen Sie diesen Mann mit seinen Einsichten mit dem neoliberalen Windmacher Gabor Steingart – das markiert auf illustrative Weise den Unterschied, nicht nur zwischen diesen Männern.

Sergej Dorenko

Ulrich Heyden gedenkt eines weiteren Journalisten-Mannes, der bei einem Motorradunfall ums Leben kam: Sergej Dorenko. Ich kannte den nicht, bin aber dauerhafter Ulrich Heyden-Leser (nachdenkseiten, telepolis). An Dorenko schildert Heyden die ganze Widersprüchlichkeit russischer Politik- und Medienverhältnisse. Diese Widersprüchlichkeit findet kaum Raum in dem, was uns alltäglich aus Russland berichtet wird, und verformt so die Berichterstattung zusehends in Richtung eines braven Befolgens des Agendasettings der Aussenpolitik der Bundesregierung. Ausnahmen sind neben Heyden der ins Radio-Feuilleton ausweichende Uli Hufen und der schweigsam gewordene Kai Ehlers.

Joachim Król

Joachim Król nahm ich zum ersten Mal in “Wir können auch anders” (Regie: Detlev Buck) wahr. Grossartig. Meine damalige Freundin, Tochter eines westfälischen Bauernclans, hatte mich da reingeschleppt, was ich ihr nicht vergessen werde. Dann traf ich Król zufällig persönlich bei der Deutschland-Premiere von “Germinal” (Regie: Claude Berri) in einem Cinemaxx-Bunker in Essen. Film nur so mittelgut, der dicke Depardieu steigt nackt in eine Gusseisen-Badewanne, wie ich sie mal noch als Kleinkind bei den Grosseltern gesehen hatte. Johannes Rau und Gattin waren unter den Ehrengästen. Und eben Król, er sass bei der Vorführung neben mir. Etwas linkisch noch, als wenn derartige Promiaufläufe nicht sein Zuhause waren. Aber der Film interessierte ihn, Schauspieler halt. Ein ganz Grosser ist er dann ja auch geworden. Gestern strahlte das ZDF einen TV-Film aus, der extra für ihn erfunden worden sein muss, so strahlte darin seine Kunst. Und die Hymne, die Oliver Jungen/FAZ dazu singt, ist noch schöner als der schöne Film.

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