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Der “Schwarze Block” soll in Hamburg den Auftritt einer Kabarettistin, die zufällig gerade ein Buch auf den Markt bringen lässt, mit Gewaltandrohungen verhindert haben. So hörte ich es in von mir konsumierten Kulturmagazinen im Radio. Der Schwarze Block? Schon oft habe ich von ihm gehört, bin ihm aber in meiner langen politischen Laufbahn nie begegnet, konnte ihn nie kennenlernen. Gut, ich hätte auch keinen Wert darauf gelegt. Aber dann staunte ich in einer 5-Sekunden-Recherche nicht schlecht: er wurde 1981 von der Bundesanwaltschaft erfunden. Sie wissen schon, das sind die, die Tag und Nacht um Ihre und meine Sicherheit bemüht sind.
Dass Feuilletonist*inn*en, auch und gerade solche, die in fortgeschrittenem Alter, also ungefähr meinem, gut bezahlte Planstellen in alten Medien plattsitzen, meinen, mit Meinungsstärke beruflich gut über die Runden zu kommen, und sich das nicht mit unnötigem Nachlesen oder gar Telefonieren verderben wollen, diesen Verdacht habe ich eigentlich schon, seit ich lesen kann. Und nun haben sie es noch einmal schön demonstriert.
Es hat etwas gedauert, bis die Widerworte vorgelassen wurden. Hier sind sie:
Margarate Stokowski bei Sp-on,
Dirk Peitz bei der Zeit (interessant: der im gleichen Verlagshaus sitzende Tagesspiegel wird in der Kritik nicht ausgelassen),
Sebastian Friedrich bei Zapp/NDR.
Der letzte Link ist schon zwei Tage alt. Ich habe zuletzt gehört, die Kabarettistin würde auf ihren Auftritt bei diesen Gastgebern verzichten, so wie es ihr geschäftsbefreundeter Kollege mit seiner spärlichen ARD-Präsenz bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft getan hat. Mit einem Verzicht auf solch desinformierte und/oder hosenscheisserische Gastgeber schneidet die*der Profi besser ab, als wenn sie*er mit ihnen auf einem Foto erscheinen würde. In meiner Wahrnehmung sind solche Vorgänge Ausdruck der mit Corona-Beschleunigung wachsenden Prekarität in der Performer-Branche. Wer auf diese professionelle Strategie der Aufmerksamkeitserregung verzichtet, überhaupt auf Erregung, der*die fürchtet die blanke Existenzangst. Doch die, die sie wirklich haben (müssen), kommen in diesen Erregungen überhaupt nicht vor. Was machen sie falsch?

Ein Kommentar

  1. Roland Appel

    Ich habe mich hier schon einmal über Dieter Nuhr ausgebreitet – ich halte ihn für einen schlechten, rechten und dem Populismus unter dem Deckmäntelchen des “gesunden Menschenverstands” Vorschub leistenden vor allem aber langweiligen Kabarettisten. Sein Lieblingsgast ist seit etwa zwei Jahren Lisa Eckhart. Ihr Markenzeichen: anorektische Erscheinung mit blauen oder andersartig geschmacklosen künstlichen Fingernägeln, ein gekünstelt wienerisches Auftreten und schlechte, an Rassismus grenzende Witze über Migranten, Transgender oder ganz gewöhnliche Minderheiten. AfD-Kabarett, wenn es so etwas gäbe. Wie diese gibt sie gerne die verfolgte Unschuld.

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