Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Genuss (Seite 56 von 61)

Statt extra3 und heute-show: Albert Schäffer

Gut, die CSU interessiert uns hier im Westen eher weniger, so lange sie uns nicht belästigt. Gelegentlich können wir sie aber beneiden für ihren Sinn für Theatralik, Dramaturgie, Pathos. Nur mit ihrer Selbstbesoffenheit können wir hier im Rheinland ansatzweise mithalten. Da wir hier auch immer Geschmack an inszenatorischer Kraft entwickeln, denken Sie nur an Adenauer!, halte ich eine ausdrückliche namentliche Empfehlung heute für besonders angebracht.
Albert Schäffer, einst als Landeskorrespondent hier im nordrhein-westfälischen Exil, wurde von seiner Frankfurter Arbeitgeberin (FAZ) vor einigen Jahren in die Heimat versetzt. Und mein Gefühl ist: hier ist er ganz bei sich. Er weiss alles zu entschlüsseln und uns so zu erklären, dass wir, ganz zurückhaltend formuliert, nicht gelangweilt sind. Bei ihm kann ich, obwohl das Sujet CSU dazu in der realen Welt wenig Anlass bietet, ein Amüsement nicht unterdrücken. Danke für diese Aufhellung eines grauen Tages!
Hier eine kleine Sammlung früherer Schäffer-Texte:

Bistro Mademoiselle zieht bald um, in Endenich

Was ist das Schönste an meinen regelmässigen Arbeitsamtsterminen? Neben der Tatsache des gemässigten Fahrradtrainings auf der Bergauf-Hinfahrt: dass das hier schon mehrfach gelobte Bistro Mademoiselle auf der Strecke liegt. Heute lag mein Termin so günstig, dass ich anschliessend zu einer ausgedehnten Mittagspause dort einfallen konnte.
Es gab TARTE flambèe mit geräucherter Entenbrust und eingelegten Pflaumen, von Sarah Monteiro geschmackssicher abgeschmeckt mit frischen Kräutern (u.a. Salbei, Thymian). Zum Nachtisch ein Crepe mit aus Boskop selbstgemachtem Apfelsorbet, beides allein schon ein Gedicht, bzw. zwei (zusammen 19,90). Dazu trank ich auf Empfehlung des Hauses einen “Pinotin” von Michael Fiebrich aus Mayschoss. Kompliment, muss ein starker kleiner Winzer sein.
Das Phänomen der Senora Monteiro ist ihre nie versiegende Experimentierfreude, begünstigt durch regelmässige Expeditionsreisen zu unseren französischen Nachbar*inn*en. Sie wirkt trotz des wirklich harten Geschäfts, das sie betreibt, auf glücklichste Weise inspiriert, nicht – was mir sehr angenehm ist – als Performance-Künstlerin in ihrem kleinen Lokal, das sie liebevoll-sachlich betreibt, sondern bei der Produktion dessen, was sie auf den Teller bringt. Und beim sorgfältigen Einkauf der begleitenden Getränke.
Nun hat sie sich einen Umzug vorgenommen, in ein etwas geräumigeres nahegelegenes Lokal direkt am Magdalenenplatz, vom Hbf. aus mit den Linien 606 oder 607 eine Haltestelle früher aussteigen, genau gegenüber der Sparkassenfiliale. Anfang des neuen Jahres soll es soweit sein.
Sei glücklich Endenich! Sonst hole ich sie endlich nach Beuel, wo sie fast schon einmal gelandet wäre. Sie würde gut in ein künftiges Pantheon-Viertel passen.

