Der Herr Amthor profiliert sich nun schon seit einem Jahrzehnt als komischer Vogel. Das ist er nicht. Wie meistens in der Politik unterscheiden sich Medienperformance und die harten Interessenfakten. Katja Thorwarth/FR, eine der letzten Journalist*inn*en in dem, was früher als anspruchsvolle linksliberale Zeitung bekannt war, deutet es in dieser Meldung nur zagaft an:

Social-Media-Spaßvogel mit Lobbyismus-Skandal: Philipp Amthor wird Staatsminister von Merz – Kanzler Merz nutzt den Spahn-Rücktritt für einen Umbau im Kabinett und der CDU‑Führung. Auch Amthor soll vom Sommerkarussell profitieren.”

Ich habe daraufhin meine eigenen Texte unter dem Stichwort “Augustus Intelligence” durchsucht, und bin u.a. auf diesen 6 Jahre alten Eintrag gestossen.

Im Rückblick wird mein eigener Blick klarer. Kanzlerin Merkel kannte ihren Wahlkreisnachbarn im recht übersichtlichen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern allzu gut. Sie wusste “zuviel”. Und bekämpfte den “Spassvogel” mit allem ihr bekanntlich zur Verfügung stehenden Ernst. Der Merzfriedrich macht demonstrativ das Gegenteil. Er fördert ihn. Oder erkennt er die Gefahr, und will ihn einbinden? Der Job im Kanzleramt “Staatsminister für die Bund-Länder-Beziehungen” kann sich als ein Feuerstuhl mit unlösbaren Aufgaben erweisen, und/oder als Versuch der diversen CDU-Ebenen, die frei flottierende Kanonenkugel unter Kontrolle zu bekommen. Eine Hypothese. Genauso ist der Herr Amthor damit noch näher ins Zentrum der Regierungsmacht gerückt. Ein Vorteil? Oder Verbrennunsgefahr? Beides ist denkbar.

Amthor personifiziert die Brücke in die Zukunft der Rechten – es ist die Brücke über die “Brandmauer” hinweg zur AfD, an der mittlerweile Unzählige bauen. In der Merkel-Ära agierten sie als AI-Lobbyisten noch im Exil. Amthor wird nun auf dieser Welle surfen, bis sie ihn, so seine eigene Vorstellung, in der bewusstlosen Aufmerksamkeitsökonomie nach “ganz oben” trägt.

Seine gut bezahlte Lobbytätigkeit für “Augustus Intelligence” (die Abkürzung “AI” ist die durchdachte Parallele zur “Artificial Intelligence”, und diese wiederum deckt sich im Englischen mit der Welt der Geheimdienste) war, wie die damit verbundene “Wirecard”-Affäre, der Versuch junger, rechter, deutscher Ikarusse, beim Netzwerken mit den Grossen dieser Welt mitzuspielen. Damit werden sie nicht aufhören. Die Berührung mit realer Macht macht geil.

Der “Spassvogel” gibt ihnen ein Gesicht. Es soll lächerlich aussehen. Es ist aber nicht harmlos. Sondern exakt das Gegenteil.

Die Älteren unter uns erinnern sich an Kohl als “Birne”. So kann mann diese Burschen unterschätzen. Am Ende amüsierte das Kohl mehr als seine Kritiker*innen …

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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