Rechtzeitig zur feiertäglichen Lockdownzeit erscheint im Stream-TV eine sog. Dokumentation über die sog. “Zeitung” (“Europas Grösste”) Bild. Ferda Ataman hat im DLF-Kultur eigentlich alles Nötige dazu gesagt. Gedanklich hatte ich das Thema schon zugeklappt. Da erspähte ich die Besprechung des geschätzten Kollegen Oliver Jungen/FAZ, für mich so eine Art TV-Geschmacks-Bruder im Geiste. Dieses Mal habe ich Differenz anzumelden.
Denn zum Schluss lobt er ohne jede Einschränkung die PR-Doku der New York Times (NYT) “Mission Wahrheit” von Liz Garbus, an der ich viel auszusetzen hatte. Ich könnte das abtun, dass Jungen mit diesem Vergleich umso deutlicher macht, wie tief unten im Niveau der grösste Online-Konzern der Welt mit dieser Produktion abgetaucht ist. Ich glaube aber, es ist auch eine verräterische Projektion auf ein Journalismus-Paradies, das so in Wirklichkeit gar nicht existiert. Wer für die FAZ arbeiten muss, erlebt – auf höherem Niveau – halt auch seine Nöte.
Absaufende SZ
Nirgendwo wird das rechtzeitig zum Fest stürmischer deutlich als bei der guten alten liberalen Tante SZ. Fragte ich vor einem Monat noch “Gefahr oder Chance?”, so wird meine Frage durch die Recherche von Anne Fromm/taz radikal beantwortet. Eine ähnliche Antwort bekomme ich seit gestern von der digitalen SZ: Leseverbot, Wochenration verbraucht, und zwar auch für die Texte ausserhalb der Paywall. Jede*r hat sein*ihr eigenes Rezept, eigene Relevanz zu verklappen. Tschö auch!
Absaufender TV-Fußball
Bleibt mir noch ein Hinweis auf die Fußball-Autobiografie von Torsten Körner/Medienkorrespondenz. Sein Text hat für meinen Geschmack eine allzu starke Schlagseite in Richtung des “Früher war alles besser …”, allzu nostalgisch durchdekoriert – Szymaniak, Thon usw., Boulevard-TV-Knallchargen wie Basler werden als authentisch bewertet, da wird es absurd-lächerlich – aber die Gegenwartsbewertung ist weitgehend korrekt, und hübsch geschrieben.