Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Narendra Modi (Seite 1 von 2)

Indien erwacht ganz langsam

Selbst bisher Modi-treue Medienmacher sprechen aus, was die Bevölkerung vom angeblichen Wachstum hat: Vergiftetes Wasser, eine kaputte Infrastruktur und Affen im Sportstadion. Nun gibt es ein Handelsabkommen mit der EU und damit kommt noch mehr Umweltzerstörung.

Vorgestern kam ich aus New Town zurück – ein Teil der letzten Hoffnung Indiens. Es ist eine der sogenannten grünen Smart Citys im Großraum der 16 Millionen Einwohner Metropole Kolkatas. Entworfen am Reißbrett mit ausgiebigen Grünflächen und breiten Bürgersteigen. Mit nachhaltiger Wasserinfrastruktur. Der Strom wird aus erneuerbaren Energien gewonnen. Dazu soll New Town alles andere bieten, was eine nachhaltige, lebenswerte Stadt haben sollte. Weiterlesen

Das Modi-Indien hat fertig (II)

Indiens hohe Wachstumszahlen sind manipuliert. Dazu steht die Infrastruktur gerade in Sachen Wasser und Müll vor dem Kollaps und der Smog wird immer schlimmer.

Ich sitze gegenüber dem Busbahnhof – mit einem Durchschnittslärm von bis zu 89 Dezibel, der lauteste Ort in der Kleinstadt Berhampur. In Indien werden Hupen mit einer Lautstärke von 140 Dezibel verkauft und benutzt – 130 beträgt die menschliche Schmerzgrenze. Vor mir auf dem Bürgersteig zieht ein zerlumpter Bettler seinen beinlosen Rumpf mit Hilfe der Hände vorwärts. Seine Stümpfe stecken in dicken Gummistulpen. Nach sechs Wochen Straßen-Indien nehme ich ihn nur noch wahr, weil ich schreibe. Links von mir am Straßenrand hocken zwei „Gemüse-Frauen“ vor ihren ausgebreiteten Waren. Wenn Taubheit den Menschen vor Lärm schützt, so zeigt ihr Blick an, dass auch Stumpfsinn seinen guten Zweck haben kann. Weiterlesen

Das Modi-Indien hat fertig (I)

Selbst Indiens Kleinstädte versinken in Lärm, Müll und Luftverschmutzung

Irgendjemand schlägt mir aufs Hinterteil. Ich schlage die Augen auf und versuche mich zu orientieren. Es ist 4.30 Uhr am Morgen. Ich befinde mich im Chennai-Mail Express, in einem 8er-Abteil mit 14 Wanderarbeitern aus Kolkata. Drei von ihnen, die auf der untersten Liege mir gegenüber hocken, haben ihre Hände ausgestreckt, darin 10 und 20 Rupie Scheine. Ein Mann in Frauenkleidern nimmt sie entgegen. Weiterlesen

Die „Großen“ nutzen die „Kleinen“ als Klopapier

Im kleinen Bangladesch ist zu sehen, woran die Erde krankt: Egal ob Chinesen, Inder, Japaner, Russen oder Deutsche – alle machen des Profits wegen mit, die Zukunft eines Landes zu zerstören. 

90 Km östlich von Kolkata hat die indische Regierung dem Bundesstaat West Bengalen eine etwa 500 Meter lange Halle in den Wald geknallt. Direkt neben der Grand Trunk Road die mit riesigen Banyan Bäumen gesäumt ist.  Die Innenausstattung der Halle gleicht dem des Einreisebereichs des internationalen Flughafens in New Delhi. Mit dem Ausreisestempel aus der Halle kommend wird der Reisende gezwungen, die letzten 100 Meter mit einem Elektromobil bis an den Grenzzaun gefahren zu werden. Es fehlt nur noch, dass der Fahrer ausruft: „Schaut her Bangladesch, wir sind das große Indien.“ Weiterlesen

Dreckiges Leder für Deutschland

Im ost-indischen Kolkata wird Leder unter schlimmen Bedingungen für Mensch und Umwelt gegerbt. Deutsche Unternehmen sind die zweitgrößten Einkäufer, weil das Leder aus diesem Grund billig ist.

Weit über mir fliegt ein Zug Wildvögel und erinnert daran, dass ich mich in den östlichen Feuchtgebieten Kolkatas befinde. Seit 2002 sind sie durch die internationale Ramsar-Konvention geschützt. Die Männer auf den Bänken neben mir, in ihren verdreckten Hosen und Lungis (Wickelrock), albern miteinander herum, in diesem für Bengalen typisch lauten Tonfall, als wollten sie die 15,8 Millionen Bewohner im 20 Km entfernten Kolkata an den Gesprächen teilhaben lassen. Weiterlesen

Die Teestand-Philosophen von Rishikesh

Immer mehr junge Menschen in Indien merken was gespielt wird – daheim und auf der Welt. Sie weigern sich weiter mitzumachen. Doch das Ende ihrer Zufluchtsorte naht.

