Mehrere Tage grübelte ich, ob und wie ich einen Nachruf zu Gerd Ruge beitragen kann. Ich kam zu keinem Ergebnis, weil sein Journalistenleben so vielseitig war, dass es mir schwerfiel, Schwerpunkte zu finden, die nicht schon andere besser gesehen haben. Nun lieferte Dietrich Leder/Medienkorrespondenz mir mal wieder die Lösung. Sein Nachruf enthält alles, was mir wichtig gewesen wäre. Er wird noch länger Gewicht behalten, über Gerd Ruges 93-jähriges Leben hinaus.
Leders Nachruf ist, ohne dass er das selbst betonen muss, auch ein Nachruf auf einen besonderen deutschen TV- und Auslandsjournalismus, der so, wie ihn Gerd Ruge praktiziert hat, heute kaum noch anzutreffen ist. Schon allein, weil einer, der so nuschelt, zu keinem Mikrofon mehr vorgelassen würde – lesen Sie bei Leder, was uns dann alles entgangen wäre! Eine untersuchenswerte Frage ist, inwieweit das an den spezifischen Personen und ihrer individuellen Persönlichkeitsbildung liegt. Und inwieweit das an den veränderten Produktionsverhältnissen im Medienbusiness im allgemeinen, und in den öffentlich-rechtlichen Anstalten im besonderen liegt.
Beides spielt eine Rolle. Aber wie? Und warum? Ich hoffe, dass Leder auch darüber veröffentlichen wird. Es gibt nämlich auch nicht mehr viele, denen sowas zuzutrauen ist.