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NRW nochmal davongekommen

Juhu, es ist vollbracht! München wird sich um die Olympischen Spiele bewerben und Bayern mithilfe des Bundes werden Milliarden für Brot und Spiele, Profite der bekannten Welt-Zuckerplämpenkonzerne, Menschenvergifter durch Fastfood und Burger und vor allem der Medienmogule und Abzocker der Werbe- und Marketingbranche in das weltweite Kommerzspektakel investieren. NRW kann sich glücklich schätzen, nun seine maroden Verkehrswege nach den wirklichen Erfordernissen der Infrastrukturprobleme und seine Wohnungen nach den Bedürfnissen der Bevölkerungsentwicklung planen und umsetzen zu können. Das wird einen sinnvollen und vor allem nachhaltigen Konjunkturschub für Bürger:innen und Wirtschaft in NRW auslösen. Eine echte Win-Win-Situation. Was für ein Glück! Glückwunsch, geliebtes Nordrhein-Westfalen!

Buhlen um Infantino & Co.

Denn die “Bewerbung” um die Olympischen Spiele ist heutzutage nichts anderes als ein Rennen um die Gunst der internationalen Sportfunktionärsschicht, die ähnlich wie auch die FIFA mit ihrem korrupten Trump-Arschkriecher Giovanni Infantino an der Spitze, die NFL in USA und die Formel 1 seit Jahren und Jahrzehnten mit Sport die Menschen abzocken, private Medienimperien füttern und öffentlich-rechliche Medien zulasten eines aufklärerischen Journalismus abzocken, abzocken, abzocken. Und dafür – man sehe sich das “ZDF-Sportstudio” vom 26.9. an – niedliche sportbegeisterte Kinder als Motivations- und Illusionsbotschafter zu mißbrauchen, die nicht wissen, was sie tun. Alle Märchen, die nach den boykottierten Olympischen Spielen von Moskau 1980  (weil die UdSSR damals die sozialistische Regierng gegen die Taliban unterstützte und die USA genau diese bewaffneten, um zwanzig Jahre später Krieg gegen sie zu führen)  in die Welt gesetzt wurden, und von der “verbindenden Botschaft des Sports” und der Verwirklichung von Sportler:innenträumen schwätzten, sind von der harten Realität des Kommerz und der Profite von Konzernen und Medien seit den Spielen in Los Angeles 1984 widerlegt worden. Sie sind seitdem fester Bestandteil der DNA des IOC und der nationalen olympischen Kommitees.

2036 – how dare You?

Für diesen Kommerzblödsinn der “Brot und Spiele”, der nahezu nichts mehr mit der unrsprünglichen olympischen Idee zu tun hat – “Dabeisein ist alles”, “friedliche Wettkämpfe ” – (heute im Krieg) “Völkerverständigung und Achtung voreinander” (in USA mit ICE-Truppen und Nationalgarde während der Fußball-WM).  Angesichts dessen  bewirbt sich nun der DOSB für 2036, 40, 44.  – was, 2036????  Wie kann man angesichts von Hitlers internationaler Vorspiegelung eines “freundlichen Gesicht des Nationalsozialismus” gegenüber der Weltöffentlich 1936 in Berlin auch nur auf die Idee kommen, sich für die Spiele 2036 zu bewerben? Und wie schon bei früheren deutschen Bewerbungsdesastern ist Guido Westerwelles Ex-Mann Michael Mronz wieder ganz vorn mit dabei – er könnte sogar für das DOSB-Präsidium kandidieren, hieß es gestern im “Aktuellen Sportstudio” des ZDF. Immerhin: Er kann von den Thema als Berater seit Jahrzehnten ganz gut  leben.

