Schaum vor Müllers Mund

Von , am Mittwoch, 5. Juni 2019, in Medien, Politik.

Schaum vorm Mund macht blind. Zunächst begann meine Mittagspause im Momo-Bistro wohlgelaunt. Ohne Verabredung traf ich zufällig einen ehemaligen Wohngenossen (1977-1998) plus Extradienst-Autor Michael Kleff. Es gab so viel zu Schwatzen, dass ich zunächst nicht zum Lesen kam. Dann begann ich mit der Jungen Welt, fand dort den 3, Teil der Wiglaf-Droste-Nachrufe (ohne Vincent Klink aber mit Küppi und Fritz Eckenga) die mir in Kombination mit dem im Bistro abgespielten George Harrison die Augen wässrig machten.
Danach ein radikaler Stimmungswandel. Zu dem muss ich erklärend vorausschicken, dass ich mich in meiner politischen und persönlichen Abneigung gegen Maoist*inn*en mit gegenwärtigen und ehemaligen Sozialdemokrat*inn*en – sofern sie nicht selbst davon angekränkelt waren oder sind – immer auf der gleichen Seite sehe. Albrecht Müller, der zornige alte Mann und letzte verbliebene Boss der nachdenkseiten.de ledert, gemeinsam mit einem anonym bleibenden Leserbriefschreiber, gegen die Maoisten im Auswärtigen Amt ab. Wer es so sehen mag, mag es so sehen. Ich war persönlich gegen alle Kriegsbeteiligungen, auch solche die von Grünen abgenickt wurden. Ob Vereinfachungen und Kurzschlüsse bei der Bekämpfung solcher Politik helfen, darüber ist Streit legitim und angebracht. Unter einer “Maoisten”-Schlagzeile aber Claudia Roth abzubilden – ein Bild sagt mehr als tausend Worte (in diesem Blog wird mit Absicht darauf verzichtet) – das übertrifft selbst den Hass, den Wiglaf Droste zu Lebzeiten gegen sie ausgestossen hat.
Ich meine sogar, von Wiglaf war das im Vergleich seine Art von Zärtlichkeit, gegen so einen verblendeten Unsinn. Claudia Roth war am Wochenende hier, und hat sich sichtlich wohl gefühlt. Mitglieder von vier Parteien trafen sich, plus solche, die Parteipolitik in der Politik für wenig nützlich halten, knapp 200 Menschen von 19-90 Jahren. Sie freuten sich alle, sich zu sehen, und stritten ein Wochenende lang; sie interessierten sich füreinander, sie respektierten gegenseitig ihre Lebensleistung, sie wollen Grundrechte und Demokratie verteidigen, und niemand mit ähnlichen Absichten verächtlich machen. Diskurs war möglich und fand statt. Was selten ist, ist wertvoll.

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