Schmerz ist ein wichtiges Signal des Körpers ans Hirn: hier ist was, was nicht so bleiben kann. Kümmer dich drum! Gut ausgedacht von der Biologie. Dass Dummheit nicht wehtut, ist der Beweis, dass sie nicht biologisch ist. Sie ist eine soziale Konstruktion von uns Menschen. Oftmals ist Sachkenntnis und Klugheit viel schmerzhafter – ein Grund, warum so viele Menschen lieber doofbleiben.
Nach dieser Vorbemerkung ist zum besseren Verständnis zunächst erforderlich, dass ich die zu Tadelnden lobe. Die “Hinweise des Tages” der Kollegen (Frauen sind dort schwer zu entdecken) von den nachdenkseiten sind mir, ebenso wie z.B. die werktäglichen medienpolitischen Linklisten von Heiko Hilker/DIMBB, ein nahezu unentbehrliches alltägliches Navigationsinstrument. Nicht wenige der dort gefundenen Orchideen haben Eingang in den Beueler Extradienst gefunden. Schwer bis gar nicht verdaulich sind für mich dagegen die redaktionellen Anmerkungen, die oftmals zu den Link-Hinweisen gegeben werden.
Dazu zwei Beispiele, die zeigen, dass Ex-Sozialdemokraten, bzw. solche, die sie sich als Haupt-Klassenfeind erkoren haben, vor blinder Wut jede politische Satisfaktionsfähigkeit verlieren.
Zum einen haben gleich mehrere sich nicht mehr bremsen könnende Jungs – im Gegensatz zu Roland Appel – nicht kapiert, was es mit dem “Lob” des neuen SPD-Parteivorsitznden Norbert Walter-Borjans für den – nominell sozialdemokratischen – Bundesaussenminister Heiko Maas auf sich hatte (Hinweis 2b). Eine klassische kaum verkleidete Dominanzgeste gegenüber einem Minister, der seinen und des Staatsamtes Wert für die SPD fast komplett verspielt hat. Dem alten Albrecht Müller müsste diese SPD-Sprache noch vertraut sein. Entweder er will sich schlicht nicht mehr erinnern; oder er versäumt es, um sich selbst keine Schmerzen zu machen (s.o.), es den Jüngeren zu erklären und zu übersetzen.
Und beim Treten auf Ralf Stegner ist dann komplett jede politische Hygiene verloren gegangen. Ich mag den Mann auch nicht. Mein Gott diese Mundwinkel! Jahrelang habe ich mich wie die meisten Anderen von doofen Medien nasführen lassen mit der üblen Nachrede, er sei der “Heidemörder” (der letzten SPD-Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein Heide Simonis fehlte bei ihrem Wiederwahlversuch im Landtag 2005 eine Stimme aus der eigenen Fraktion). Ein Kollege, der im politischen Alltag viel und eng mit Heide Simonis zusammenarbeitete, versicherte mir kürzlich persönlich und glaubhaft, dass Stegner nicht Derjenige war. In seiner nachfolgenden Parteikarriere ging Stegner keiner öffentlichen Drecksarbeit für seine Partei aus dem Weg – ohne die Fähigkeit, zusätzliche Sympathien für sie zu gewinnen. Aber warum haben sie ihn dann gewählt?
In der Politik gibts keinen Dank, das kann ich persönlich bestätigen. Also wurde Stegner am Wochenende von einem Zweckbündnis aus Jusos und “neuer Zeit”-Parteiführung aus dem Parteivorstand hinauskomplimentiert. Ganz nach der Regel, dass die, die Dir “politisch” am nächsten stehen, immer die grösste Gefahr für Dich sind. Und danach bekommen die nachdenkseiten keinen allergischen Schock, einen Link zu Springers Welt zu empfehlen? Die einen gefühlt 100 Jahre alten Titanic-Telefon-Trick spielten, mit dem sie den berechenbaren Genossen auf dünnes Eis lockten. Haha, auf Opfer treten ist echt lustig. Auf sozialdemokratische besonders – da sind sich dann mal alle einig. Gehts noch billiger? (Ich glaube der alte Albrecht Müller gibt denen sogar Geld dafür. Hinweis 18)
Wenn nachdenkseiten-Redakteur Jens Berger wenigstens mit seinen Hinweisen zur britischen Parlamentswahl Recht behalten sollte, ziehe ich zwar diese Kritik nicht zurück, aber respektvoll meinen Hut. Es würde mich sehr freuen; und diese kritische Aufmerksamkeit habe ich an fast keiner anderen Stelle vorgefunden. Ab Donnerstag werden wir schlauer.