Die Demokratien zu Tode unterhalten

Fußball-WM, Olympia, Radsport, Formel 1, Champions League, Nations League, sie alle plündern die öffentlich-rechtlichen Medien aus. Entweder, indem sie lukrative und interessante Sportereignisse ganz privatisieren und die Zuschauer:innen der Werbeindustire ausliefern – oder durch die Vermarktung von Übertragunsrechten, die die Öffentlich-Rechtlichen bis an ihre Existenz ausplündern – damit die sich guten Journalismus nicht mehr leisten können. Wer das nicht glaubt, dem sei die nähere Beschäftigung mit den aktuellen Programmreformen des WDR und des Deutschlandfunk empfohlen: Podcastblah statt solide Reportage, Geschichtenerzählung statt harte Fakten aus Interviews mit Expert:innen, jede Menge Befindlichkeitsgelaber und “Stimmungsbarometer” sowie Politiksimulationen. Von Maischberger über Miosga bis Lanz und Illner mit immer derselben Besetzung mit Mitgliedern der konservativen herrschen Medienblase. Das alles statt politischen Magazinen mit kritischen Beiträgen über die Realität. Alle Politiksimulator:innen hoch bezahlt (Maischbergers Jahressalär soll bei 990.000 € liegen OHNE Produktionskosten für ihre Firma von 3,6 Mio. € auf 4 Jahre) und entsprechend sozial abgehoben und durch die Steuerpolitik von Friedrich Merz geschützt. Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein.

Diskussion über die Rolle des Spitzensports in der Gesellschaft überfällig

Es war auch Olympia, der Sport, der den Anstoß gab, um über seine gesellschaftliche Rolle zu diskutieren. Von dem Tag an, als keine gesamtdeutsche Mannschaft mehr, sondern eine der BRD und der DDR bei Olympia 1972 und der Fußball-WM 1974 auftauschten, führte dies zu einer tieferen Beschäftigung mit der gesellschaftlichen Rolle und Funktion des Sports. Es geht nicht um die Klischees und Vorurteile, die damals über die Sportler:innen des jeweiligen Systems – Kapitalismus versus Realsozialismus – gepflegt wurden. Sondern um die Reflektion der wirklichen gesellschaftlichen Funktion des Spitzensports: Wer profitiert von den Wettbewerben, was bewirken sie, wer sind die Hintermänner und Hinterfrauen der ganzen Verbände und Funktionärslegionen, die Strippen ziehen und sich nebenbei die Taschen vollmachen.  Weil die Sender und Medien so nah dran sind und von ihnen profitieren, wird darüber so gut wie nichts berichtet. Ein Armutszeugnis im Zeitalter der Aufklärung – oder eherein Instrument der Gegenaufklärung.

Panem et circenses

Brot und Spiele eben. Seit 2.100 Jahren Erfolg für die Herrschenden garantiert.

Über Roland Appel:

Avatar-FotoRoland Appel ist Publizist und Unternehmensberater, Datenschutzbeauftragter für mittelständische Unternehmen und tätig in Forschungsprojekten. Er war stv. Bundesvorsitzender der Jungdemokraten und Bundesvorsitzender des Liberalen Hochschulverbandes, Mitglied des Bundesvorstandes der FDP bis 1982. Ab 1983 innen- und rechtspolitscher Mitarbeiter der Grünen im Bundestag. Von 1990-2000 Landtagsabgeordneter der Grünen NRW, ab 1995 deren Fraktionsvorsitzender. Seit 2019 ist er Vorsitzender der Radikaldemokratischen Stiftung, dem Netzwerk ehemaliger Jungdemokrat*innen/Junge Linke. Er arbeitet und lebt im Rheinland. Mehr über den Autor.... Sie können dem Autor auch im #Fediverse folgen unter: @rolandappel@extradienst.net

Ein Kommentar

  1. Avatar-Foto
    Martin Böttger

    Das unaktuelle Sportstudio des ZDF haben 1,16 von 84 Mio. geguckt. Das war ein “Marktanteil” von 10% (also von denen, die insgesamt noch glotzten – gut 10 Mio. waren noch wach).

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