Pflege quo vadis

Von , am Donnerstag, 1. Februar 2018, in Politik.

von Rainer Bohnet

Es ist erstaunlich und erschreckend zugleich zu sehen, wie unsere Gesellschaft und die Politik mit den Pflegeberufen umgeht. Sie werden entweder weitgehend ignoriert oder sogar regelrecht geächtet. So ist der jüngste Kompromiss von CDU/CSU und SPD im Rahmen ihrer Koalitionsverhandlungen im wahrsten Sinne des Wortes ein Tropfen auf den heißen Stein. 8.000 zusätzliche Pflegekräfte für ganz Deutschland. Angesichts des demografischen Wandels und einer immer älter werdenden Gesellschaft ist der tatsächliche Bedarf erheblich größer.

Das ist allerdings nur ein Symptom. Denn die Pflege von Menschen spielt sich in vielen Fällen in den Familien oder im Bereich der Illegalität ab. Um es klar und deutlich zu sagen: Ich bin ein entschiedener Gegner von Schwarzarbeit, aber wenn es in einem so bedeutenden Arbeitsmarkt lichterloh brennt, bleibt oftmals keine andere Wahl, als sich Pflegekräften aus Osteuropa ohne Lohnsteuerkarte zu bedienen.

Der Beruf des Pflegers bzw. der Pflegerin muss dringend gesellschaftspolitisch aufgewertet werden. Eine Tätigkeit mit bzw. für Menschen darf nicht hinter Tätigkeiten mit Maschinen oder mit Geld zurückstehen. Das ist moralisch und ethisch verwerflich. Selbstverständlich muss die Bezahlung stimmen und natürlich auch die Qualifikation. Der Vorschlag, Pflegeleistungen grundsätzlich zu verstaatlichen und über die Pflegeversicherung zu finanzieren, sollte in jedem Fall geprüft werden. Und es muss parallel dazu Betriebsräte und Tarifverträge geben, damit die Pflegeberufe aus dem “Hinterhof” verschwinden.

Diese Maßnahmen müssen rasch greifen, denn der Bedarf an qualifizierten und engagierten Pflegekräften steigt täglich an. Insofern greift das Verhandlungsergebnis der potenziellen Koalitionäre erheblich zu kurz.

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