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Der trauernde Schwan

Wundersame Bahn LX

Das Bild des Jahres am letzten Tag des Jahres? Ein Symboldbild für das “Fuck Off 2020!”? Möglich ist das. Ein ähnliches Geschehen verfolgte ich vor etlichen Jahren auf der Kennedybrücke als Begleitentertainment zu meiner Mittagspause.
Ich sass in der damals noch mittags öffnenden Kneipe “Zur Rheinbrücke” und konnte alles durchs Fenster verfolgen. Ein Schwan hatte sich auf die Autofahrbahn Richtung Beuel gesetzt, und funktionierte wie früher der Brückenzoll. Keine*r kam durch. Obwohl: ich als Fahrradfahrer dann doch. Denn Herr oder Frau Schwan liess sich von angerückten Sicherheitskräften nicht überreden, die Fahrbahn freiwillig wieder freizugeben. Ob er (oder sie) seinerzeit trauerte, oder einfach nur zuviel gegessen hatte, keine Ahnung. Schwäne sind begnadetes Entertainment. Ihre Körpersprache flösst Respekt und Ehrfurcht, bisweilen Bewunderung in menschliche Gehirnströme.

An diesen Vorgang erinnerte mich gleichzeitig der in meiner Glotze laufende verstorbene Mr. Prince (hier und hier, Mediathek bis 21. Februar). Als Zeitgenosse hat mich seine Musik gar nicht so speziell angesprochen. Doch was er als Show inszenieren liess, war der pure Sex. Die Legionen schöner Frauen, die mit ihm auf der Bühne auftraten, sprechen auch jeden Heterosexuellen an ;-) Und klassisch als Ü60-Jährigen-Syndrom: im Vergleich zum Gegenwartspop entpuppt sich Prince’s Klangproduktion als geradezu vollendete Musik. Zu den Damen auf der Popbühne verweise ich auf dieses oscargekrönte Standard-Filmwerk zu ihrer Kunst: 20 Feet To Stardom. Irre talentiert sein, oftmals weit besser aussehen, immer funktionieren (müssen) und weit geringer bezahlt werden. Im optimalen Fall: zum Ausgleich dafür besser und länger leben. Ehrfurcht, Respekt!

Bleiben Sie gesund.

Ein Kommentar

  1. Klaus Böttger

    Also zu Schwänen und Prince könnte ich gleich mehrere Geschichten schreiben…

    Erstere haben bei mir ein irrationales Trauma hinterlassen, seit ich im Alter so zwischen vier und sechs mal von einem Schwan “gebissen” wurde. Und dieser Schwan war wohl ungefähr so groß wie ich. Gebissen hat er nicht wirklich, es waren noch alle Finger an der Hand, nach der dieser Schwan geschnappt hatte – veilleicht hat er mir auch nur in den Bauch gezwickt… Damals hatten wir noch Brot oder Brötchen in der Tasche, wenn wir mal im Schloßpark von Haus-Berge spazieren gegangen sind. (Kennst du noch…!) Heute wissen wir es besser!

    Prince habe ich zu seiner Zeit – und ganz sicher in den frühen Achtzigern – für den legitimen Nachfolger des damals in den Pop-Mainstream abgleitenden Stevie Wonder der frühen Siebziger gehalten. Bei Stevie Wonder war es “Talking Book” aus deiner Plattensammlung, bei Prince dann “Sign O’ the Times” die mich lebenslänglich angefixt haben… Multiinstrumentalisten auf der absoluten Höhe ihrer Kunst. Im Grunde kann der/die DJ deines Vertrauens alles von Wonder aus den Siebzigern und alles von Prince bis in die späten Neunziger immer abwechselnd spielen – und niemand auf der Tanzfläche würde sich langweilen… damit kannst du mehrere Abende füllen!

    Eric Clapton wurde mal gefragt, wie es sich anfühlt, der beste Gitarrist der Welt zu sein. Seine Antwort: “Ich weiß es nicht. Fragen Sie Prince.”

    2017 habe ich den Onkel der göttlichen Sheila E. (Drums/Percussion bei Prince & The Revolution) in Malmö zuletzt auf ein Bier getroffen: Alejandro Escovedo einer der besten zeitgenössischen Songwriter die ich kenne und Bruder von Pete Escovedo (Santana), dem Vater von Sheila… was für ein wahnsinnig talentierter Genpool aus dem diese Famile schöpfen konnte…! Ein kleines TV Feature hier: https://www.youtube.com/watch?v=yEoEMSGvdxI

    Weder Wonder noch Prince habe ich je live gesehen – Princes “Rockpalast” war “nur” eine TV Übertragung auf eine Leinwand in der Grugahalle – genial genug, doch war das ein großes Versäumnis meiner Jugend… wobei Mr. Wonder jüngst äusserst überraschende neue Aufnahmen publiziert hat – vielleicht kommt da nochmal etwas großes von ihm? Ist ja auch gerade erst 70. geworden… https://www.youtube.com/watch?v=Kgdfxeh0WtE

    Und zum Abschluss, das wohl inspirierteste, geilste, göttlichste Gitarrensolo das jemals im einem Song von George Harrison zu hören war (mit dem unvergessenen Tom Petty und ELO’s Jeff Lynn – womit wir dann schon wieder bei deiner Plattensammlung wären.)…: https://www.youtube.com/watch?v=6SFNW5F8K9Y

    Guten Rutsch allerseits!

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