Text des Tages ist meine heutige Entdeckung von Arno Widmann. Mir war seinerzeit schon aufgefallen, wie hymnisch seine frĂĽhere Kolumnistin Mely Kiyak seine Redaktionsarbeit pries. Die von ihr damals geforderte Demokratiewachsamkeit hat Widmann zu bieten. Er hat die Bedeutung der Reden von Rezo und Merkel verstanden und lässt uns in seiner FR daran teilhaben. Was bei ihm fehlt, ist die Tatsache, dass hinter Rezo ein professionelles Management steht, dessen Effizienz durch die Tatsache ihrer öffentlichen Nichtbeachtung – in diesem Fall – noch gesteigert wird ;-)
Update nachmittags: asoziale Konzernnetzwerke funktionieren, und zwar fĂĽr mich wie eine MĂĽllentsorgung. Weil ich dort nicht “bin”, habe ich ĂĽbersehen, was Stefan Niggemeier/uebermedien stellvertretend alles gelesen und aufgeschnappt hat (wie es sonst Hans HĂĽtt fĂĽr mich mit Talkshows tut). und siehe, die Rezo-Kritiker verhedderten sich so blamabel in ihren eigenen Argumentationspirouetten, dass sie im Sinne des Wortes professionelle Hilfe brauchen.

Frauen

Doch nun möchte ich zu wirklich exotischen Themen übergehen. Zunächst: Frauen. Es mag viele Leser überraschen, aber: Sie, die Männer sind das Unnormale. Frauen sind das Normale. Sie sind die Mehrheit. Tja. schockierend, aber wahr. Georg Diez, der bei Sp-on hingeschmissen hat, schreibt in der taz über eine Story des SZ-Magazins zu der hier schon oft erwähnten Margarete Stokowski. Die SZ-Story steht hinter Paywall, die Suchfunktion von sueddeutsche.de weist zwei Treffer aus, einen mit männlichem Soloautor, einen älteren mit weiblicher Koautorin. Das lässt vermuten, dass in der SZ-Redaktion wieder einiges los war.
Die Sache mit den Männern ist ein echtes Problem. Ich nehme es gegenwärtig bei der Frauenfussball-WM schmerzhaft wahr. Fortgesetzt dilettieren die Männer ahnungslos an den Kommentatormikrofonen rum. Zum Spiel der DFB-Elf gegen China (1:0) lästern sie tagelang ĂĽber einen Fehlpass von Sara Doorsoun ab, ĂĽbersahen aber, dass zwei Mitspielerinnen ihrem missratenen Ball nicht entgegen gingen, sondern erstarrt warteten, und damit den gefährlichen Ballverlust begĂĽnstigten; und erst in der dritten Zeitlupe bemerkte der Herr Schmelzer/ARD endlich, dass es Doorsoun persönlich war, die nach ihrem Fehlpass nicht erstarrte, sondern in hochkonzentriertem Vollsprint zurĂĽckeilte, um die chinesische Torchance höchstpersönlich zu vereiteln. Die ARD-Männer erinnern sich bis heute nicht daran; aber immerhin ist die Bundestrainerin eine Frau mit Ahnung von Fussball und hats gesehen. Ă„hnlich das Gerede von der angeblich in der 2. Halbzeit “abgetauchten” verletzten Dzsenifer Maroszan. Eine Viertelstunde vor Schluss schlug sie mit kaputtem Knöchel einen Freistoss aus der eigenen Hälfte heraus der 1:0-TorschĂĽtzin Gwinn diagonal ĂĽber das halbe Feld so genau in den Lauf, dass es fĂĽr die hochgejubelte Nachwuchskraft eine Kunst war, die Chance zum 2:0 zu vergeben. Dieses Zuspiel von Maroszan schaffen weniger als 0,5% aller fussballspielenden Männer – wenn sie gesund sind.
Also Männer weg vom Mikro, am besten immer Claudia Neumann/ZDF; sie setzt das Niveau, das bei einer WM von Journalistinnen verlangt werden kann. Das Schönste beim abendlichen Männerspiel (Portugal-Niederlande) war ein 15-minĂĽtiger Tonausfall beim ZDF-Kommentar (Bela Rethy) – nur Stadionton, herrlich! Ich dachte, Ernst Huberty ist zurĂĽck.
Aber zurĂĽck zu den Fussballerinnen. Hope Solo. Ex-TorhĂĽterin der USA, macht weiter politische Schlagzeilen. Ich unterstelle, weil jeder heterosexuelle Mann meint, dass sie scharf aussieht. Sie ist alt genug, dass sie heute (fast) alles ĂĽber diese “Mechanismen des Geschäfts” weiss; ihre kämpferische Professionalität wird nicht von allen Männern so gern gesehen wie ihr Körper. Auch das ist Politik, lies nach bei Frau Stokowski (s.o.)-

SPD

Die SPD bewegt noch die Gedanken vieler älterer Männer, auch solcher, die sie schon lange nicht mehr wählen. In der eigenen Lebensgeschichte, zumal wenn mann wie ich im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, hat sie immer eine bedeutende Rolle gespielt. Das ist jetzt Geschichte.
Herr Heisterhagen hat heute in seinem DLF-Interview einiges an diskursiver Satisfaktionsfähigkeit eingebüsst. Schlaue Analysen schreiben, was er besser kann als Reden; aber ratlos vor den Zeichen an der Wand. Dito die einst glorreiche NRW-SPD. Wie jämmerlich. Ich mag nicht mehr drauftreten. Andere machen sich die Arbeit, hier Ulrich Horn, brutal aber wahr.
Stefan Reinecke/taz meint, SPD und Linkspartei sollten jetzt zusammengehen. So zweckmässig das erscheint, so sicher werden beide es nicht tun. Wohin fĂĽhrt das? Robert Misik/taz gibt eine Ahnung davon. Und Friedrich KĂĽppersbusch. Von Dänemark lernen? Habenses nicht noch ‘ne Nummer kleiner? Vorpommern? Saarland? Oder doch Portugal?

Sizilien

Rentner Andreas Rossmann ist einen umgekehrten Weg gegangen, als ihn (jĂĽngere) Journalist*inn*en sonst immer gehen: von der FAZ zur taz. Dort berichtet er im Feuilleton ĂĽber eine wichtige Fotoausstellung in Palermo. Durch alljährliche Aufenthalte ist Rossmann nicht nur NRW- sondern auch Sizilienexperte. Vielleicht bucht die NRW-SPD ihn noch als Berater, der einst den “Allgemeinplatzhirsch” in der DĂĽsseldorfer Staatskanzlei entdeckt hatte.