Gestern war Lionel Messi im Salt Lake Stadion in Kolkata (früher Kalkutta). Doch weil unsere Politiker mit ihm andauernd Selfies machten, konnten die 60.000 Zuschauern ihn nicht sehen – die haben 5000 bis 16.000 Rupien bezahlt (etwa 50 bis 160 Euro). Da haben unsere feurigen West Bengalen vor Wut das halbe Stadion zerlegt“, sagt der 30-jährige, ehemaliger Informatiker Saga an einem Teestand auf der Basarstraße in Laxman Jhula/Rishikesh. Die anderen morgendlichen Teeliebhaber lachen. Weiterlesen

Fachkräfte rein, Facharbeit raus

In Scharen rennen junge, gebildete Menschen aus dem bevölkerungsreichsten Land der Erde auch nach Deutschland. Gleichzeitig lagert ein weiterer deutscher Konzern nach der Güter-Produktion auch die geistige Arbeit nach China aus. Der Autor berichtet aus Dehli.

„Ich komme aus Mumbai (alter Name Bombay)“, antwortet die 30-jährige indische Hautärztin entschuldigend auf die Frage, warum sie ihre neue Heimat Essen weniger mag als Köln. Die bis zu zehn unbezahlten Überstunden pro Woche standen dafür in den Arbeitsverträgen der Praxen in beiden Städten, sagte sie und setzte hinzu: „Aber in Indien waren es noch viel mehr Stunden.“ Weiterlesen

Kapitalismus-Kritik

Globale Kapitalismus-Kritik an Schulen ist schon da

Wer den Diercke-Spezial liest, Länder des Südens, kann positiv schockiert werden: Für Teile des Inhalts hätte es in den 70er Jahren in Deutschland wohl noch Berufsverbot wegen kommunistischer Umtriebe gegeben.

Volker Pispers ist übrigens auch wieder auf Tour… .

An einen der ersten Berliner Frosttage hatte ich den Geographen Prof. Ludwig Ellenberg bei mir zu Gast. Wie es sich für so einen Anlass gehört, wurde die Bude auf beinahe 16 Grad hochgeheizt, dazu gab es den besten Tschai außerhalb Lahores – im Gegensatz zur pakistanischen Metropole war in meinem Tschai jedoch echte Milch. Weiterlesen

Die indische Jugend ist frustriert

Weltmacht Indien? Durchaus möglich in der Zukunft. Doch augenblicklich hat der Subkontinent elementare Sorgen mit den Menschen, die die Zukunft des Landes bestimmen sollen.

Der große Unterschied zwischen den Generationen der Älteren und der Jüngeren Indiens ist: Ein 50-jähriger aus einfachen Verhältnissen hat in der Regel an seinem eigenen Leben bemerkt, dass Indien in den letzten 25 Jahre Fortschritte gemacht hat. Selbst für Menschen aus der unteren Mittelschicht ist heutzutage mindestens der Besitz eines Motorrads und eines Smartphones normal. Alle paar Jahre ist sogar ein drei-Tages-Urlaub an berühmte Bergorte wie Darjeeling drin. Das selbst solche Orte wegen des lokalen Massentourismus zu hässlichen Betonwüsten mit Wassernot geworden sind, ist nebensächlich: Mann und Frau kennt dort den Unterschied zu früher nicht. Wichtig ist, dass die Nachbarn informiert werden können, dass man jetzt auch dort gewesen ist. Weiterlesen

Indische Wahrheiten

… die klingen wie aus den USA

In Indiens Hauptstadt New Delhi versuchte es die neue Stadtregierung mit umweltfreundlichen Böllern, anstatt ohne Böller die Luft zu verbessern.

Am 20. Oktober war das erste Fest der Lichter, Divali, in der indischen Hauptstadt New Delhi unter der neuen Stadtregierung. Im Februar diesen Jahres gewann die Partei Bharatiya Janata Party (BJP) von Premierminister Narendra Modi dort die Wahlen. Vor dem Wahlkampf wurde der Hauptkonkurrent und damalige Bürgermeister (Chiefminister) Delhis, Arvind Kejriwal, erst einmal verhaftet. Unabhängige Medien und Amnesty International verurteilten die Verhaftung, als Politisierung. Weiterlesen

Ein Inder gibt Nachhilfe

Der deutsche Adel und das “Wir” – er versteht weder das, noch “die Welt”

mit Update 3.10.

Ist Albrecht von Lucke/Blätter nun endlich “oben” angekommen? “35 Jahre Einheit oder: Die Rückkehr der Machtpolitik”. Rückkehr? Wo ist er denn all die Jahrzehnte gewesen? Und hat seine eigene Zeitschrift nicht gelesen? Ich will nicht ungerecht lästern. Ich lese immer, was er schreibt, weil Vieles richtig beobachtet ist. Seine wachsende Ratlosigkeit wird jedoch mitleidserregend, weil sie die Hauptstadtblasen-Diskurse, in denen er sich selbst bewegt, detailgetreu widerspiegelt. Und hier wird Ihnen geholfen (garnicht weit weg): Weiterlesen

Das Ringen um Palästina als globaler Kampf

Dem Freiheitskampf Palästinas wird universelle Bedeutung zu­ge­schrieben. Gerecht ist diese selektive Solidarität nicht, aber sie hat gute Gründe.

