Uli Brée, Drehbuchautor u.v.m. ist gebürtig aus Dinslaken, wie meine Haushaltshilfe. Ich war dort nur ein einziges Mal, bei einer Strassenbahnrundfahrt durch Duisburg. Oder endete die nicht in Walsum? Jetzt nicht abschweifen. Brée jedenfalls haute irgendwann ab Richtung Wien. Und 2018 wurde er Österreicher. Weil er sich mit zahllosen Drehbüchern verdient gemacht hat, um die Kultur, und so … Meinen Geschmack hat er mit den “Vorstadtweibern” (2015 ff.) getroffen. Und nun mit den “Biestern” (2024 ff.) schon wieder.

In der ARD-Mediathek ist bisher nur die erste der zwei produzierten Staffeln (je 10 Folgen a 45 min.).

Biester – Jetzt im Stream: In der österreichischen Dramaserie ‘Biester’ treffen zwei beste Freundinnen aus einfachen Verhältnissen auf zwei wohlhabende Schwestern. Als ihre Welten kollidieren, geraten Freundschaften, Liebe und Familienbande ins Wanken.” Verfügbar bis 19.10.

Ich würde die “Dramaserie” als “Familienkrimi” bezeichnen. Es wird sehr vergnüglicher Krieg gegeneinander gespielt. Und am meisten überzeugen mich nicht die von der Werbung hervorgezeigten Jungdarstellerinnen, sondern die starken reifen Damen, dargestellt von der Alleskönnerin Ursula Strauss (auf dem besten Weg, eine österreichische “Inge Meysel” zu werden?), Claudia Kottal, die mich schon in den “CopStories” stark beeindruckte, und natürlich die fiese, vielleicht etwas übertrainierte Annabelle Mandeng. Alle drei sehen jedenfalls nicht so essgestört aus, wie das “junge Gemüse”.

Ich kann zwar nicht den unvergleichlichen Wiener Schmäh, aber als Zuschauer war ich sogleich verführt, mitzulästern. Herrlich. Aus der Distanz jedenfalls. Im wirklichen österreichischen Leben ist alles viel schlimmer. Soweit ich weiss.

Als was-mit-Medien-Mensch bleibt mir ein Rätsel, wie in diesem übersichtlichen Zwergstaat sowohl im Journalismus als auch in der Fiktion so weit bessere Arbeitsresultate entstehen können, als in der Grossmacht Deutschland. Obwohl die Produzent*inn*en im Zwergstaat unter noch weit grösserem politischen Druck von Rechts agieren müssen. Die neofaschistische FPÖ ist längst in allen Institutionen und Apparaten eingesickert, die ÖVP vollendet mitinfiziert. Dagegen ist der zurückgetretene Spahn ein regelrechter Waisenknabe. Aber ich schweife schon wieder ab …

Herr Brée muss irgendwo einen ähnlichen Kanal in den ORF haben, wie ihn z.B. der nicht minder begabte Jan Georg Schütte in die ARD-Degeto hat. Viele hungerleidende Kreative werden sie darum beneiden. Für mich als Zuschauer ist es dagegen ein Vergnügen. Mann gönnt sich ja sonst nichts.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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