Shoshana Zuboff wird von deutschen Zeitungsverlegern, die mir in der rasant sich verändernden Medienbranche bisweilen wie Zombies vorkommen, mit Preisen bedacht und ernstgenommen, zurecht. In der FAZ war sie kürzlich wieder in einer Paywall eingemauert. Das österreichische Magazin Kontrast hat aktuelle Ausführungen von Zuboff offen online, mit einer Übernahme aus The Progressive Post. Zuboff hat sich ohne Zweifel eine starke Position im Diskurs erobert. Hier hatte sie der Extradienst mit einem lizenzfreien (übersetzten) Text zum “Surveillance Capitalism”.
Ein schönes praktisches Beispiel wird gerade in der Berliner Öffentlichkeit, und zwar von beiden Seiten, durchgestochen und hochgekocht. 1998 hat der Diepgen-Senat (CDU-geführt) eine öffentlich-private Partnerschaft mit einer Tochter des Berliner Verlages abgeschlossen, für die Internetseite berlin.de. Wahrscheinlich hat sich der Senat damals alleine für zu doof gehalten, und die CDU war sowieso mit den wenigen Grossverlagen des Landes gerne freundschaftlich verbunden. Das hat schon immer die politische PR erleichtert. Nach diversen Besitzerwechseln, fast immer unter skandalösen Umständen ist der Berliner Verlag, vom britischen Spekulanten Montgomery über DuMont jetzt beim Ehepaar Friedrich gelandet, die mit der Währung unserer Zeit, Daten und ihrer Verarbeitung, vermögend geworden sind. Nachdem zuvor der Gatte als junger Mann noch dem real existierenden Sozialismus gedient hatte, als Soldat, also gelernter Mörder, und IM. Klar, das haben viele getan, und nicht alle von ihnen sind oder waren Arschlöcher. In diesem Falle dienten die Durchstiche gewiss verborgenen Interessen (“hidden agenda”). Dass jetzt eine konkurrierende Zeitung des Holtzbrinck-Konzerns, der den Berliner Verlag gerne behalten hätte, aber wg. des Kartellrechts nicht durfte, ausführlich und genüsslich zum aktuellen Streit um berlin.de berichtet, ist gewiss keine altruistischer Kampf um die Pressefreiheit, sondern natürlich auch interessegeleitet. Am Ende ist die Beurteilung des heute linksregierten Berliner Senats absolut richtig und fällig. berlin.de gehört so wenig in private Hand, wie … Wohnungskonzerne.
Die Zombiehaftigkeit deutscher Medien belegen an einem weiteren Beispiel die Kollegen von den nachdenkseiten (Wolf Wetzel), der Bolivien-Berichterstattung, die mich in der Tat fast sprachlos macht.