Seit Sibylle Berg nur noch 14-tägig bei Spiegel-online abliefert, scheint sie heisser zu laufen, aufsässiger, revolutionärer zu werden: Bildet Banden! Ja sicher, sie hat ja Recht. Ihr Blick ist nicht vernebelt, er ist scharfgestellt. Eine Woche mehr Zeit zum Nachdenken radikalisiert.
Jan Grossarth gehört zu den klugen Köpfen der FAZ. Er versteht was von Landwirtschaft, Nahrungsproduktion, und das weltweit. In FAZ-quarterly stampft er den Naturbegriff, wie er meistens benutzt und verstanden wird, in die Tonne. Treffend, und manches durch Emotionalisierung schief geratenes Bild korrigierend. Er prügelt aber nicht nicht darauf ein, um Talkshoweinladungen zu provozieren, sondern entwickelt ein grundvernünftiges alternatives Szenario, wie die Menschheit wachsen und weiterexistieren kann. Danke.
Das las ich, während ich genussvoll zu Mittag ass – mein Tipp: ein paar kleine Stückchen Bio-Millefoglie, dazu ein 2014er Chateau Plaisance aus Saint Emilion – und im Radio Ewald Lienen zuhörte. Sein Interviewer Joachim Scholl bekannte sich gleich zu Beginn als Gladbach-Fan. Wir verleben gegenwärtig eine sehr schöne Zeit. Wenn in Nachrichtensendungen vom “Bundesliga-Tabellenführer” die Rede ist, der gestern dies und das gespielt habe, fühle ich mich glatt 40 Jahre jünger. Da war es das das letzte Mal so. Und es wird nach dem 3:1 heute gegen Werder noch mindestens drei Wochen so bleiben! Rührend zu sehen, wie sich manche mit 3-4mal so viel Kapital gestern Abend freuten, dass sie Dritter wurden. Beim Gespräch mit Ewald im Radio lief parallel ein Film meines eigenen politischen Lebens ab. Und sein Schlussplädoyer, dass wir uns den Fußball nicht von den kapitalistischen Geschäftemachern wegnehmen lassen dürfen, erinnerte mich an meinen verstorbenen Freund Mike Mennen, der das exakt so gelebt hat. Als öffentliche Person, die sich nicht von den Geschäften, in denen er sich selbst sein Leben lang bewegt hat, hat deformieren lassen, ist dieser Ewald – ich habe ihn im Gegensatz zu Hans Schäfer (ausgerechnet ein FC-Heiliger) nie persönlich kennengelernt, kenne nur mehrere Leute, denen das vergönnt war – ist dieser Ewald Lienen wahrlich eine starke, eine grosse Persönlichkeit. Obwohl er ja Westfale ist. Umso erstaunlicher ;-) Die Verehrung, die er zum Ende seines Berufslebens beim FC St. Pauli bekommt, sie ist darin begründet und verdient.