Im Ratssaal im Stadthaus mangelt es an Tageslicht. Darunter hat offensichtlich auch der Planungs- und Verkehrsausschuss gelitten. Der Kontakt zu der Welt da draussen auf den Strassen war sogar vorhanden. Petra Maur (SPD) berichtete dem Ausschuss davon. Doch fĂŒr die Entscheidung fand es kein Interesse.
Ich weiss, wie vergeblich es ist, will den Stadtverordneten da im Bunker dennoch eine Chance geben, damit sie etwas ĂŒber die Ampeln da drĂŒben in Beuel erfahren. Ich fange von Bonn aus gesehen an.
1.
Die erste Ampel ist der FussgĂ€nger- und FahrrĂ€derĂŒberweg am BrĂŒckenkopf zwischen Prof. Neu Allee und Hermannstrasse. Die AufstellflĂ€che fĂŒr FussgĂ€nger*innen und FahrrĂ€der reicht nicht aus, insbesondere auf der SĂŒdseite fĂŒhrt das bestĂ€ndig zu Gefahrensituationen mit dem fliessenden Verkehr. Einziger Vorteil: alle Verkehrsteilnehmer*innen werden zu höchster Konzentration gezwungen. GrĂŒn fĂŒr den Überweg gibt es nur auf Anforderung. Die Wartezeit ist zentral getaktet, nicht variabel. Mein GefĂŒhl: wenn ich eine Bahn kommen sehe, bekomme ich bald GrĂŒn. Meine Überquerung geschieht regelmĂ€ssig vor vollbesetzten wartenden (!) Bahnen, die bei AnnĂ€herung keinen Vorrang erhalten.
2.
Die nĂ€chste Ampel ist die, die nach dem Willen der Bunkerinsassen abgeschafft werden soll. Sie gewĂ€hrt FussgĂ€nger*innen und Radfahrer*innen nur auf Anforderung GrĂŒn. Es folgt immer im Anschluss an das GrĂŒn fĂŒr die St.Augustiner Str./Haltestelle der 66, aber nur, wenn es rechtzeitig vorher angefordert wurde. Gleichzeitiges GrĂŒn fĂŒr die von-Sandt-Str. Eins wird sich durch diesen Bunkerbeschluss gewiss nicht Ă€ndern: dass der nach St.Augustin fliessende Autoverkehr immer Vorfahrt vor einer nach rechts abbiegewilligen 62 hat. Sind das auch die FussgĂ€nger*innen schuld? Warum nĂ€hern die sich diesem Platz ĂŒberhaupt? Viele Ladenlokale stehen doch schon leer.
3.
Die nĂ€chste Ampel ist die am anderen Ende des Bahnsteigs der 66. GrĂŒn fĂŒr FussgĂ€nger*innen nur auf Anforderung, auch dann, wenn sich eine 66 aus der Gegenrichtung nĂ€hert. Ich als Fahrgast/FussgĂ€nger wĂ€re jederzeit bereit, der 66 Vorfahrt zu lassen; die Ampelschaltung ist es nicht. Exakt die gleiche Situation am Bahnsteig der 62 Richtung Friedrich-Breuer-Str. Ausrede der Ampelprogrammierer: die Wartezeit fĂŒr FussgĂ€nger*innen wĂŒrde sich anders so verlĂ€ngern, dass die Ampel an Akzeptanz verlieren wĂŒrde. Das gilt aber natĂŒrlich nur, weil sie nach der Durchfahrt der Bahn nicht auf Rot fĂŒr die Autos schalten soll, sondern einem vorprogrammierten Takt folgt. Improvisation auf die Situation wĂŒrde das System sprengen.
4.
An der Ampel auf Höhe der Rathausstrasse der gleiche Fall. Lange Wartezeit fĂŒr FussgĂ€nger*innen und Radfahrer*innen, die gleichzeitig GrĂŒn mit den Linksabbieger*innen aus Richtung St. Augustin in die Rathausstrasse erhalten. Meine These: um die geht es auch. Sie erhalten immer Vorrang vor sich mglw. nĂ€hernden Bahnen.
5.
Kreuzung Combahnstr./St. Augustiner: die FussgĂ€ngerampeln schalten nur auf Anforderung GrĂŒn fĂŒr FussgĂ€nger*innen, auch wenn die Combahnstr. GrĂŒn hat – rechtzeitig den Ampelknopf erreichen, warten und atmen (Beueler LuftqualitĂ€t wird vorsichtshalber offiziell nicht gemessen; private Messungen ergaben selbstverstĂ€ndlich Überschreitung der Grenzwerte). Ampelvorrang fĂŒr Bahnen auch hier: Fehlanzeige.
6.
Jetzt folgt stadtauswĂ€rts rechts die berĂŒhmte Friedhofsmauer, die zusammen mit uns FussgĂ€nger*inne*n nach Meinung der Bunkerinsassen an allem schuld sein soll.
7.
Kreuzung St. Augustiner / Niederkasseler Strasse – diese Kreuzung meide ich. Sie ist fĂŒr den Aufenthalt von Menschen nicht zumutbar. Darum habe ich mich ihrer Ampelschaltung nie ausgesetzt. Meine These: einen Vorrang fĂŒr die 66 hat sie garantiert auch nicht.
FĂŒr alle ÜbergĂ€nge gilt: Gehbehinderte schaffen sie nicht in einer GrĂŒnphase!

Nun könnten wir uns noch mit den Ampelschaltungen auf der Bonner Seite von der BrĂŒcke bis zum Stadthaus beschĂ€ftigen. Aber ich höre hier lieber auf. Die Programmierer*innen der Stadt haben den zentralen Auftrag fĂŒr den Fluss des Autoverkehrs zu sorgen. Darauf ist das Ampelnetz dieser Stadt programmiert, und wird darauf gelegentlich optimiert. Das wird durch Interessen anderer nur erschwert. Eine VerĂ€nderung an einer Ampel hat Folgen auf das ganze Netz und ist die perfekte Ausrede fĂŒr ein “Geht nicht!” Wenn Politiker*innen denken wie Ingineure, kommt das dabei heraus. Sie seien gewarnt: Ingineure mĂŒssen keine Wahlen gewinnen. NĂ€chstes Jahr ist wieder eine. Noch 12 Monate.