Desolate Lage in Südafrika?

Von , am Mittwoch, 1. Mai 2019, in Hörbefehl, Lesebefehle, Politik.

Birgit Morgenrath hat sich an politisch gleicher Stelle wie ich engagiert, begann nur ein paar Jahre später damit: im Engagement gegen Rassismus bei der Anti-Apartheid-Bewegung der BRD (AAB). Nun hat sie beim DLF ein wichtiges Feature zur heutigen gesellschaftlichen und politischen Lage in Südafrika (45 Min.; Manuskript nachlesbar) abgeliefert. Es löste bei mir auf für Features mustergültige Weise einen Denkprozess, eine kleine Selbstprüfung aus, der sich Morgenrath bei der Produktion vermutlich auch selbst unterzogen hat.
Zu meiner aktiven AAB-Zeit, Ende der 70er bis Anfang der 80er, war es eine verbreitete Gewohnheit in der BRD-Linken, mangelnde innenpolitische Perspektiven (“deutscher Herbst”!) durch Projektion auf antiimperialistische Kämpfe in anderen Weltregionen zu kompensieren. Das war nicht nur schlecht, es erweiterte ja auch den Horizont. Und es war, mit den Vietnamkrieg als bedeutendstes Beispiel, auch nicht wirkungslos. Das bestätigte sich zu Beginn der 90er bei der Abschaffung des Apartheidsystems in Südafrika. Ein “antiimperialistischer” oder gar “antikapitalistischer” Sieg war es dagegen nicht; eher hat sich der Kapitalismus in Südafrika auf diese Weise konsolidiert.
Bemerkenswert, und für mich besonders lehrreich war am Engagement in der AAB die klare Stossrichtung auf Überwachung und Kritik der Politik unserer eigenen Regierung. Das war unser Job: Druck gegen die apartheidfreundliche Politik der BRD. Der Belehrung von Befreiungsbewegungen haben wir uns dagegen – mehrheitlich – enthalten. War das falsch? Dann nein, wenn es nicht mit Kritik- und Gedankenlosigkeit verbunden war und ist. Auch dafür ist Morgenraths DLF-Feature ein gelungenes Beispiel. Allenfalls wäre zu kritisieren, dass für einen aktuellen BRD-Bezug kein Platz mehr blieb. Was machen deutsche Konzerne heute dort? Und laufen die Rüstungsgeschäfte nicht so blendend gut, wie einst mit dem Apartheidregime? Das wäre noch mal ein eigenes Feature wert.
Ein bis heute leidendes Opfer von Kolonialismus ist Mosambik. Ein späterer Vizepräsident wohnte bei BRD-Besuchen in meiner WG in Beuel-Süd. Hier bei Wolfgang Pomrehn/telepolis die aktuelle Katastrophenlage.

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