“Immer öfter begegnen inzwischen auch wir unserem Endgegner: uns selbst”
mit Update vormittags
So sprach Friedrich Küppersbusch richtiger, als uns und ihm lieb sein kann, in der heute-show (ab Minute 10) kurz vor der WM. Zum gleichen Befund kommen
Klaus Raab/MDR-Altpapier: “Schadet KI dem Journalismus, Krake Paul? – Welcher Umgang mit KI-Tools ist für Journalisten richtig? Die Diskussion ist von großen Thesen und vielen Unsicherheiten geprägt – und läuft auf eine unangenehme Frage zu: Schadet sich der Journalismus mehr, wenn er keine KI benutzt? Oder wenn er es doch tut?”
und
Matthias Dell (kluger Mann!)/DLF: “Bari Weiss und der Niedergang von CBS” (Audio 4 min.) mit allzu passenden Bezügen zur deutschen Medienlandschaft
sowie:
Christian Bartels/telepolis: “152 Millionen für WM: Warum ARD und ZDF ihre Nachrichten kürzen – Für die WM-Rechte zahlen ARD und ZDF Millionen. Doch in den Spielpausen schrumpfen die Hauptnachrichten auf ein Minimum”. Derselbe Autor hatte hier schon die Selbstabschaffung der deutschen Medienpolitik beschrieben.
Einige Nummern kleiner: die Bonner Brücken und ihre Medien
Dass die derzeit gesperrte Bonner Nordbrücke baufällig ist, das weiss Wikipedia schon seit 5-10 Jahren. Seit dem Streit um den sog. “Tausendfüssler”, der sich auf der falschen Rheinseite unmittelbar an die Brücke anschliesst, und noch maroder ist als die, ist das Thema allen bekannt, die sich geringfügig damit beschäftigt haben. Und jetzt, nachdem das “Kind im Brunnen” ist, surfen GA und WDR als Lokalmedien genussvoll und wochenlang auf der Welle. Nach dem Motto: zu dem Thema ist alles gesagt, aber noch nicht von Allen.
Medien, die das Thema, sagen wir nur mal so als Beispiel, vor 2 Jahren aufgegriffen und selbst gesetzt hätten, die wären ernstgenommen worden. Aber das wollen die ja vielleicht garnicht. Die sog. Zeitung “Bild” wird ja auch von ihren Leser*inne*n nicht zum Informieren genommen, sondern zum Unterhalten – und zum Fisch einpacken.
Ist die Partei “Die Linke” auch selbst ihr Endgegner?
Dieser Verdacht wird mir von dieser bemühten Verteidigungsschrift für ihren Parteivorstand nahegelegt:
Lauren Balhorn/Jacobin: “Die Hoffnung organisieren – und dann? – Vor dem Bundesparteitag der Linken regt sich Widerstand gegen die Parteiführung. Dabei hat diese die Partei vor zwei Jahren vor dem Aus gerettet. Haben die Unzufriedenen neue Konzepte, oder wollen sie einfach nicht zu viel Veränderung?”Die Hoffnung organisieren – und dann?”
Besonders gern zerlegen sich Organisationen der Linken an Fragen, die ihnen aus der Gesellschaft niemand stellt.
Regierungsbeteiligung Ja oder Nein?
Nichts könnte weiter weg sein. Näher läge die Frage nach den Beziehungen zur niedergehenden SPD. Soll sie durch eine zu verabredende stategische Arbeitsteilung gerettet werden? Oder aufgesogen? Oder soll ein realistischer Kooperationsprozess mit offenem Ausgang gestartet werden? Eine Option am Ende eines solchen Prozesses könnte sein, aus zwei mittel- bis sehr schwachen Parteien eine mittelstarke zu machen. Das muss nicht so kommen. Kann aber.
