Frau Mihambo, die Freundin der klaren Aussprache

Malaika Mihambo gab der SZ ein Interview, das diese digital vermauert hat. Doch das Zitieren öffentlicher Äusserungen von Personen öffentlichen Interesses ist (noch) nicht verboten. Sie sind kurz, knapp und klar:

Natürlich hat sich das Klima verändert. Rassismus wird heute deutlich offener geäußert, gleichzeitig ist auch der versteckte Rassismus ein großes Problem. Gleichzeitig habe ich als Betroffene, als Mensch mit Migrationshintergrund, immer schon Rassismus erlebt. Ich kann nicht sagen, dass ich eine Zeit in Deutschland erlebt habe, die frei von Rassismus war. Von dieser Vorstellung müssen wir uns verabschieden und anerkennen, dass es noch nie perfekt war. Und dass es hin zu einer rassismusfreien Gesellschaft ein weiter Weg ist.

Aufklärung. Und dass sich die Menschen für diesen Weg einsetzen, und zwar nicht nur die Betroffenen, sondern die gesamte Gesellschaft. Es geht auch hier um demokratische Werte und ein Miteinander. Denn es reicht nicht, wenn nur die Betroffenen ihre Stimme erheben. Damit sich etwas verändert, müssen wir alle Verantwortung übernehmen. Wir sind doch alle Teile dieser Gesellschaft, entweder als Opfer oder als Täter oder als Zuschauer. Es kann sich niemand dieser Verantwortung entziehen.

Es geht gar nicht darum, was ich als Einzelfall erlebe, sondern was die betroffenen Personen in Summe erleben. Da geht es gar nicht nur um Rassismus, sondern auch zum Beispiel um Queerfeindlichkeit. Es gibt viele Gruppen, die betroffen sind und zu viele Menschen, die einfach wegschauen. Generell sollte man in einer Demokratie nie wegschauen. Es ist wichtig, aufmerksam zu sein und sich für eine offene und empathische Gesellschaft einzusetzen. Denn das ist das wahre Herzstück der Demokratie.”

Im vermauerten Interview erklärt sie im übrigen ausführlich, wie leistungssportlicher Weitsprung unter erschwerten Windbedingungen funktioniert. Und nicht selten auch nicht.

Der kluge Harald Staun/FAS erläutert heute das alte Branding des noch älteren Rudolf Augstein “Sagen was ist”, selbstverständlich ebenfalls digital vermauert. Es liest sich wie ein Kommentar zu Mihambos klugen öffentlichen Ausführungen. “Dabei ging es Augstein explizit um das Gegenteil, nämlich darum, ‘einer Wahrheit ans Licht zu helfen, die unter der glatten Oberfläche der Volksmeinung schlummert’, und, so fuhr er fort, ‘diese notwendige Wahrheit unangreifbar zu fassen (…), eine Wahrheit, der die etablierten Führer und Meinungsmacher aus Bequemlichkeit und Eigensucht bislang ausgewichen sind’. … ‘Sagen, was ist’, schrieb er, sei ‘die einzige Möglichkeit für den Journalisten, die Wirklichkeit zu verändern’.”

Dä. Der Alte war also weniger dumm als der “Spiegel”.

Rassismus im Briefkasten

Wie der real existierende Rassismus in unserem schönen Rheinland funktioniert, das lässt sich – zumindest einige Tage paywallfrei – hier nachlesen:

Annuschka Zak/Junge Welt: Abschiebungen verhindert: Ist das Kölner Programm für Bleiberecht in Gefahr? – Die Medienkampagne gegen den Kurs der Kölner Ausländerbehörde verbreitet rassistische Narrative, sagt Claus-Ulrich Prölß”.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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