Wie viele “Relotiusse” sind es noch?

Von , am Montag, 15. April 2019, in Medien, Politik.

Von Anfang an war mir die Medienbearbeitung des mir unbekannten fakenden Spiegel-Starschreibers nicht geheuer. Ein junger, gutaussehender, karrieregeiler Kerl, in jeder Hinsicht geeignet die Branche in ihrem Jetztzustand zu repräsentieren, wurde symbolisch an die Laterne gehängt. Tatsächlich erfolgte ein umfangreiches Revirement in der Spiegel-Chefetage. Und nun?
Geht die Show weiter, als wäre nichts gewesen. Jüngstes Beispiel: die “betrügerischen” Chinesen drehen uns gefälschte Bioware an. Würden anständige Deutsche niemals fertigbringen, so eine Fiesigkeit. Jetzt muss sich der untersuchende Kronzeuge in Nischenmedien gegen seinen Missbrauch wehren. Wird ein Skandal daraus? Ich glaube nicht. Beim Spiegel ist ja intern jetzt erst mal alles geregelt.
Das Vertrauen der Öffentlichkeit ist sowieso weg. Und wird nicht vergrössert.
Nehmen wir die Debatte um das Impfen. Ich selbst habe dazu keinen Standpunkt. Als Kind wurde ich geimpft, ohne Schaden zu nehmen (Pocken, Kinderlähmung, das Übliche). Ansonsten mache ich, was mein Arzt mir rät. Der versteht mehr davon, und ermöglicht mir, mich inhaltlich nicht damit beschäftigen zu müssen.
Was machen nun fast alle Tagesmedien, die selbst in der Vertrauenskrise stecken? Erklären zusammen mit der politischen Klasse alle Impfgegner*innen/-kritiker*innen/-skeptiker*innen – unterschiedslos! – zu pathologischen Fällen, die nicht mehr alle an der Waffel haben. Selbst wenn das stimmen sollte: was soll das? Was wollen sie mit dieser Methode erreichen? Überzeugen kann es nicht sein. Daher ja auch die Werbung für “Impfpflicht”, die mit hoher Sicherheit eines Tages vom Bundesverfassungsgericht wird entschieden werden müssen, der letzten staatlichen Institution, die sich noch abwägendes, liberales und demokratisches Denken erhalten hat.
Die Vermutung, dass im deutschen Gesundheitswesen auch ökonomische Interessen, u.a. solche der Pharmaindustrie, auch eine gewichtige Rolle spielen, wird direkt mit den “irren” Impfgegner*innen mitverklappt. Das Thema Weltgesundheitsorganisation und Gates-Stiftung ist “durch” und wird mit dem Impfdiskurs wirkungsvoll überlagert.
Gestern ist nur wieder eine total böse Panne passiert. Der Dortmund-Tatort, bekannt dafür, dass in ihm mehr “Irre” als “Normale” auftreten. Mehr als 8,5 Mio. haben zugeguckt, und glauben jetzt, dass es in deutschen Krankenhäusern so ähnlich zugeht (ja, ich auch, weniger Morde zwar, aber ja, so ähnlich). Nun muss sich der SPD-OB von Dortmund mit dem ebenfalls westfälischen (Wahlkreis Borken I/Steinfurt I) CDU-MdB beim Protestieren zusammentun: dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Von mir aus dagegen Dank an die Schauspieler*innen: Ihr seid grossartig! Kritik von Holger Gertz/SZ und Oliver Jungen/FAZ – ich bin näher bei Jungen.
Und mal im Ernst gefragt: glauben Sie, dass der scheuerartige Spahn für irgendeine Besserung im Gesundheitswesen sorgen wird?
Zum Impfen: es gibt auch Versuche inhaltlicher Argumentation für das Impfen. Lesen Sie und urteilen Sie selbst: hier die staatlichen Institute.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.