In der Infantino-Opposition wird erstmals Politikfähigkeit sichtbar – da kann die deutschgeführte EU noch was von lernen
Seit langem werden die Avancen der Uefa-Oligarchen, insbesondere wenn sie sich gegen die Korruptions-Weltmeister der Fifa richten, von den fachkundigen SZ-Mitarbeitern Thomas Kistner und Johannes Aumüller mit journalistischer Solidarität begleitet. In der SZ-Paywall machen sie die Strategie der Uefa, die es mittlerweile tatsächlich gibt, sichtbar.
Eine grundsätzliche “Reform der Fifa-Statuen, inklusive eines Rotationsmodells, bei dem es keinen festen Fifa-Präsidenten mehr gäbe, sondern sich die sechs Kontinentalchefs abwechseln. Das würde nicht nur verhindern, dass jemand eine solche Machtfülle anhäufen kann wie Infantino. Zugleich würde es die Anti-Infantino-Allianz weiter stabilisieren, weil sich mancher Kontinentalchef freuen dürfte, zumindest mal für eine kurze Zeit selbst Fifa-Präsident zu sein.”
Das klingt nach tatsächlicher Bündnispolitik, die einerseits die zentrale Machtausübung der Fifa schwächt. Und damit gleichzeitig den ökonomischen Spitzenplatz der nicht minder kapitalgierigen Uefa-Champions-League, die nicht weniger Skrupel hat, mit Trump-Buddies zu dealen, als die böse Fifa, geradezu perfekt absichert.
Ich vermute, dass die geopolitische Kompetenz Qatars, die seit langem über den Umweg Paris in die Uefa eingesickert ist, und der EU aus guten Gründen fehlt (wie auch die der Türkei), hier ihre Wirkung tut. Qatarische Hintergründe werden im Aumüller/Kistner-Text in der SZ-Paywall ausgiebig erörtert.
In einem nächsten Schritt könnte die Champions League – durchaus schrittweise und “behutsam” 😉 – für Teilnehmer anderer Kontinente geöffnet werden. Immer davon geleitet, was und wer die globale Aufmerksamkeitsökonomie am besten anfixt. Und also neue Märkte erschliesst.

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