Starke afrikanische Frauen – interessiert das jemand? Die deutsche Aufmerksamkeitsökonomie jedenfalls nicht

In Deutschland ist zwar keine Fantasie-“Vierte Gewalt” in der Verfassung vorgesehen, aber Pressefreiheit. Bürgerlicher Idealismus, wie er in Deutschland und der EU herrschende Ideologie ist. Denn materialistisch heisst das keineswegs, dass irgendjemand verpflichtet ist, die Pressefreiheit auch praktisch zu nutzen. Er und sie kann es auch seinlassen.

So geschieht es mit Vorliebe mit fremden Ländern. Und erst recht, wenn die massenhaft mit Nichtweissen bevölkert sind. Frauen gar? Ist das wichtig? Entscheiden Sie selbst.

Vorgestern war Finale beim Women’s Africa Cup of Nations im Stade Moulay Hassan in Rabat/Marokko. Ein Ministadion dort, wo derzeit am “grössten Stadion der Welt” für die WM der Herren 2030 gebaut (und von den Bauarbeitern gestorben) wird. Immerhin gibt es von dem Ereignis in der deutschen Wikipedia einen tiptop aktualisierten Eintrag. Und beim Kicker eine mutmasslich von KI generierte Meldung. Wenn frau weiss, wo sie suchen muss.

3:0 hat Kamerun Malawi geschlagen. Die Frauen Kameruns haben, wie Frauen es fast immer tun, also ganz sportlich aufgeräumt, was ihre einst weltweit gerühmten Herren zerdeppert hatten, die sich noch nicht einmal für Infantinos aufgeblasene Herren-WM qualifizieren konnten. Ausgebremst in der Gruppenphase der afrikanischen WM-Quali von denselben Kapverden, die bei der WM den Titelverteidiger Argentinien an den Rand des sportlichen Absturzes trieben.

Doppeltorschützin Marie Ngah dürfte in Erdogans Türkei bekannt sein, weil sie dort seit drei Jahren spielt. Sie begann superavantgardistisch und abenteuerlich bei einem jungen reinen Frauenverein in der Ost-Türkei, um nach nur einem Jahr zum Istanbuler Grossclub Galatasaray S.K. zu wechseln: 41 Tore in 42 Spielen. Da darf Harry Kane neidisch werden. Zur neuen Saison wird sie zum Lokalrivalen Fenerbahçe S.K wechseln.

Ich habe auch ein Foto der Lady gesucht, aber im konzernunabhängigen Teil des Internets keins gefunden. Neugierige müssen zu Instagram gehen. So funktioniert das mit der “Pressefreiheit”.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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