In Medienfachkreisen, gewöhnlich gut abgegrenzt von breiter Öffentlichkeit, kursierten mehr oder weniger zweifelhafte Zahlen darüber, was Showrunner des öffentlichen TV auf ihren Konten verbuchen dürfen. Die Boulevard-Dreckswühler suggerieren dabei prompt, dass das im Privathaushalt der Damen und Herren Miosga, Klamroth oder Böhmermann landet, was auf der Strasse entsprechendes – und scheinbar berechtigtes – Kopfschütteln auslösen soll. So geht Aufmerksamkeitsökonomie.

Annähernd wahr an den verbreiteten Summen ist, dass die TV-Sender ähnliche Summen an Produktionsunternehmen zahlen, die wiederum zu wesentlichen Teilen diesen Pseudostars gehören, die davon wiederum nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Redaktionen und Studiobelegschaften bezahlen müssen. Wie anständig sie das tun, ist zwar eine interessante Frage, wird aber nicht gestellt. Die TV-Sender, die in der Urzeit solche Arbeit selbst organisiert haben, sehen sich aus dem Schneider und für (fast) nichts verantwortlich. So geht Neoliberalismus.

Diese Praxis ist nun schon so viele Jahrzehnte alt, dass ich mich kaum noch darüber aufregen kann. Fast niemanden derer, die sich jetzt aufregen lassen, hat sie interessiert. Aber die Zeiten sind günstig, Überreste der alten bürgerlichen (Medien-)Demokratie jetzt sturmreif zu schiessen. Gegenwehr ist nicht erkennbar. Wofür auch?

Asylexperten

Fast jeder, der nicht danach gefragt wird, spricht sich derzeit für Hetze gegen Flüchtlinge, Migrant*inn*en, Asylbewerber*innen aus. Und wer sich trotzdem hierher traut, soll noch weniger Hilfe und Unterstützung (oder gar Geld) bekommen. An diesem Wochenende haben sich damit u.a. die Herren Wissing (FDP) und Dobrindt (CSU) hervorgetan, mit der mutmasslichen Absicht, auf diese Weise AfD-Anhänger*innen in der letzten Woche vor zwei Landtagswahlen doch noch zu einer Wahl ihrer eigenen Partei zu “überzeugen” – die Not ist eben gross.

Warum das nicht gelingt, dafür ist das Hirn dieser Herren wohl zu klein. Im Nebenberuf waren bzw. sind sie Bundesverkehrsminister. Und so sieht das Land auch aus. Die meisten Wähler*innen – die sparen sich den Weg zur Urne – wissen das.

Die beste Lösung wäre, ihr Gesinnungsgenose Musk nähme sie mit auf den Mond. Es geht auch anders, sogar in der CDU.

Weltab- und -zugewandtheit bei Trost

Die was-mit-Medien-Schwätzer kriegten sich am Wochenende mal wieder nicht ein mit ihren Tiraden gegen die Gladbach-Ultras. Die wissen allerdings bestens Bescheid, wie sie alle zusammenhängen, und dann solche Billig-Schauspiele abziehen. Dieselben Medien sind es, die mit ihren Zahlungen aus unseren Beiträgen solche Karusselle weiterdrehen lassen. Die Wut ist immer dann am grössten, wenn mann vom Gegenüber für komplett doof gehalten wird. Es funktioniert nicht.

Darum zum guten Schluss ein kräftiges Lob für die Lebensklugheit der Leistungssportlerin Katharina Trost. Sie erklärt, wie ungesund und gefährlich ihre Tätigkeit war. Und dass sie darum jetzt damit aufhört. Die SZ hat wie immer alles digital eingemauert. Aber Martin Krauss/taz berichtet darüber. So geht (Online-)Journalismus.

Über Martin Böttger:

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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