Meine folgende Kommentierung stützt sich auf diesen Bericht der WAZ (Funke-Mediengruppe), dessen Richtigkeit ich voraussetze, aber nicht gegenrecherchiert habe. Autor Kai-Hinrich Renner habe ich bisher als recherchestarken Medienjournalisten wahrgenommen, auch wenn ihm gelegentliche Intrigen nicht fremd sind, klassische professionelle Deformation, in der Branche keine Ausnahme sondern Regel.
Arnim Stauth kenne ich als Journalisten schon einige Jahrzehnte, wir sind uns bei wenigen Gelegenheiten persönlich begegnet. Ich schätze ihn als Journalisten sehr, halte ihn für eine Spitzenkraft. Bis heute ragen seine seltenen Tagesschau-Beiträge positiv heraus: abweichende, kritische Meinungen werden bei ihm in der Regel auch in Kürzestbeiträgen nicht unterschlagen, wie wir es leider ansonsten meistens schon gewöhnt sind. Seine Reporterleistungen sind zu Recht mit Preisen bedacht worden. Solche Leute schmücken ihren Sender.
Solche Leute sind nicht selten auch komplexe “schwierige” Persönlichkeiten. Gute Recherche-Journalist*inn*en müssen das sein – es ist handwerklich kaum anders möglich. Ich weiss es nicht, ich nehme es nur an, dass das auch bei Arnim Stauth so sein könnte. Das ist zunächst für oder gegen nichts ein Argument.
Ich wusste von seinem arbeitsrechtlichen Streit mit dem Sender, war aber inhaltlich zuwenig damit vertraut, um dazu eine eigene Meinung zu haben. Ich fragte mich nur, warum ein so quälender Konflikt sein muss, und warum er so lang andauert. Daran können beide Seiten kein Interesse haben. Was hindert sie an einem Kompromiss?
Diese Frage stellt sich für mich mit diesem WAZ-Bericht in einem neuen – gelinde formuliert unschönen – Licht. Und meine Hypothese von Führungsversagen und Kommunikationsunfähigkeit in der Leitung “unseres” WDR bestätigt sich auf schreckliche Weise. Möge jemand mediatorische Weisheit vom Himmel auf den WDR schmeissen, damit exzellente Journalist*inn*en unbelästigt ihre Arbeit machen können.