Wie es besser geht als bei den Bayern, das wussten wir im Ruhrpott schon, als ich dort aufwuchs (1957-1976). Gestern wussten es Mikel Arteta und der FC Arsenal des Trump-Finanziers Stan Kroenke. Sie zeigten, wie mann gegen die Qatar-Milliarden spielen muss. Schön ist was Anderes. Und ein aus Leverkusen zugewanderter angeblicher “Hoffnungsträger” liess sich im entscheidenden Moment, kurz vor dem Pausenpfiff intelligent freigespielt, abgrätschen.

Kurz vor dem Pausenpfiff hätte der Herr Havertz den Sack zumachen können. Aber soll mann nun lieber für ihn oder für ihn jubeln? Ich halte mich von beiden fern. Der Arsenal-Romantik, die Nick Hornby noch verbreitet hatte, war auch ich in der Wenger-Ära langjährig verfallen.

Dieser französische Fussballlehrer, der sich heute von Gianni Infantino aushalten lässt, hat in den 90ern die Spielkultur nach England gebracht. Ohne das wäre die Premier League sicher nicht die Geldscheiss-Maschine geworden, die sie heute ist. Wo solche Tore erzielt wurden, kann nicht alles falsch gewesen sein.

Der gestern knapp gescheiterte Arteta hat drei Jahre als Assistent von Josip Guardiola gelernt. Es muss eine Menge gewesen sein. Guardiola im Sold der Völkermörder aus Abu Dhabi ist in Manchester mal wieder ausgebrannt. Einer der besten Fussballer der Wenger-Ära, Cesc Fabregas, der in Como mit einem Haufen Kapital im Rücken erfolgreich gearbeitet hat, soll nun der heisseste Nachfolgekandidat sein. Es muss schon ein Angebot sein, “das man nicht ablehnen kann”, um aus dem idyllischen Städtchen am See nach Nordengland umzuziehen. Allein schon wegen der Küche käme das für mich nicht infrage.

Ich habe es nur vom Ruhrpott nach Bonn gebracht. Schlimmer als die Ruhrpott-SPD ist es jedenfalls nicht geworden. Und wo ist es schöner als hier?

Und jetzt bei Trumps und Infantinos WM zugucken? Gähn! Aus den USA häufen sich die Jammer-Meldungen aus der Tourismusbranche. Wer will denn da noch freiwillig hin? Von einem herrlichen Eigentor der Trump-Administration berichtet der unverwüstliche Dirk Hautkapp/WAZ:

‘Verheerende Folgen’: Keine Einreise in WM-Städte? Trumps neue Drohung trifft Fans und Fifa – Heimatschutzminister droht demokratischen Gastgeberstädten mit Abzug von Grenzschützern. Für Fans könnte die Landung zum Problem werden.”

Das ist die Panik vor den Midterms-Wahlen Anfang November. Ob sie stattfinden? Fragen Sie nicht mich. Und ist Schadenfreude überhaupt angebracht? Wo ist der Unterschied zum EU-Europa, von leibhaftigen Bayern beherrscht?

Spannender als eine WM

Dann schauen Sie mal hier, was wir dank dieser Irren verpassen und verschenken:

3sat: NANO Doku: Afrika – Power-Kontinent im Aufbruch – Afrika setzt auf Innovation, um globale Herausforderungen zu meistern – von nachhaltiger Futtermittelproduktion bis KI im Gesundheitswesen. Mit visionären Projekten wächst der Kontinent rasant und ist weltweit führend.” 4 Jahre verfügbar.

Oder schauen Sie mal hier, welche Kunst und politische Kreativität wir in Europa verpassen:

Koloniales Erbe in Dakar – Das ‘Théodore Monod African Art Museum’ in Dakar stammt aus der französischen Kolonialzeit. Wie lässt sich Kunst aus diesem ethnologischen, kolonial geprägten Kontext befreien?” Verfügbar bis 3.8.

Aufbruch in Kapstadt – Das MOCAA ist das weltweit größte Museum für afrikanische Gegenwartskunst. Auf über 6.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche erhalten afrikanische Künstlerinnen und Künstler eine eigenständige Plattform von Weltrang. Welche Visionen verfolgen die Kuratorinnen und Kuratoren? Was haben die Künstlerinnen und Künstler der Welt zu erzählen? Wer das Museum betritt gleitet abrupt in eine andere Dimension: Die Umgestaltung des 1921 erbauten und 57 Meter hohen Silokomplexes aus Beton ist beeindruckend.” Verfügbar bis 15.8.

Produziert wurden die letztgenannten beeindruckenden Stücke von denen hier. Gute Gründe für öffentlich-rechtliches TV. Danke.

Und viel spannender als eine WM.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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