Politik und Krankheit / Liebe-Expertin zum Nahostkrieg / Das Elend des WDR
Epidemien sind aussergewöhnlich aussagekräftig. Nicht nur über Gesundheitssysteme, sondern über die Gesundheit von Gesellschaftssystemen. Markus Metz und Georg Seesslen sind Experten dafür, das politisch verständlich zu machen, und lieferten heute bei “Essay & Diskurs” im DLF ab. Der Sender spart bekanntlich sonn- und feiertags an seinen Persoalkosten. Bis mittags war niemand da, auf den Knopf zu drücken, um das Manuskript online zu stellen, hier die Hörfassung (28 min). Update nachmittags: und hier die Lesefassung.
Und hier der Ankündigungstext des Senders: “Politik und Krankheit – Ein Krisenbericht – Von Markus Metz und Georg Seeßlen – Politische Verhältnisse und Personen können Menschen krank machen. Das hört sich zunächst wie eine Binsenwahrheit an. Aber erst in den Zeiten der Corona-Krise wird uns so konkret vermittelt, wie sehr sich Politik und Krankheit entsprechen. Politik ist eine Macht, die für die Möglichkeiten von Gesundheit oder Heilung, Vorbeugung und Aufklärung zuständig ist. Die Beziehung zwischen Staat, Gesellschaft und einzelnem Menschen vollzieht sich nicht nur in Form von Macht und Ökonomie, sondern auch in Form von Gesundheit oder Krankheit. Zum Glück oder Unglück der Menschen gehört es, welche Konzepte und Regeln in Beziehung auf Körper und Geist ausgehandelt werden, welche Art von Wert und welche Art von Solidarität sich im Bereich von Vorsorge und Hygiene, Pflege und Betreuung aushandeln lassen. Es geht in diesem Essay nur im Ansatz um das, was man „Gesundheitspolitik” nennt und was in der Pandemie überall auf den Prüfstand gelangt. Eher wird eine tiefere Beziehung zwischen Politik und Krankheit untersucht.” So ist es.
Eva Illouz fordert: Gebt israelischen Arabern und Palästinensern mehr Rechte!
Eva Illouz ist weltweit bekannt, für mich die beste Expertin der real existierenden Liebe im Kapitalismus der Gegenwart. Als Forscherin gehört sie zu denen, die dafür sorgen, dass die israelische Wissenschaftsszene in vielen Gebieten, die psychische Grenzbereiche bearbeiten, die Weltspitze markiert. Zur Qualität dieser Frau gehört, dass sie ihre Wissenschaft nicht von der Politik abstrahiert, sondern im Gegenteil ihre enge Verflechtung benennt. So auch in diesem bemerkenswerten Essay, den die Berliner Zeitung veröffentlicht.
Ein Gesicht des Abstiegs des WDR
Der Medienchef und stellv. Feuilletonchef der FAZ Michael Hanfeld ist als konservativer Kreuzzügler bekannt: für die gequälten deutschen Verlagsmilliardär*inn*e*n, gegen die sozialistische Gefahren hervorbringenden öffentlichen Medien. Gerade darum versucht er den öffentlichen Diskurs über die “Reform der öffentlich-rechtlichen Sender” mit zahlreichen Beiträgen arrivierter, aber öffentlich weitgehend unbekannter Medienpolitiker*innen-“Gastbeiträge” zu steuern, in der Regel eingemauert in der Paywall – das einfache Volk soll mit sowas nicht gedanklich belästigt werden. Nun hat er aber einen Beitrag bekommen, der ist so schlecht, dass er das Elend doch für eine breitere Öffentlichkeit sichtbar machen will: der WDR-Rundfunkratsvorsitzende schreibt selbst. Und siehe: es gibt zwar viel zu reformieren, aber die Aufsichtsgremien, so meint der Mann allen Ernstes, repräsentieren “die Allgemeinheit” und machen ihre Arbeit so dufte, dass mann ihr System dringend ausbauen sollte. Kennen Sie ihn? Er repräsentiert Sie! So wie er es zuvor schon mit der NRW-Arbeiterbewegung getan hat. Das ist nicht mehr zu toppen.
Gangbangs feministisch?
Doch, es ist vielleicht doch zu toppen. Hier bitte ich jetzt alle unter 18 mit dem Lesen aufzuhören. Denn was jetzt kommt, kennt Ihr schon vom Schulhof, nur die Erwachsenen haben keine Ahnung. Paulita Pappel – heisst natürlich ganz anders? – schreibt in der Berliner Zeitung über …. – na, Sie wissen schon. Ins materialistische übersetzt: sie besetzt eine grosse Marktlücke, die die herrschende Bigotterie, sowie das Elend von Kinder- und Schulerziehung geschaffen haben. Ob das nun emanzipatorisch ist, darüber wird, wenig öffentlich, gestritten. Ausser auf Schulhöfen.