Laubbläser in Marl – eine Assoziationskette

Gestern war ein schöner Abend für Fans von Borussia Mönchengladbach. Unser Mannschaftskapitän Lars Stindl schoss, wie es sich dramaturgisch gehört, nur 7 Minuten nach seiner Einwechslung in der letzten Sekunde der Nachspielzeit das 2:2, nach einer Özil-Götze-Stindl-Kombination mit exzellenter künstlerischer B-Note. Stindl lieferte einen weiteren durchschlagkräftigen Beleg für seine Bewegungsintelligenz und Teamfähigkeit. Er ist zu einem wirklich grossen Spieler gereift und dürfte, Verletzungsfreiheit und das Stattfinden des Turniers vorausgesetzt, bei der WM in Moskau sicher dabei sein. Danach wird sich dann eine Käuferschlange vor dem Büro von Max Eberl bilden.
Nach dem Spiel begrüßte der ARD-Sportschauclub (“Wir sind ja hier unter uns”) Borussias Vorstandsmitglied und einstigen Wundertrainer Hans Meyer (75). Er musste keine aktuellen Geschäftsgeheimnisse ausplaudern, weil sich seine Befragung auf sein epochales Wirken in Jena/DDR konzentrierte.
Was hat das mit der Überschrift zu tun? Weiterlesen

“Pastis” – einfach gut

Meine regionalen Freund*inn*e*n wissen bereits, dass ich regelmässig freitagsmittags im Pastis esse, gelegentlich auch donnerstags. Auch mein 60. Geburtstag wurde dort zum Teil gefeiert. Das Preis-Leistungsverhältnis des Mittagsmenüs wird mir ein Rätsel bleiben, weil es aus Kund*inn*enperspektive in Bonn derzeit von niemandem übertroffen wird.
Dieses Wochenende habe ich nun ein Experiment gewagt. Während ich freitags traditionell, und exzellent gut, immer Fisch esse, habe ich mir aufgrund zahlreicher Verabredungen für Sonntag das Selberkochen geschenkt, und den Fleischgang des Mittagsmenüs zum Aufwärmen mitgenommen (9 Euro). Das “Entenkonfit mit Flageolet-Bohnen” stand zwei Tage im Kühlschrank. Dann habe ich es nicht in der Mikrowelle, sondern in der mit geschmolzener mild gesalzener Biobutter ausgelegten Pfanne heissgemacht; häufig wenden, damit das Fleisch nicht zu lange brät und zäh wird. Auf die Fleischteile kam noch eine Prise Curry (von meinem Arzt empfohlen) und einen kleinen Rest von altem Rotwein habe ich zum Ablöschen verwendet.
Ergebnis: für die 9 Euro, hätte ich so eine Delikatesse nicht selbst zubereiten können. Das ist Handwerk. Und Kunst. Dringend erhaltenswert.

Nur kurz – Welt der Weine auf ARTE

Heute bin ich zu einer Weinprobe eingeladen. Warum sind Weinliebhaber*innen so verrückt? Wein ist wohl das Getränk, das geschmacklich am meisten über seine Herkunft und seine Produktionsbedingungen erzählt. Das ist seine eigene Sprache. Sprachenlernen ist nie zuende, unendlich. Ich persönlich habe sie bisher nicht wirklich erlernt. Mir genügt es bereits, dass jeder Wein anders schmeckt, selbst jede Flasche des gleichen Weins. Die Möglichkeit der Entdeckung des Neuen sind also ebenfalls unendlich. Der Wein erzählt auf diese Weise etwas von unserer Welt.
Diesen Tatsachen widmet sich aktuell eine Sendereihe auf ARTE, eine Woche lief es schon, zwei Wochen folgen noch: Die wunderbare Welt der Weine läuft montags bis freitags täglich ab – variierend – 17.10/17.15/17.20 h. Jede Folge knappe 25 Minuten zu einer der vielen Weinregionen auf der Welt.
Von den bereits gesendeten Folgen sind mir die über die Steilterrassen am Genfer See und die über China am nachdrücklichsten in Erinnerung geblieben, weil ich darüber am wenigsten wusste.
Total ärgerlich, dass ARTE jede Folge nur eine Woche in der Mediathek bereithält. Sie haben also die Wahl: entweder täglich pünktlich Feierabend machen, oder dem Videorecorder einen täglichen Dauerauftrag geben.

