Toxische Männlichkeit (II): Döpfner und Merz
Hätte ich nicht gedacht: der Satz in der Überschrift dieses Textes soll vom heutigen Bundeskanzler sein, noch bevor er in sein Staatsamt gewählt wurde. So schildern es Aurelie von Blazekovic und Claudia Tieschky in einer mir insgesamt glaubwürdig erscheinenden Geschichte hinter den digitalen Mauern der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) in der SZ. Die Geschichte handelt von den Herren Döpfner und Merz, und was Frau Quadbeck und Herr Lamby über die beiden verbreitet haben. Ist es mehr oder weniger hohler PR-Lärm? Ist es politische Intrigen-Strategie? Und von wem?
Ich weisess doch auch nicht. Ich erinnere mich aber, dass Merzens Vorgängerin Angela Merkel eine regelrechte Freundschaft zu den Medienoligarchinnen und Multillionärinnen Friede Springer und Liz Mohn angedichtet wurde. Alle drei Damen hatten ihre Karriere unter Obhut und Schutz mächtiger Männer gestartet. Und sich über viele gewiss anstrengende Jahrzehnte davon emanzipiert. Die Gerüchte über ihre Freundschaft haben sie nie dementiert. Warum auch? Alle drei profitierten davon – im Sinne des Wortes.
Und nun die Jungs, herrjeh, wie arm.
Wer macht bei denen die was-mit-Medien-Beratung? Ich fürchte, ein aussichtsloser Job. Solche Ü70-Jungs sind wie frei flottierende Kanonenkugeln. Wer mag ihnen nun das Bein mit dieser Quadbeck/Lamby-Story gestellt und durchgestochen haben? Drei Möglichkeiten.
Das Döpfner-Umfeld? Zur Aggressivität des Herrn Döpfner täte das passen. Diskretion? Aus dem Alter ist der raus. Oder wie es Blazekovic und Tieschky ausdrücken: “Mathias Döpfner spielt in einer Kategorie, in der man nicht gefeuert werden kann.”
Das Merz-Umfeld? Das muss unterteilt werden in Feind*inn*e*n und Freund*inn*e*n – obwohl: streichen Sie das Gendern, es geht fast ausschliesslich um Männer. Merz könnte mit der Ausbreitung dieses Gerüchts die an ihm sägende Hendrik-Wüst-Strömung aus dem ihm wohlbekannten NRW binden wollen. Und/Oder Widerstand gegen die AfD in Sachsen-Anhalt an seine notleidende CDU binden wollen, zumal niemand, auch er nicht, weiss, ob SPD und Grüne überhaupt wieder in den Landtag dieses Zwergstaates kommen. Und so findet das Überschrift-Zitat den Weg zu mir: ich stimme Friedrich Merz darin zu! Jede*r Demokrat*in wird das tun. Und wer hätte von diesem Pannen-am-Fliessband-Produzenten noch so viel politische Einsicht und Klugheit erwartet?
Das Spahn? Spahn sägt. Sein Intriganz-Talent kann jede*r an seiner Nasenspitze ablesen. Seine privilegierten Beziehungen in den Springerkonzern – vor und nach Reichelt – werden so wenig dementiert, wie Merkels Frauenfreundschaften. Er ist noch nicht alt, und für die real Mächtigen im deutschen Grosskapital – insbesondere im Vergleich zu dem altersstarrsinnigen Merz – fantastisch formbar und nutzbar. Für seine Karriere nach ganz oben ist der Wicht zu allem bereit. Koalition? Egal mit wem.
Und nun?
Vor einem Jahr schrieb Raul Zelik, dem ich vor rund 20 Jahren mal bei einer Lesung hier in Bonn begegnet bin, in “Analyse und Kritik” das: “Treiber des Faschismus – Die Antifa bekämpft die extreme Rechte. Aber wie wichtig ist die überhaupt für den Prozess der Faschisierung?” Ein kritisch-konstruktiver Beitrag zur Analyse des Problems. Aus der in meiner Jugend relevanten “Marburger Schule” gibt es dieses Handwerkszeug.
Die der Linkspartei nahestehende Rosa-Luxemburg-Stiftung bietet das: Alexander Häusler, Michael Fehrenschild: “Faschismus in Geschichte und Gegenwart – Ein vergleichender Überblick zur Tauglichkeit eines umstrittenen Begriffs”.
Alles zu akademisch?
Wahrscheinlich Ja. Aber mit leerem Kopf funktioniert keine Mobilisierung. Hohler Aktionismus hilft den Falschen. Niemand hat je behauptet, dass Antifaschismus ein Kinderspiel ist. Es ist ernst. Sehr.

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