Schlachterei statt Schule / NRWs “Flughafen/Philharmonie/S21” sind die Brücken
Die Umfragen für ihn sind ja sowieso schon schlecht. Aber das will nichts heissen. Solche Daten sind wie Sand im Wind. Schlimmer sind die Fakten. Die deuten darauf hin, dass Armin Laschet nicht Bundeskanzler werden kann. Weil er es nicht kann.
Als das WDR-Landesmagazin “Westpol” erfunden wurde, stand es unter der doppelten Leitung zweier rechter SPD-“Kanalarbeiter”. Ich gewöhnte mir gar nicht erst an, es zu gucken, um eine selbstreferentielle “Deformation professionelle” als Landtagsabgeordnetenmitarbeiter zu vermeiden. Ausserdem guckte es fast keine*r. Landespolitik fällt immer in ein Aufmerksamkeitsloch: weit weniger wichtig als Bundespolitik, viel weiter weg von den Menschen als Kommunalpolitik. Ausnahme: Eltern, die Kinder in der Schule haben. Die haben deswegen auch die rot-grüne Landesregierung 2017 abgewählt. “Westpol” ist unter der Leitung von Gabi Ludwig weit weniger sozialdemokratisch verbohrt, zumal auch die Mitarbeiter*innen heute nur noch wenig persönlich mit eigenen Parteiambitionen belastet sind. Sonntag guckten knapp 800.000 zu.
Seit 2017 ist nun Armin Laschet der Chef der Landesregierung. Der Chef kann nicht alles selber machen. Laschet ist sowieso eher einer, der Menschen mit Klugschwätzen einwickelt. Fürs Machen braucht er gute Leute. Die hat er nicht (gefunden). Um ihn rum muss es an Dilettant*inn*en wimmeln. Die Fleischindustrie, jahrzehntelang opportunistisch von seiner westfälischen CDU gepampert, weil die umgekehrt mit (Unternehmer-)Spenden gepampert wurde, fliegt ihm jetzt politisch um die Ohren. Und es ist niemand da, weder in seiner Landesregierung, noch gar in den CDU-geführten Landkreisen, der oder die jetzt als Herkules durch den ganzen Augiasstall, von dem alle, alle wussten, feucht durchwischt und radikal saubermacht. Das ganze Geschäftsmodell der Branche steht auf Stelzen, wie aus borkenkäferbefallenem Holz. Es bricht in diesen Wochen zusammen, und in der ganzen CDU, einer angeblichen Volkspartei, gibt es offensichtlich niemanden, die oder der rechtzeitig davor gewarnt hat. Das bleibt an Laschet hängen, da würden selbst Ministerrausschmisse nicht mehr helfen.
Auf ähnlichen Stelzen wie die Fleischindustrie wurde begonnen, die neue Leverkusener Brücke zu bauen. Infrastrukturell ist es die wichtigste Brücke NRWs, die vom Autoverkehr meistbefahrene Rheinquerung. Der schon unter normalen Umständen überlastete Kölner Ring bricht seitdem täglich zusammen unter Abgas, Lärm, Reifen- und Asphaltabrieb. Werktäglich stehen jetzt auf dem südlichen Kölner Ring LKW-Karawanen des europäischen Ost-West-Transits, als sei er zu einem Parkplatz umgewidmet. Die alte Brücke ist seit Jahren im Arsch, weil sie durch überladene Nutzung zu einer Katastrophengefahr wurde, wie sie in Genua passiert ist. Seit nunmehr Jahren wird eine neue Brücke gebaut. Und mittendrin ist Schluss damit. Die Herren sprechen nur noch vor Gericht miteinander. Von Beginn an war das Unternehmen als Katastrophe für Mensch und Umwelt angelegt; niemand in Laschets Umgebung hat die Gefahr rechtzeitig erkannt und davor gewarnt. Der karrieresüchtige Fachminister war wohl zu sehr mit sich selbst und den Intrigen in seiner Partei ausgelastet. Der ganze Strassen- und Brückenbaubereich entwickelt sich zu einer unendlichen Desaster-Soap-Opera. Kein politisch Verantwortlicher traut sich mehr vor ein Mikrofon oder eine Kamera. Auch das bleibt an Armin Laschet hängen. Keiner will sich für ihn opfern, weil alle schon auf sein Erbe lauern. Wenn er überhaupt jemals geführt hat, hat er die Kontrolle verloren, schon vor dem Ziel. Wer weiss, wofür es gut ist …
Es gibt keine Freunde in der Politik. Nur Brutusse. Noch nicht mal eine starke Opposition, die es in NRW ja auch nicht gibt, ist dafür erforderlich. Die Dolche kreisen im eigenen Saftladen.