Oliveto

Über viele Jahrzehnte war mein Lieblingsplatz hier in der Region auf der Insel Grafenwerth in Bad Honnef. Die absolut idyllische Lage mit direktem Blick auf den Rolandsbogen und Sonnenuntergängen über Bonn verband sich mit tadelloser Küche und einem tollen Weinangebot im Restaurantbereich. Dort habe ich unfassbar schöne Abende mit ebenso schönen Menschen verbracht. Vor einigen Jahren wurde das dauerhafte Restaurantangebot auf “on demand”, also nur noch auf Vorreservierung des ganzen Lokals umgestellt. Die Qualität war offensichtlich ganzjährig nicht wirtschaftlich aufrechtzuerhalten. Die Insel ist keine Lauf- sondern Randlage von Bad Honnef. Zuwenige fanden in kalten Jahreszeiten den Weg zu gutem Essen und Trinken. So geriet das Lokal aus meinem Blickfeld.

Seinen Platz in meinen Gewohnheiten hat die Terrasse des Bonner Hotels Königshof eingenommen. Das quaderförmige Gebäude der 60er Jahre ist keine architektonische Schönheit. Sein Inneres wurde aber, erinnernd an den Kölner Gürzenich, gestalterisch erhalten und hat heute einen originellen, fast einmaligen Charme. Von seiner Terrasse sieht man nicht den Rolandsbogen, aber das Siebengebirge, nur leider für die Sonne ist es die falsche Seite, eben kein Beuel.

Mit diesem Haus verbindet sich eine wichtige Etappe meiner politischen Biografie. Weiterlesen

Genusspolitik in unserer Region

Während ich dies schreibe, diskutiert der Deutschlandfunk “Wie rechts kann die Union noch sein?”, ein Problem, das manche Redakteur*inn*e*n dieses Senders wohl wirklich stark beschäftigt. Realoorientierter ging es gestern auf dem gleichen Sender zu, in der immer hörenswerten (und nachhörbaren) Sendung “Zwischentöne”. Dort war der Filmemacher Valentin Thurn zu Gast. Ein oder zwei seiner Filme habe ich schon gesehen, neu für mich war, dass er sich auch in einem “Ernährungsrat” der Stadt Köln engagiert.
Einerseits haben wir es in dieser Region sehr gut, was die Versorgung mit und das Angebot von ökologisch produzierten und vielfältigen, schmackhaften Lebensmitteln betrifft. Andererseits gibts auch hier um die Ecke noch die industriell orientierte Landwirtschaft, die für artenschwund und Insektensterben mitverantwortlich ist.
Ich fahre regelmässig mit dem Fahrrad von Beuel nach Porz. In Porz-Lind gibt es eine Stelle, von der aus bei klarem Wetter gleichzeitig der Dom und der Bonner Posttower zu sehen sind. So faszinierend so ein Moment ist, sagt es doch auch, dass da dem Blick keine Vegetation im Weg steht, sondern das eher Ähnlichkeit mit einer Wüste hat.
Ergänzend zu Thurns Ausführungen noch der Hinweis auf die Regionalwert AG Rheinland, die hier in der Region am gleichen Thema politisch und ökonomisch arbeitet, von der Produktion bis zum Teller.

Bourdieu / NSU-V-Mann / China / Bierwerbung

Der 2002 verstorbene Pierre Bourdieu, hierzulande kaum bekannt, ist in Frankreich ein Klassiker linker Theorie. Michael Hirsch und und Rüdiger Voigt haben ihm unter dem Titel “Symbolische Gewalt” ein Buch gewidmet, zu dem Hirsch hier ein lesenswertes PR-Interview gibt.

Thomas Moser setzt seine Aufklärungsarbeit zum NSU-Mordserienskandal fort. Heute geht es um den V-Mann (und Ex-Stasi-Mann) Thomas Starke.

Zum Volkskongress auf Oxiblog eine Zusammenfassung der volkswirtschaftlichen Kennzahlen Chinas.

