Die Überschrift ist eine Gemeinheit von mir. Meine Berliner Freund*inn*e*n haben den deutschen Chefdiplomaten gelegentlich mit komplettem Gefolge im “Einstein” unter den Linden erlebt. Dort kehren Politiker*innen ein, wenn sie gesehen werden wollen. Entweder wollen sie wichtig werden, weil ihr*e Gesprächspartner*in so prominent ist. Oder umgekehrt, als Gefälligkeit. Das Gegenteil von Diskretion jedenfalls. Echte Diplomat*inn*en wissen, was ich meine.
Jetzt kommt eine im Ersten Deutschen Fernsehen. Die Reihe heisst “Die Diplomatin”, und die wird gespielt von der offiziellen Lebensabschnittsgefährtin des deutschen Aussenministers, Natalia Wörner (ob sie immer noch zusammen sind? keine Ahnung).
Der Ankündigungstext der heutigen Folge “Mord in St. Petersburg” geht so: “Der russische Journalist Kolja Petrow fürchtet um sein Leben. Zusammen mit seiner Tochter flüchtet er von St. Petersburg nach Berlin, wo er seine Jugendfreundin Karla Lorenz (Natalia Wörner) aufsuchen will. Doch er kommt nie an. Die Russen sind schneller und entführen ihn in die Botschaft.”
Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Ich habe das Gefühl, den Film schon in der Tagesschau gesehen zu haben. Und werde darum auf nähere Betrachtungen verzichten. Reiner Zufall, dass sowas eine Woche vor der Bundestagswahl gesendet wird. Jedenfalls ist es keine “russische Beeinflussung”, so viel ist sicher.
Wenn Sie wissen wollen, ob es Kunst ist, gucken Sie es sich selber an.
Russland wählt
Bereits seit gestern ist in Russland Parlamentswahl. Wie frei, geheim und gleich diese Wahl ist, darüber gibt es recht verschiedene Ansichten. Falsch ist jedoch die Einschätzung, die Opposition sei “mundtot” gemacht worden; zweifellos richtig ist die Einschätzung, dass es Versuche dazu gab und gibt. Wenn Sie vom Ergebnis der Wahl nicht völlig überrascht werden wollen, empfehle ich zur Lektüre:
Roland Bathon/telepolis: “Smart Voting” in Russland: Warum Nawalny vor allem Kommunisten empfiehlt
und
Andrej Hunko/nachdenkseiten: Linksruck in Russland?
Wenn Sie diese Texte lesen, werden Sie feststellen, dass sie von dem hierzulande vorherrschenden Russland-Narrativ abweichen, dadurch aber keineswegs zu Putinisten werden. Genau davon werden wir in naher Zukunft mehr brauchen.
Dass die Degeto dabei nicht hilft, ist zu verschmerzen. Alles andere wäre auch zu überraschend.