Die Fifa, das ZDF und demokratische Parteien
Habe ich “die Europäer”, soweit sie in der Uefa Gestalt angenommen haben, unterschätzt? Ihr Widerstand gegen die Kommerzialisierungsstrategie des Profifussballs, wie sie die Fifa unter Infantino-Führung anstrebt, ist radikaler ausgefallen, als die meisten ihr zugetraut haben. Dietrich Schulze-Marmeling, ein seriöser Experte mit guter Fan-Bindung, gab dem heute zu nachtschlafener Zeit Ausdruck.
“Darum stellt sich die UEFA gegen FIFA-Boss Infantino – Wer soll von der Fußball-WM profitieren? FIFA-Chef Gianni Infantino möchte private Investoren ins Boot holen. Kritiker sprechen von einem Ausverkauf des Sports. Im Weltverband rumort es. Nun stellt sich auch die UEFA quer. Das steckt dahinter.” Audio 9 min.
Seine “und so weiter und so forts” liessen sich durch eine gute Rhetorikschulung, wie ich sie selbst bei Jungdemokraten und im Politik-Tutorium an der Uni Bonn einst durchgeführt habe, recht einfach abtrainieren. Aber aus dem Alter sind wir raus … 😉 Ein anderer Tipp, den ich seinerzeit meinem Chef Roland Appel gegeben hatte, war, ein 6.50 h-Interview keinesfalls live zu geben, sondern am Vorabend aufzeichnen zu lassen. Inhaltlich stimme ich ihm zu.
Der Kollege Peter Ahrens weist hinter der Spiegel-Paywall treffend darauf hin, dass sich die Uefa in ihrem Protesteifer selbst Fesseln anlegt, die sie absehbar binden könnten: “Ihre Erklärung liest sich wie ein Fan-Manifest des Fußballs. Sätze wie: »In dem Moment, in dem externe Investoren Eigentumsanteile an Fifa-Wettbewerben erwerben, verändert sich der Fußball für immer. Kommerzielle Rendite wird zu einer dauerhaften Verpflichtung. Dieses Modell hat im Weltfußball keinen Platz«, sind genau die Sätze, die Fanvertreter gewählt haben, als es vor zwei Jahren darum ging, das geplante Investorenmodell für die Bundesliga abzulehnen.”
Ahrens weist im Textverlauf richtig darauf hin, dass die deutsche DFL-Bundesliga und viele ihrer Plastikvereine im Prinzip – mit weniger Nullen in den geplanten Summen – nichts anderes tun, und summiert das in der völlig richtigen Zwischenüberschrift:
“Europas Fußball ist längst gekapert”
ZDF degeneriert zur Krawallschachtel
Die öffentlichen Medienanstalten arbeiten hart daran, dass ich und viele Andere ihre Verteidigung gegen die AfD aufgeben, wg. Sinnlosigkeit. Was die ARD in einer Blondine aufgezogen hat, probierte das ZDF gestern erneut mit einer anderen Blondine. Die Namen tun nichts zur Sache, generieren nur unverdiente Clicks. Weniger dumm als die Anstalt, die schon bei ihrer Zensur der gleichnamigen Sendung über ihre eigenen Beine gestolpert ist, ist dabei das Publikum. Von den 2,3 Mio., die sich immerhin tapfer das heute-journal zugemutet haben, flohen über 60% das rechte Agendasetting, das danach als Pausenfüller der Illner-Sommerpause auf sie herabbrennen sollte.
Der Herr Intendant Himmler ist ebenso wie sein ähnlich fürstlich bezahlter SWR-Amtskollege Gniffke der herrschenden Meinung, dass “Intendant der Bosse” für ihn die korrekte Berufsauffassung ist. Welche und wie wenige Zuschauer*innen werden den Herren dies wohl danken?
Und nun sind wir ganz unten angekommen
Bei den demokratischen Parteien im Zwergstaat Sachsen-Anhalt. Zwei von ihnen, die SPD und die Grünen, wissen nicht, fürchten aber, an der 5%-Hürde zu scheitern. Dann wäre die Bahn für die erste AfD-Landesregierung frei. Und für die Kündigung des MDR-Staatsvertrages, Signal für die spätere Zerschlagung aller anderen öffentlichen Medien, auch denen der Herren Himmler, Gniffke und Raue. First they take the media, then they take Democracy Ziel: die menschliche Apokalypse in einem grossen Fegefeuer. So sind die Rechten.
Wenn Sie nun hier die letzten zwei Infratest-Befragungen vergleichen – Insa ist dagegen das Institut, das fortgesetzt AfD-Propaganda verbreitet – dann zeigen sie mikroskopisch, dass eine klitzekleine Minderheit von Demokrat*inn*en diese Gefahr kurz vor Schluss erkannt haben könnte. Wenn SPD und Grüne sensationell doch noch reinkommen, ist die AfD-Landesregierung verhinderbar.

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