Nichts nervt mich am teuren Pay-TV in meiner Fußballkneipe mehr, als dass selbst die nicht auf die nervende lautstarke TV-Werbung verzichten. Hier erklärt ein Fachmann, dass Werbung für Bier sogar für die Auftraggeber schädlich ist. Aber können die lesen?

Rechtsrheinisch flussabwärts – Köln-Mülheim

von Wolfgang Hippe
aus dem Kalender “mülheim dreimal anders

Och, wat wor dat fröher schön doch in Müllem … Klingt wie die Einladung zu einer kleinen Zeitreise. Man schlendert gemächlich die Frankfurter Straße entlang, nimmt im Japanischen Teehaus am Stadtgarten einen Tee, quert dann den Oscar-Platz Richtung Rhein, biegt auf der Suche nach der Strunde in die Bachstraße ein und findet sich auf der Freiheit wieder, die letzte der Strunder Mühlen hinter sich, das Plätschern des Baches noch im Ohr, neben sich an der Ecke das Haus »auf der Brücke«. Die große Brücke ignorieren wir jetzt einfach. Rechts erum und dann links grüßt St. Clemens, wir machen Stopp beim Kino in der Regentenstraße. Drehen uns wieder zum Rhein, irgendwo dahinten lächelt August Bebel. Davor hat sich in der Nummer 110 die Künstlergruppe »Mülheimer Freiheit« eingerichtet, den Namen kreierte der Galerist. »Es gab nie ein Manifest, wir haben uns nie als echte Gruppe verstanden, wir waren nicht die Sex Pistols der Malerei. Obwohl wir dauernd Musik gehört haben«, erinnerte sich der Maler Walter Dahn an seine Zeit als »junger Wilder«. »Wir waren einfach Leute, wo der eine diesen kannte, und der andere kannte jenen. Weiterlesen

Trittin / Kälber / Grindel

“Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber” sagt der Volksmund. Nun, was für AfD-Wähler*innen gelten mag, ist für viele Kälber eher beleidigend. Aber der Reihe nach.

Jürgen Trittin zeigte gestern im Tagesthemen-Interview klare Kante gegen AfD-Positionen der CDU/CSU. Innerparteilich macht er sich damit nicht nur Freund*inn*e*n, aber er bindet damit die noch verbliebenen Grünen-Wähler*innen, mich jedenfalls.

Kälber dagegen sind gar nicht so doof, wie uns am Ende dieses NDR-Films ein kluger Bauer erklärt. Und wussten Sie, dass die meisten Kälber unter unseren konventionellen Haltungsbedingungen Magengeschwüre kriegen? Ich auch nicht. Wollen Sie sowas essen? Ich auch nicht. Darum wird es auch lieber gar nicht erst untersucht.

Wie ein genervtes Kalb guckte DFB-Chef Reinhard Grindel (CDU), als er bei der Pressekonferenz zum Aserbaidschan-Länderspiel Stellung beziehen musste. “Politiker” sollen ihn “darauf angesprochen” haben. Ich kenne welche persönlich, die das hier gelesen haben. Noch schöner wäre, wenn das Gerede auch politische Konsequenzen bekäme. Aserbaidschan ist immer noch vorgesehener Spielort der EM 2020. Was sagt der DFB in der UEFA dazu?

Nobelpreis nicht für uns / Tschirner gegen Bodyshame

Der heute bekanntgegebene Friedensnobelpreis wird gegen den Widerstand der Bundesregierung vergeben. Hier berichtete Extradienst-Gastautor Andreas Zumach bereits zur Kampagne gegen Atomwaffen und den koalitionsintern seinerzeit unumstrittenen Widerstand der Bundesregierung.

Nora Tschirner und Pro7 machen PR füreinander, indem sie öffentlich streiten. Ich will nicht lästern, in der Sache bin ich klar auf Tschirners Seite.