Che Guevara besuchte Gaza 1959, Malcolm X folgte 1964. Frantz Fanon hat sich zu Palästina nie geäußert, doch lag die arabische Übersetzung von „Die Verdammten dieser Erde“ bereits 1963 in Beiruter Buchläden und prägte manche Ideen der aufkommenden palästinensischen Befreiungsbewegung.

Deren Kampf wird seit mehr als einem halben Jahrhundert mit einer transnationalen, gar universellen Bedeutung versehen – Palästina als Spiegel, in dem sich Entrechtete wiedererkennen. Weiterlesen

Die Rache der Männer ist fürchterlich

Arte porträtierte kürzlich Taylor Swift, den angeblich derzeit einflussreichsten Popstar. Während Mrs. Swift sich klar gegen Trump positionierte, bekennt sich ihr erster Förderer Steve Migliore klar zu ihm. Im Swingstate Pennsylvania. Die “Swifties” in ihrer aggressionsfreien Begeisterung, ihrem Empowerment, das ans Bekifftsein erinnert, sind irgendwie süss. Aber nichts, dem ein erfahrener Mann die Macht überlassen kann, und vor allem will. Das musste schon die weit härtere feministische Bewegung in Argentinien erfahren. Weiterlesen

Die “Alternative zu China”

… ist keine, und wird es absehbar auch nicht: Indien

Olaf Scholz ist definitiv mehr Realo, als seine wolkenschiebende Aussenministerin. Für diese These kenne ich ihn gut genug. Dass das diese Woche in China mitreisenden oder ansässigen deutschen Medienberichterstatter*inn*en nicht oder nur begrenzt gefällt, spricht mehr für als gegen ihn. Es spricht dafür, dass er von dieser Problematik weiss: Hans Kundnani/IPG-Journal: Der Berliner Blob – Einseitigkeit und Gruppendenken kennzeichnen oft die außenpolitische Sicherheitsblase. In Deutschland ist dies besonders stark ausgeprägt.” Weiterlesen

Indien / Deutsche Bahn

Was hat Narendra Modi Demokrat*inn*en voraus? / Warum die DB noch lange Lokführer*innen braucht

Heisst von Narendra Modi lernen, siegen lernen? So weit würde ich nicht gehen. Aber die Überlegungen der weitgereisten Lorenza Colzato und Bernhard Hommel/overton würde ich nicht als abwegig abtun: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser! – Die Inder denken wie die Chinesen in Gruppen – für uns, die wir darüber nachdenken, was für uns persönlich herausspringen könnte, ist das eine ungewöhnliche Denkart.” Weiterlesen

Mützenich liest Münkler

Längergediente Extradienst-Leser*innen wissen, dass ich von meinem einstigen Arbeitskollegen im NRW-Landtag, dem Kölner Rolf Mützenich, eine gute Meinung habe. Sein Berufsweg von Düsseldorf nach Berlin war und ist mir kein Vorbild, nötigt mir aber Respekt ab. Mehr als der Medienintellektuelle Herfried Münkler, dessen Werk Mützenich im IPG-Journal freundlich rezensiert: Neues Machtgleichgewicht – Die westlich dominierte Weltordnung wird von einem Konzert der fünf Großmächte abgelöst, glaubt Herfried Münkler. Wo bleibt Europa?” Ich möchte gerne abweichende Einschätzungen zu Protokoll geben. Weiterlesen

Aahl Männer, Aalglatt

Wer wie ich in den 80er Jahren musikalisch sozialisiert wurde, wird sich an den BAP-Songtitel gleichen Namens erinnern, der sich an Diktatoren wie Pinochet (Chile) der argentinischen Militärjunta, Südafrikas Apartheidsregime und viele andere Diktatoren von Spanien über Griechenland bis  zu Idi Amin und Ajatollah Chomeini richtete – ebenso wie Ronald Reagan im Krieg der Sterne.  Das Foto des BRICS Gipfels mit Lula da Silva, Xi Jinping, Cyril Ramaphosa, Narendera Modi, und Sergej Lawrow als Statthalter des mit internationalem Haftbefehl gesuchten Wladimir Putin erinnerte mich spontan an diese Combo des Grauens. Lauter alte Männer mit überwiegender Neigung zu Patriarchat und Despotismus Hand in Hand. Weiterlesen

“Regelbasiert”?

Best of 2. Mai 2023 – veröffentlichte Meinung, Niederlande, Weltordnung mit China&Indien

Richard David Precht und Harald Welzer wurden von ihrer eigenen Branche mächtig gebashed, was der Auflage ihres Buches “Die vierte Gewalt” mehr genutzt als geschadet hat. Ich habs nicht gelesen. Hauptkritik: Mangel an Belegen. Beide Autoren sind gleichermassen eitel, aber auf verschiedene Weise. Während Precht als TV-Nase eher schmerzfrei sein dürfte, kommt Welzer ja eher “von der Wissenschaft her”. Weiterlesen

« Ältere Beiträge

© 2026 Beueler-Extradienst | Impressum | Datenschutz

Theme von Anders NorénHoch ↑