Ab morgen auf Arte – Wundersame Bahn CCLVIII
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“Julia – Vielfach starbesetzte Literaturverfilmung von Fred Zinnemann: Autorin Lillian Hellman gerät vor dem Zweiten Weltkrieg durch ihre Jugendfreundin Julia, eine antifaschistische Widerstandskämpferin, auf eine gefährliche Mission um Devisenschmuggel in Nazi-Deutschland. – Mit drei Oscars und vielen weiteren Filmpreisen ausgezeichnetes Meisterwerk.”
Das habe ich seinerzeit (1977) im Metropol-Kino, dem neben der Essener Lichtburg schönsten Kino in ganz NRW, gesehen. Es wurde vom lokalen Immobilienkapital, das ich leider noch persönlich kennenlernen musste, vernichtet.
“Julia” hat mich für alle Zeiten geprägt. Dieses Spätwerk von Regisseur Fred Zinnemann ist eine grossartige Hommage an
– Vanessa Redgrave, eine früh bekennende Lesbe
– alle starken Frauen der politischen Weltgeschichte, und insbesondere ihren antifaschistischen Widerstand gegen das deutsche Nazi-Regime
– und den “Paris-Moskau-Express”.
Mit Letzterem bin ich – als Kurswagen – noch in den 90ern von Köln nach Berlin gefahren. Das Ticket handelten wir ohne Reservierung auf dem Bahnsteig mit dem russischen Liegewagenschaffner aus, in bar selbstverständlich. Die Bettwäsche war sauber, aber nicht wirklich getrocknet. Über Lebensmittel oder Getränke verfügte der arme Kollege nicht. In Dortmund war ein längerer Rangieraufenthalt eingeplant. Dort verliess ich den Zug, und besorgte uns an einer dem Hbf. nahen Dönerbude (das Gebäude wurde später für das “Fussballmuseum” abgerissen), die nachts geöffnet hatte, Döner, Bier und Wasser. Zurück zum Hbf. war der Kurswagen weg, nicht mehr am Bahnsteig, sondern an einem Güterzuggleis geparkt. Es gab keine Personenschäden. Ich war noch jung genug, den Wagen auch ohne Bahnsteig zu erklimmen. Verriegelt war sowieso nichts. Unvergesslich jedenfalls.
Das gleichnamige Lokal “Paris-Moskau” stand damals schon, in klassischer Berliner-Mauer-Einöde war es von überall zu sehen. Heute ist es optisch verschwunden, zugemauert von klassisch-Berliner-Investorenarchitektur, insbesondere vom Bundesinnenministerium. Solche Architektur würde ich sofort verbieten … aber ich will nicht abschweifen. Ich habe dreimal in dem Restaurant gegessen, zweimal, als der BMI-Bunker noch nicht existierte, und einmal danach. Das Essen war gut. Und der Wein auch. Sogar der aus Sachsen-Anhalt.
Den Film jedenfalls dürfen Sie nicht verpassen. Ich werde ihn mir aufzeichnen und archivieren. Wer die beiden heute 88- bzw. 89-jährigen Hauptdarstellerinnen noch nicht verehrt, wird es danach tun. Sie haben es sich mit einem gigantischen Lebenswerk verdient.

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