SPD / Rauchende Sportler

Wolfgang Michal, der gut kennt wovon er schreibt, skizziert im Freitag die organisationspolitische Entwicklung der größten und ältesten Partei Deutschlands. Traurig, aber wahr.
Auch Albrecht von Lucke widmet sich in den Blättern der Degeneration der einstigen Volksparteien.

Wo wir den Blick schon ins gestern werfen, noch ein Hinweis zur einstigen Genusskultur des Rauchens (ich selbst habe es nie getan, und schon gar nicht genossen). Matthias Marschik und Rolf Sachsse haben sich dem Bild vom “Rauchenden Sportler” in einer kleinen Buchveröffentlichung gewidmet, schöne eindrucksvolle Bilder dabei. Und es war gar nicht so schädlich, wie die meisten von uns denken. Nikotin ist leistungssteigernd, insbesondere im heutigen athletischen Hochgeschwindigkeitsfussball. Darum wird es, wie der DLF gestern berichtete, von rund einem Viertel der Leistungssportler oral zu sich genommen. Legal, es steht nicht auf der Dopingliste.

Uganda / Israel&USA / Rastatt / Mediaplanung / Petty

“Leitmedium” Spiegel-online hat nun auch die ugandische Flüchtlingspolitik entdeckt. Ich hatte darauf – und auf die Ambivalenz der ugandischen Regierungsstrategien – bereits zu Beginn des mittlerweile vergangenen Sommers hingewiesen.

Ulrich Teusch widmet sich in seinem Blog, dessen Einträge mir als bemerkenswert gründlich und immer wieder in die Lücken der “Lückenpresse” stossend auffallen, einem Bilanzgespräch der US-Wissenschaftler John Mearsheimer und Stephen Walt zu ihrem vor gut 10 Jahren erschienen kritischen Aufsatz zur “Israel-Lobby” in den USA (hier auch eine deutsche Übersetzung). Ihr Fazit: mit dieser Regierungspolitik ist Israel als Staat gefährdet.

Zum Eisenbahndesaster bei Rastatt wurde von den Rechtsvertretern der Stuttgart21-Gegner*inne*n Strafanzeige erstattet.

Die Werbewirtschaft wird bemerkenswert destabilisiert. Die “Währungen” für ihre Mediaplanung und der Glaube an ihre Wirksamkeit und Korrektheit schmilzt noch schneller als die Auflagen von Zeitungen und Zeitschriften. Mglw. zieht sogar ein Unwetter für Facebook und Google auf – dafür müssten die Kritiker*innen allerdings an einem Strang ziehen, ich glaub’ nicht dran.

Edo Reents gelingt in der FAZ eine angemessene Würdigung des zu früh verstorbenen Musikers Tom Petty. Nun schon der dritte tote Traveling Wilbury.

Zum 50. Todestag von Woody Guthrie

von Nora Guthrie

Today, on the 50th anniversary of my father’s passing I am remembering what a young man once said about Woody. “You can listen to Woody Guthrie songs and actually learn how to live.”

That young man was Bob Dylan. Not the now world famous Bob Dylan. Not the “greatest songwriter of his generation” Bob Dylan. Not the Nobel Prize winner Bob Dylan. No. This was way before all that. This was the young man who came to our house in 1961 to find my father. This was the young man who visited him in the hospital and brought him cigarettes. And this young man learned and played all the songs my father wanted to hear- his own! And whether or not he even understood what he was saying, this young man blurted out words that have stayed with me all these years.

“You can listen to Woody Guthrie songs and actually learn how to live.”

