Olli Dittrich habe ich lange Jahre als Figur des Trash-TV gesehen. Seine frühen Jahre bei RTL (oder war es SAT1?) sind mir entgangen. Ich hatte kein Interesse und fürchtete, es sei schlicht zu blöd. In mein Blickfeld trat er erst, und das spektakulär, als “Schorsch Aigner”, mitinspiriert von seinem Drehbuchautor Tom Theunissen, dem Stellvertreter des Fussballgottes auf Erden. Immerhin war er mir schon in den 90ern als Interviewgast in der Harald-Schmidt-Show aufgefallen. In der Regel war das der irrelevanteste Teil der ganzen Sendung – ausser Olli. Schmidt und er kamen sofort ins Fachsimpeln über Schauspielen und Bühnenperformance – im Kern ja auch ein unterschätztes, aber sehr wichtiges Politikthema. Nun hat Olli wieder was abgeliefert, unbeachtet vom breiten Publikum um Mitternacht im ARD-Programm, aber vielbeachtet von der TV-Kritik. Ich habe es verpasst, werde es mir aber gleich in der Mediathek ansehen. Von den zahllosen Presse-Elogen ist das Freitag-Interview von Philip Grassmann, dem ersten aber nur kurz amtierenden “Augstein”-Chefredakteur, gelungen. Die Herren trafen sich im Hamburger Abaton-Kino – ja, das habe ich auch vor langer Zeit schon besucht, fussläufig zum Uni-Campus, schön, dass es dieses Programmkino noch gibt. Und Dittrich hat ein Leben gelebt, aus dem es viel zu erzählen gibt.

Treiber der Künstlichen Idiotie KI: Pornos

Wie wir Männer uns so grundsätzlich verhalten, das wissen am besten die Datensammler*innen der Pornoseiten. Der angebliche Marktführer Pornhub veröffentlicht laut Sp-on alljährlich eine 50-seitige Statistik, die diesem Text seine Überschrift gab. Zentrales Element des Geschäftsmodells solcher Seiten ist das Sammeln, Analysieren und Verwerten all der zahlreichen durch Klicks und Wischereien gesammelten Verhaltensdaten der Konsumenten. Vermutlich sind sie darin marktführend gegenüber den meisten anderen Branchen, die sich an Ähnlichem versuchen. In diesem Jahr ist der Boss eines der grössten Pornoproduzenten San Franciscos eine Frau geworden. Die Strategie des Konzerns Kink verändert sich zusehends vom (teuren) Produzieren von echten Filmen mit echten Menschen zum Sammeln und Verteilen von Daten. Auf welche Holzwege die Datendealer*innen dabei geraten können, berichtet Thomas Knüwer ganz frisch vom Deutschen Marketing Tag in Düsseldorf.

uebermedien-Text von Rosenkranz jetzt paywallfrei

Und zum “keine-Zeit-verlieren” der Männer beim Sex mit Frauen ist jetzt der schon erwähnte Text von Boris Rosenkranz/uebermedien paywallfrei zugänglich. Es entpuppt sich, dass es nicht nur um den (Literatur- und Wissenschafts-)Agenten John Brockman geht, sondern auch um den Feuilletonchef der SZ Andrian Kreye, der öffentlich merkwürdig verdruckst mit seinen eigenen Interessenkollisionen umgeht. Eine Nebenrolle spielt das Medialab des MIT als Spendenempfänger von Epstein. War dort nicht soeben die erstklassige Ex-MdEP Julia Reda hingewechselt? Wo ist sie da nur hineingeraten? Der Boss ist jedenfalls gerade zurückgetreten.

Der Meister des Keine-Zeit-Verlierens

Ein Meister des Keine-Zeit-Verschwendens ist Wladimir Putin. Seine Jahrespressekonferenz mit knapp 2.000 Journalist*inn*en ist ein wichtiges Ereignis politischer PR-Arbeit. Hiesige Medien ziehen es vor, uns über die inhaltlichen Elemente dieser in Russland zentralwichtigen Veranstaltung nicht zu unterrichten. Dabei ist die Veranstaltung bedeutender als alle deutschen Weihnachts- und Neujahrsansprachen zusammen, und auch viel cleverer inszeniert. Deutsche Ausnahme: Ulrich Heyden berichtet für telepolis.
Wie kann die Linke gegen solche männerzentrierten autoritären Systeme, die sich weltweit ausbreiten, wieder auf die Beine finden und erfolgversprechende politische Alternativen anbieten? Dazu hat sich Wolfgang Michal/Freitag konstruktive Gedanken gemacht.

Spektakulärer Wechsel vom WDR zur DB

Anja Bröker wechselt vom WDR zur Deutschen Bahn. Für den WDR ein Verlust. Mir war sie in den 90ern als zugewanderte Ossi bei der Kölner Tagesschau-Redaktion sofort als kritisch-engagierter Geist aufgefallen. In ihrer WDR-Zeit hat sie, aus meiner Zuschauerperspektive geurteilt, einen Super-Job gemacht. Die Deutsche Bahn hat es nötig, dass es ihr auch dort gelingt. Ein klassischer Job, in dem auch keine Zeit verloren werden darf. Das wird spannend.