Dieser Hinweis verbessert nicht Ihr Wohlbefinden – 100%-Spoilerwarnung
Die Trüffelschweine von Arte sind dieses Mal in Irland fündig geworden. Sie haben mal wieder was gefunden, was in Deutschland offensichtlich nicht möglich ist zu produzieren. Vordergründig geht es um das Drama aus Versklavung und Prostitution nigerianischer Flüchtlinge in Europa, in diesem Fall Irland. Im Hintergrund geht es um alles, was uns aktuell bewegt: Sexismus, Rassismus, unfähige europäische Staats- und “Sicherheits”-bürokratien, Folter und Ausbeutung bis zur Kante, an der der Tod wartet; aber auch die Liebe, ihre vielfältigen Möglichkeiten und Grenzen, die rasante Veränderung, wie Menschen miteinander kommunizieren, die Sache mit den Männern und Frauen diverser Pigmentierungen – von liebevoll bis brutal.
Ich hatte körperlich mit diesem Werk zu kämpfen. Der “Second Screen” fiel mir vor Anspannung aus der Hand; der vorbereitete Schoko-Nachtisch für den TV-Genuss blieb unberührt und vergessen stehen. Es war gestern Abend ein wörtliches Mitleid, weitgehend vergnügungsfrei. Spass machen die seltenen Momente, in denen die toughen irischen Ermittlerinnen sich Luft über ihre hormongesteuerten, aber tragisch intelligenzfreien männlichen Kollegen machen mussten. Alles ohne hektische Schnitte oder Action so dramatisch, dass die dräuende, zunehmend nervende Filmmusik verzichtbar gewesen wäre – und weniger vom starken Spiel der meisten, von der Regie und Kamera grossartig ins Bild gesetzten Schauspieler*innen abgelenkt hätte.
Im TV liefen gestern 3 von 6 Folgen; alle sind aber am Stück in der Arte-Mediathek abrufbar (nur einen Monat lang). Keine Angst: das Ende bleibt realistisch offen, und nicht hoffnungslos. Aber bis dahin ist es ein harter Weg. Ein harter TV-Genuss. Was haben wir es gut, im Vergleich zu diesen Leidenden, Kämpfenden!
Zur Ergänzung hier die FAZ-Besprechung von Heike Hupertz.