I’ve been surrounded by my father’s songs my entire life. And today, I want to think about and remember how – specifically – how have I “learned how to live” from his songs? Most of them have messages – political, social, worldly, personal – ideas and ideals. Values. Do’s and don’ts. Warnings. Encouragements. Pleas. Confirmations. Affirmations. For the most part, even as a child, these are teachings that I take for granted without giving it a second thought. Here’s just a few… Weiterlesen

Das Schisma der Kunst

Kunst, vor allem die bildende, hat immer grössere Probleme Subjekt zu bleiben. Alle zerren an ihr, wollen mit ihr spielen oder sie instrumentalisieren. Es droht sie zu zerreissen: zwischen Oligarchen und Kuratoren, Eventisierern und Dekorierern, Mäzenen und Gebrauchswertwünschen. Wolfgang Ullrich beschrieb den Prozess heute in einem hörens- und lesenswerten Essay für den DLF.
Mich erinnerte das skurrilerweise an den Fußball, in dem sich Amateure und “Profis”, Geldwäscher oben und Sozialarbeiter unten auch nichts mehr zu sagen haben. Und so entsteht ein Spiegelbild der Gesamtgesellschaft. It’s the economy, stupid?

Update 4.10.: Einen weiteres Beispiel zum Verständnis heutiger politischer Kunst und zur Szene bei unseren Nachbarn gibt das klarsichtige Interview der französischen Schriftstellerin Virginie Despentes für die taz.

Statt im-Stau-stehen: Lesen!

9290 Staus mit einer Gesamtlänge von 9.700 km soll der ADAC am Freitagabend, dem Beginn dieses Brückentagwochenendes gemeldet haben. Bisher habe ich geglaubt, der Mensch lerne nur aus Erfahrungen. Selbst das ist in deutscher Leitkultur wohl nicht vorgesehen. Zu ihr gehört das Auto und sein in-mindestens-drei-Reihen-auf-die-Autobahn(das “Gute” von Adolf)-stellen.

Es gibt Alternativen. Z.B. zuhausebleiben, Ausschlafen, zu-Fuss-gehen (mit dem Fahrrad geraten sie genauso in den Stau, dafür gibts nur noch kein Meldesystem), aufs-Sofa-legen, besonders-bei-schlechtem-Wetter-ins-Eiscafe-setzen, ausgiebig Mittag- und Abendessen, und vor allem: viel Lesen. Es gibt mehr zu lesen, als Sie schaffen können, viel Müll dazwischen, aber auch viel Gutes. Hier aktuelle Hinweise:

Libyen: da wollen unsere Regierungen in Zukunft Migrant*inn*en in Lagern einsperren. In der taz und bei Telepolis können Sie nachlesen, wer sich dort fürs Aufpassen, Bewachen und ggfls. Umbringen bewirbt.

Es wird wenig Freude machen, aber Ignorieren ist auch keine Lösung: in Mexiko wird der “Femizid”, das massenhafte Ermorden von Frauen immer gebräuchlicher. Weiterlesen

Wahlanalyse / Nahles / Ernährung / Kritik an Haller-Studie

Seit vielen Jahren liefert Horst Kahrs, früher gemeinsam mit den thüringischen Staatskanzleichef Benjamin Hoff, für die der Linkspartei nahestehende Rosa-Luxemburg-Stiftung fundierte Wahlanalysen. Wie üblich ist die Neueste immer die Wichtigste.

Der beste denkende taz-Schreiber Stefan Reinecke widmet sich der neuen SPD-Fraktionsvorsitzenden Andrea Nahles. Ich erinnere mich an einen Pfingstfeiertag, an dem ich gemeinsam mit ihr ein Mittagsmenü im Vieux Sinzig genossen habe. Eine sehr ernsthafte und genussfreudige Persönlichkeit. Mit Reinecke bin ich der Meinung: kann nicht ganz falsch sein.

Ernährungsberatung ist die moderne Variante der Wahrsagerei. Das hat jetzt auch der Wissenschaftsteil der FAZ erkannt. Bemerkenswert: die im globalen Ernährungsdiskurs führenden USA sind ebenso führend bei den Ernährungsstörungen ihrer Bürger*innen. Ob es da einen Zusammenhang gibt? Meine Empfehlung: achten Sie darauf, was Ihnen guttut. Und essen und trinken sie das, solange es Ihnen guttut. Nehmen Sie sich Zeit dafür (nicht unter 30 Minuten! der Körper gibt erst ab der 20. Minute Rückmeldungen). Und lassen Sie dabei die Arbeit weg, auch im Kopf. Sie ist das Grösste aller Gesundheitsrisiken.

