Steht eine Wiederholung an? Zweimal stellte die Partei den Kanzler, die bei einer Bundestagswahl auf Platz zwei gelandet war – jeweils die SPD im Bündnis mit der FDP, 1969 mit Willy Brandt und 1976 mit Helmut Schmidt. Beide Male hatte die Union zu akzeptieren, dass es einen verfassungsrechtlichen Anspruch selbst der weitaus stärksten Partei auf das Kanzleramt nicht gibt.

Das prägt die Auseinandersetzungen um die Nachfolge Angela Merkels, die in ihrer personalisierten – derzeit auf Annalena Baerbock konzentrierten – Form denen früherer Jahre ähneln. Doch wer weiß schon, was auf Armin Laschet und Olaf Scholz noch zukommt? Wahlkampf sei „Kampf“, wissen alte Haudegen.
Köche und Fleisch
Umfragen zufolge hat die Union gute Aussichten, besser als alle anderen Parteien abzuschneiden, freilich – auch das ergibt sich aus den Umfragen – vielleicht mit dem schlechtesten Ergebnis seit 1949. Der „zweite Sieger“ aber hat ebenfalls noch Chancen, künftig den Bundeskanzler zu stellen, wenn es ihm/ihr gelingt, ein Koalitionsbündnis aus – dieses Mal – drei Partnern zu schmieden. Denn Brauch (gleichwohl rechtlich nicht vorgeschrieben) ist es, dass die stärkste Partei in einer Koalition den Kanzler stellt.

Deswegen kämpfen Grüne und SPD um Platz zwei, zwei Parteien, die sich einst als geborene Bündnispartner ansahen. Trotz allem führt sich die SPD immer noch so auf, als seien die Grünen „Fleisch vom Fleische“ der deutschen Sozialdemokratie. Von wegen „Koch und Kellner“. Eine Sicht, die wegen der Attitüde der Überheblichkeit zu den Ursachen der Entfremdung zwischen beiden gehört.
Ausschließeritis reloaded
Ob das dazu führt, dass keiner von beiden die Kanzlerin/den Kanzler stellt, selbst wenn es im Bundestag eine Mehrheit für ein Dreierbündnis zusammen mit der FDP gäbe? Diese signalisiert bereits jetzt, keinesfalls Baerbock zur Kanzlerin wählen und den Grünen auch nicht das Finanzministerium überlassen zu wollen.

Das ist fraglos Teil einer Kampagne, wirtschaftsnahe Wähler zu gewinnen, die aber erfahrungsgemäß ein Versprechen nach sich zieht, das nur um den Preis gebrochen werden kann, die FDP sei eben doch eine postengierige „Umfallerpartei“. Auch deshalb verhinderte die FDP im Bund Dreier-Koalitionen mit den Grünen – 2005 unter Führung der SPD, 2017 unter Führung der Union. Wenn das wieder so käme, hätte Armin Laschet die Wahl zwischen Schwarz-Grün oder einem Bündnis aus Union, SPD und FDP. Zwischen Skylla und Charybdis?