Klar bietet die gegenwärtige SPD-Führung dafür keine Andockpunkte. Dann müssen die eben an anderen Stellen identifiziert werden. Wichtig wäre, überhaupt mit gegenseitiger Kommunikation zu beginnen, die sich eines Tages zu regelrechtem Diskurs weiterentwickeln könnte und sollte. Und wer weiss, wer dann SPD-Führung ist? Dialektik ist der Trick.
Abgeordnetenspenden symbolistisch aufgeladen und im Machtkampf instrumentalisiert
Ein klassischer Fall von alle haben Recht. Selbstverständlich wäre es ein Optimum von Glaubwürdigkeit, wenn Abgeordnete für ein Facharbeitergehalt ihre Arbeit machen. Ebenso klar ist, dass eine Partei das gegenüber gewählten Parlamentsmitgliedern nicht durchsetzen kann – das wäre in der Tat verfassungswidrig.
Der Landtagsabgeordnete und zeitweilige Fraktionsvorsitzende, für den ich 10 Jahre (gerne bis sehr gerne) gearbeitet habe, hat sein Spendenverhalten verfassungsgemäss selbst bestimmt. Daraufhin misslang ihm eine zweite Wiederwahl auf die Reserveliste seiner Partei. Alles daran war rechtmässig. Was daran politisch klug und weniger klug war – darüber gingen und gehen die Meinungen weit auseinander, ganz wie es Art. 5 GG (Meinungsfreiheit) vorsieht.
An dieser Frage eine ganze Oppositionspartei zu zerlegen, wäre die grösste anzunehmende Dummheit.
Politische Bildung der Neumitgliedermassen
Das wäre in der Tat eine der zentralen Aufgaben, eine klassische Führungsaufgabe, das zu organisieren. Exakt dafür wurden von den Verfassungsmüttern und -vätern einst die parteinahen Stiftungen und ihre massive finanzielle Privilegierung ausgedacht. In diesem Fall geht es also um die Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Hier wäre auch der richtige Ort, an einem autonomen linken Medien-Ökosystem zu arbeiten. Und zu bauen. Die Linke hat hier einen Kompetenzvorsprung vor den Andern, weil ihre Mitgliederstruktur sich stark verjüngt hat. Als Ingredienz hinzugefügt werden müsste eine konsistente Strategie. Die kann ich bisher nicht erkennen. Aber das kann auch an mir liegen.
Ein erster Schritt wäre, wenn der Autor Balhorn in seinem digitalen Medium Links zu den Texten gesetzt hätte, die er kritisiert, damit wir Leser*innen eine Chance bekämen, seine Gedankengänge nachzuvollziehen – oder fundiert zu kritisieren. Kleines digitales Einmaleins.
Wenn wir uns nun zum Abschluss mal dieses Wohnungsbauprojekt in Köln anschauen, in direkter Nachbarschaft des Deutschlandfunks, der für seine Mitarbeiter*innen wohl die Honorare verdoppeln müsste, dass sie sich diese Wohnungen leisten können, dann identifizieren wir hier die Klassenfrage unserer Zeit. Die seit vielen Jahren darauf wartet, dass die Linke – gemeint als gesellschaftlicher Sektor, und nicht nur eine einzelne Partei – sie erkennt und gesellschaftlich wirksame Bündnisse gegen diesen real existierenden Skandal des Kapitalismus organisiert.
Diese Kölner Preise hochgerechnet – mal abgesehen davon, wie scheisse das aussieht – von der Lage weit weg von funktionierenden Veedels-Strukturen, könnte ich für meine Wohnung in Beuel mehr Miete kassieren, als ich an drei zusammengerechneten Renten erhalte. That may be the economy, stupid! Aber es funktioniert nicht mehr – es ist pervers, und wird wenn nicht ex-, dann implodieren. In Kürze!
Update vormittags
Mann kann das hier Ausgeführte natürlich auch so ausdrücken:
Ambros Waibel/taz: “KI und Journalismus: Selbst schuld – Künstliche Intelligenz trifft den Journalismus wie das E-Auto den Verbrenner. Nur: Ein Tankrabatt wird nicht ausreichen, um die Branche zu retten.”

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