Christine Horz verfasste für den “Rat für Migration” eine Kritik der in diesem Blog auszugsweise dokumentierten Studie von Michael Haller zur Flüchtlingsberichterstattung der Leitmedien. Ihre Kritik zielt weniger auf Aspekte des journalistischen Handwerks, stärker auf das fahrlässige politische Framing. Dieser Argumentation kann ich folgen.

Riesling – bedroht von der Finanzbranche

1999 besuchte ich zusammen mit der damaligen Pressesprecherin des NRW-Umweltministerium das Slowfood-Festival in Lübeck. Neben dem Besuch des Marzipan-Herstellers Niederegger, ich bin marzipanabhängig, bleibt eine Veranstaltung mir im Sinne des Wortes am “nachhaltigsten” in Geschmackserinnerung: eine Vergleichsverkostung von Rieslingen “aus vier Jahrzehnten”. Die Probeflaschen kamen nicht aus professionellen Lagern und Vertrieben, sondern waren aus privaten Kellern gestiftet worden. Ich hatte es als interessierter Laie bis dahin nicht für möglich gehalten, dass Weissweine so lange in der Flasche geniessbar “überleben” können. Was wir dort präsentiert bekamen, übertraf nicht nur alle Erwartungen. Danach schmeckte man nichts Anderes mehr, jeder Käse versagte. Der Gaumen war den Rest des Tages belegt.

Mich lehrte dieses Erlebnis, was für ein wichtiges Kulturgut der Riesling ist. Und wie dankbar wir den nachgewachsenen Winzer*inne*n seiner diversen Anbauregionen sein müssen, die sich um seine Qualitätssteigerung, seine landschaftsgerechte und ökologische Weiterentwicklung verdient machen. Stark vereinfachend formuliert: der fortlaufende Generationenwechsel im deutschen Weinbau hat, zumindest in meiner jetzt 60-jährigen Lebenszeit, dem Riesling speziell und dem deutschen Weinbau insgesamt, sehr, sehr gut getan.

Umso mehr erfasste mich Schrecken und Entsetzen, als die FAZ heute online ihr Finanzressort (!!!) mit einer Reportage über eine Rieslingversteigerung aufmachte. Weiterlesen

Kunst in Istanbul – Einfach mal durchatmen

von Ingo Arend
Sie versuchen die Kunstfreiheit am Bosporus hochzuhalten: Über die Istanbul Biennale und die Kunstmesse Contemporary Istanbul.

Eine Zickzackform aus Stahl aus einem Sockel. In dem kleinen Maçka Sanatçılar Parkı im Istanbuler Norden stehen sonst nur bemooste Büsten von Herrschern aus der anatolischen Frühzeit, Spaziergänger ruhen sich aus, Katzen dösen. Umso verdutzter betrachteten vergangene Woche die Passanten in der kleinen Großstadtoase Tony Craggs Arbeit „Red Figure“ – eine fast futuristische Mischung aus Abstraktion und Figuration: halb Gesicht, halb Tornado.
Das „Fünfte Element“ hat die Istanbuler Kunstmesse „Contemporary Istanbul“ den harmlosen Skulpturenparcours betitelt, den sie sich für ihre 12. Ausgabe ausgedacht hat. Misst man sie an dem neuen Kunststandard am Bosporus, wurden seine neun Arbeiten plötzlich zu subversiven Objekten. Mit dem Diktum „Die Skulptur gehört nicht zu unseren nationalen Werten“ hatte Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan zum Auftakt der Istanbuler Kunstwoche dieser gefährlichen Gattung eine Absage erteilt.

Die Szene zeigt türkische Kunst zwischen Druck und Selbstbehauptung. Weiterlesen

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