Welche*r Politiker*in bringt noch beides zusammen? Warum soll der Kanzler aus dem Urlaub kommen? Wer vermisst ihn (ausser clicksüchtigen Medien)?

Es war wieder ein “Politbarometer”. Ganz vorne ein Boris aus Osnabrück mit +1,3, ganz hinten eine schweizerische Alice mit -2,5, hinter dem Kanzler mit -1,9. Nur 3 von 10 mit Pluswerten. Und der Boris nützt seiner ehemaligen Volkspartei (12%) überhaupt nichts. Es wird offenbar von der Konkurrenz mehr geliebt, als von den eigenen Leuten. Wie auch der Cem (2. Platz). Es gibt zwei Katastrophen, gegen die die alle sich nichts zu unternehmen trauen.

Die eine ist schon da. Mehr noch woanders als hier. Aber wir hier im Rheinland haben sie nicht nur gesehen, sondern atmen sie schon (mehr oder weniger, das Atmen). Die Klimakatastrophe. Sie wird mich eines Jahres dahinraffen, wie sie es dieses Jahr schon mit weit über 10.000 allein in unserem Land getan hat.

Der politische Kampf dagegen ist nicht aussichtslos, sondern eine menschliche Notwendigkeit. Das ist seit knapp 50 Jahren bekannt, wie FR-Redakteur Joachim Wille im Rückblick auf sein Berufsleben anschaulich beschreibt (zum Lesen müssen Sie unbeschreibliche Mengen von Popup-Trash der Ippen-Verlagsgruppe beständig zur Seite räumen, schlimmer als auf Pornoportalen, aber es lohnt sich):

Fazit nach 40 Jahren Klimajournalismus: Wir schaffen das – FR-Autor Joachim Wille schreibt seit vier Jahrzehnten über die Klimakrise. In seinem Essay zieht er eine Bilanz von Warnungen, politischem Handeln und verpassten Chancen, die Krise abzuwenden. Und erklärt, was ihm Hoffnung macht.”

Willes präzise Erinnerung und Reflektion deckt sich vorzüglich mit dem hier schon gewürdigten Christian Jakob. Er erinnert an den Weitblick der Herren Klaus Töpfer und Helmut Kohl – und übrigens auch von dem von ihm namentlich nicht genannten Jürgen Trittin (beim EEG mitzuständiger Minister) – und beschreibt damit umso brutaler die Kurzsichtigkeit der gegenwärtigen Nichtskönner*innen.

Kurz: Handeln ist nicht nur nötig, sondern – egal mit welcher bescheuerten Regierung – auch möglich. Die Politiker*innen müssen unter Druck – statt von inkompetenten süchtigen Medien von selbstlernenden Basisbewegungen einer real existierenden Gesellschaft.

Die andere Katastrophe steht noch bevor

Und von der haben die Regierenden noch weniger Ahnung. Und weil sie das immerhin genau wissen, reden sie nicht drüber, und wollen es gar nicht erst wissen. Es ist die KI, und was sie anrichtet. Es ist einerseits ihr Energie- und Wasserverbrauch. Er wird die Klimakatastrophe vorantreiben und beschleunigen. In den USA gibt es längst eine weit entwickelte und parteienübergreifende Widerstandsbewegung, über die z.B. in deutschen Medien hinter streng vermauerten Paywalls für die privilegierten Stände auch schon berichtet wird.

Noch brutaler könnte es werden, wenn die KI-Blase platzt.

Martin Holland/heise: KI-Blase: Expertengruppe der EZB warnt vor den Folgen eines Kursrutsches – Immense Erwartungen an KI treiben die Aktienkurse in immer neue Höhen. EZB-Forscherinnen und -Forscher warnen, dass eine Kurskorrektur ‘wahrscheinlich’ ist.”

Und das ist die gemässigte Interpretation der drohenden ökonomischen Explosion. Fragen Sie doch mal ihre*n Abgeordnete*n, für welche Bewältigung sie*er dann eintreten wird.

Mögen Sies lieber radikaler? Können Sie auch haben, hier z.B.:

Tomasz Konicz (“Untergrundblättle”/Schweiz): Abschied von der Illusion des Konsumenten-Kapitalismus – Auf dem Altar des Techno-Gottes – Ausblicke auf neue Formen der Krisenkonkurrenz in der aufziehenden autoritären Ära des allseitigen spätkapitalistischen Mangels.”

Dä. Danach denken Sie vielleicht wie ich in meinem ersten Impuls: hoffentlich bin rechtzeitig weg. Was – s.o. Wille oder Jakob – keine politische Antwort ist.

Erster Schritt: den Kanzler in Urlaub schicken? Dann bitte auch bessere Vorschläge – nicht nur machen, sondern auch durchsetzen. S.o.: mit Kompetenz und Ansehen.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger