Beueler Ampeln

Von , am Freitag, 13. September 2019, in Beuel & Umland.

Im Ratssaal im Stadthaus mangelt es an Tageslicht. Darunter hat offensichtlich auch der Planungs- und Verkehrsausschuss gelitten. Der Kontakt zu der Welt da draussen auf den Strassen war sogar vorhanden. Petra Maur (SPD) berichtete dem Ausschuss davon. Doch für die Entscheidung fand es kein Interesse.
Ich weiss, wie vergeblich es ist, will den Stadtverordneten da im Bunker dennoch eine Chance geben, damit sie etwas über die Ampeln da drüben in Beuel erfahren. Ich fange von Bonn aus gesehen an.
1.
Die erste Ampel ist der Fussgänger- und Fahrräderüberweg am Brückenkopf zwischen Prof. Neu Allee und Hermannstrasse. Die Aufstellfläche für Fussgänger*innen und Fahrräder reicht nicht aus, insbesondere auf der Südseite führt das beständig zu Gefahrensituationen mit dem fliessenden Verkehr. Einziger Vorteil: alle Verkehrsteilnehmer*innen werden zu höchster Konzentration gezwungen. Grün für den Überweg gibt es nur auf Anforderung. Die Wartezeit ist zentral getaktet, nicht variabel. Mein Gefühl: wenn ich eine Bahn kommen sehe, bekomme ich bald Grün. Meine Überquerung geschieht regelmässig vor vollbesetzten wartenden (!) Bahnen, die bei Annäherung keinen Vorrang erhalten.
2.
Die nächste Ampel ist die, die nach dem Willen der Bunkerinsassen abgeschafft werden soll. Sie gewährt Fussgänger*innen und Radfahrer*innen nur auf Anforderung Grün. Es folgt immer im Anschluss an das Grün für die St.Augustiner Str./Haltestelle der 66, aber nur, wenn es rechtzeitig vorher angefordert wurde. Gleichzeitiges Grün für die von-Sandt-Str. Eins wird sich durch diesen Bunkerbeschluss gewiss nicht ändern: dass der nach St.Augustin fliessende Autoverkehr immer Vorfahrt vor einer nach rechts abbiegewilligen 62 hat. Sind das auch die Fussgänger*innen schuld? Warum nähern die sich diesem Platz überhaupt? Viele Ladenlokale stehen doch schon leer.
3.
Die nächste Ampel ist die am anderen Ende des Bahnsteigs der 66. Grün für Fussgänger*innen nur auf Anforderung, auch dann, wenn sich eine 66 aus der Gegenrichtung nähert. Ich als Fahrgast/Fussgänger wäre jederzeit bereit, der 66 Vorfahrt zu lassen; die Ampelschaltung ist es nicht. Exakt die gleiche Situation am Bahnsteig der 62 Richtung Friedrich-Breuer-Str. Ausrede der Ampelprogrammierer: die Wartezeit für Fussgänger*innen würde sich anders so verlängern, dass die Ampel an Akzeptanz verlieren würde. Das gilt aber natürlich nur, weil sie nach der Durchfahrt der Bahn nicht auf Rot für die Autos schalten soll, sondern einem vorprogrammierten Takt folgt. Improvisation auf die Situation würde das System sprengen.
4.
An der Ampel auf Höhe der Rathausstrasse der gleiche Fall. Lange Wartezeit für Fussgänger*innen und Radfahrer*innen, die gleichzeitig Grün mit den Linksabbieger*innen aus Richtung St. Augustin in die Rathausstrasse erhalten. Meine These: um die geht es auch. Sie erhalten immer Vorrang vor sich mglw. nähernden Bahnen.
5.
Kreuzung Combahnstr./St. Augustiner: die Fussgängerampeln schalten nur auf Anforderung Grün für Fussgänger*innen, auch wenn die Combahnstr. Grün hat – rechtzeitig den Ampelknopf erreichen, warten und atmen (Beueler Luftqualität wird vorsichtshalber offiziell nicht gemessen; private Messungen ergaben selbstverständlich Überschreitung der Grenzwerte). Ampelvorrang für Bahnen auch hier: Fehlanzeige.
6.
Jetzt folgt stadtauswärts rechts die berühmte Friedhofsmauer, die zusammen mit uns Fussgänger*inne*n nach Meinung der Bunkerinsassen an allem schuld sein soll.
7.
Kreuzung St. Augustiner / Niederkasseler Strasse – diese Kreuzung meide ich. Sie ist für den Aufenthalt von Menschen nicht zumutbar. Darum habe ich mich ihrer Ampelschaltung nie ausgesetzt. Meine These: einen Vorrang für die 66 hat sie garantiert auch nicht.
Für alle Übergänge gilt: Gehbehinderte schaffen sie nicht in einer Grünphase!

Nun könnten wir uns noch mit den Ampelschaltungen auf der Bonner Seite von der Brücke bis zum Stadthaus beschäftigen. Aber ich höre hier lieber auf. Die Programmierer*innen der Stadt haben den zentralen Auftrag für den Fluss des Autoverkehrs zu sorgen. Darauf ist das Ampelnetz dieser Stadt programmiert, und wird darauf gelegentlich optimiert. Das wird durch Interessen anderer nur erschwert. Eine Veränderung an einer Ampel hat Folgen auf das ganze Netz und ist die perfekte Ausrede für ein “Geht nicht!” Wenn Politiker*innen denken wie Ingineure, kommt das dabei heraus. Sie seien gewarnt: Ingineure müssen keine Wahlen gewinnen. Nächstes Jahr ist wieder eine. Noch 12 Monate.

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