Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: NRW (Seite 42 von 49)

Städtebauliche Chance – bald wieder zubetoniert?

von Andreas Falkowski

Seit einigen Jahren steht nun fest, dass der Tausendfüßler, also die Autobahn A565 mitten durch Bonn, wie viele andere Brücken in NRW auch, marode ist. Es hieß, spätestens in 10 Jahren, also im Jahr 2022, muss der Betonkolloss abgerissen und neu gebaut werden. Direkt schrien Einzelhandelsverbände und viele Andere auf, weil ihnen klar war, was das für den Verkehr in und rund um Bonn während der bevorstehenden Bauarbeiten bedeuten wird. Doch außer diesem Wehklagen war über Monate und Jahre wenig zu hören. Im laufenden Jahr 2017 wurden dann vom Straßenbetrieb Straßen.NRW insgesamt sage und schreibe 7 Varianten geprüft, kommt am Ende aber zu der glorreichen Entscheidung, dass inzwischen die restliche verbleibende Zeit bis 2022 für 5 der 7 Varianten zu kurz ist, um diese noch zu realisieren. Zwar darf die Stadt Bonn jetzt innerhalb von einem Monat vom Landesbetrieb getrieben aus diesen 2 Varianten einen Wunsch äußern, aber entschieden wird eh am Ende in Berlin beim zuständigen Baulastträger für Bundesautobahnen.

Klar, so ist die Rechtslage und so sind die Zuständigkeiten, und auch klar, Planungen für Infrastrukturmaßnahmen, gerade auch von der öffentlichen Hand, bedürfen sehr langer Zeiträume.
Aber kann und darf es wirklich sein, dass die lange Planungszeit der letzten 5 Jahre beim Straßenbetrieb Straßen.NRW und das im Jahr 2022 oder ggfs. auch schon früher drohende Schwerlastfahrverbot dafür sorgen, dass in Bonn der gleiche hässliche Betonklotz mit all seinen Trennwirkungen in etwa eins zu eins bzw. sogar deutlich breiter wieder aufgebaut wird? Weiterlesen

Privatfernsehen – bald mausetot

In den 80er Jahren verfolgte die CDU-Bundesregierung Kohl die Absicht, konservative Herrschaft in Deutschland durch die Einführung privaten Fernsehens abzusichern. Die öffentlich-rechtlichen Sender erschienen ihr rot (das war den Sozialdemokraten zugeordnet) unterwandert, vor allem NDR und WDR, die mit der Tagesschau in Hamburg und dem Hauptstadtstudio in Bonn die politische Berichterstattung dominierten. Mit seinem Grossspender Leo Kirch zog Kohl an einem Strang. Strippenziehen war sein grösstes Talent.

Nachdem anfangs die überwiegend konservativen Zeitungsverlegerfamilien das Angebot annahmen, sich an privaten TV-Sendern zu beteiligen, merkten manche schnell, andere langsam, das sie das nicht können und liessen sich wieder rauskaufen. Übrig blieben im Geschäft die Konzerne Kirch und Bertelsmann, Senderflaggschiffe Sat1 und RTL.

Bertelsmann wurde fälschlich der SPD zugeordnet, nur weil es im SPD-regierten NRW seinen Konzernsitz hatte und dort selbstverständlich gepflegte diplomatische Beziehungen unterhielt, auch zur zeitweiligen Regierungspartei Grüne. Bei einzelnen Begegnungen in Gütersloh und Köln war ich dabei. Leitendes Interesse war aber keine bestimmte Politik, sondern Geldverdienen. Weiterlesen

Die Bahn in Bonn

Als ich neu nach Bonn kam, wurde es von zwei fast gleichberechtigten Bahnlinien durchzogen, auf jeder Rheinseite eine. Vom Bahnhof Beuel gabs Züge nach Ancona, Rijeka und Barcelona, noch bis in die 90er Jahre. Das Gebäude war bis spät in die Nacht belebt von Publikumsverkehr. Wie es heute ist, muss ich hier nicht beschreiben, es dürfte selbst Auswärtigen bekannt sein. In Essen-Altenessen, Wanne-Eickel oder Mönchengladbach ist es ähnlich verlaufen. In Beuel sind wir ja jetzt schon froh, wenn es einen Fahrkartenautomaten gibt, der auch funktioniert. Und demnächst kommt die S13.

Jetzt schimpfen sie auch in Bonn. Personenverkehr wird gestrichen zugunsten des Güterverkehrs. Ach, habt Ihrs auch schon gemerkt? Das kennen wir in Beuel schon seit 30 Jahren. Die Empörung ist natürlich trotzdem berechtigt. Weiterlesen

Smartcity Gelsenkirchen-Horst

Gelsenkirchen-Horst ist nicht nur mein Geburtsort, sondern auch der von Olaf Thon, einem der grössten Fußballtalente, das der FC Schalke 04 jemals hervorgebracht hat. “Ein Horster kann kein Schalker sein” hiess es mal, vor meinem Leben. Die Begrenzung des Blicks wurde schnell erweitert. Die Rivalen von STV Horst-Emscher stiegen vom Rivalen ab zum Talentlieferanten und enden jetzt beim Jäten des Unkrauts auf ihren ehemaligen Tribünen. Das Fürstenberg-Stadion habe ich nie betreten, immerhin die Veltins-Kneipe gegenüber in der Fischerstrasse. Dort kannten sie noch alle, die mal berühmt waren. Mein Oppa hat mir immerhin noch die Kneipe von Heinz Flotho gezeigt, bei ihm zuhause aus dem Haus nicht rechts zur Trinkhalle, sondern links über die Köttelbecke. Der Gute starb 1974 mit 69 Jahren, für einen mit 100%-Staublunge damals Rekord; und er musste das Elend seines Vereins RW Essen nicht mehr miterleben.

Die bereits legendäre Schalker Jugendarbeit, die noch unter Jens Keller blühte und langjährig von Norbert Elgert verantwortet wurde, soll jetzt, vom neuen, modernen Manager Heidel globalisiert und professionalisiert werden. “27” Sportstudent*inn*en sollen die Datensätze von 27 Profiligen fortlaufend beobachten und analysieren. Und so sollen in Zukunft aus diesem viel grösseren Beobachtungs-Pool noch bessere Talente eingesammelt werden. Mag sein. Vermutlich ist kein Mensch besser datenvermessen als Fußballprofis: Weiterlesen

Oliveto

Über viele Jahrzehnte war mein Lieblingsplatz hier in der Region auf der Insel Grafenwerth in Bad Honnef. Die absolut idyllische Lage mit direktem Blick auf den Rolandsbogen und Sonnenuntergängen über Bonn verband sich mit tadelloser Küche und einem tollen Weinangebot im Restaurantbereich. Dort habe ich unfassbar schöne Abende mit ebenso schönen Menschen verbracht. Vor einigen Jahren wurde das dauerhafte Restaurantangebot auf “on demand”, also nur noch auf Vorreservierung des ganzen Lokals umgestellt. Die Qualität war offensichtlich ganzjährig nicht wirtschaftlich aufrechtzuerhalten. Die Insel ist keine Lauf- sondern Randlage von Bad Honnef. Zuwenige fanden in kalten Jahreszeiten den Weg zu gutem Essen und Trinken. So geriet das Lokal aus meinem Blickfeld.

Seinen Platz in meinen Gewohnheiten hat die Terrasse des Bonner Hotels Königshof eingenommen. Das quaderförmige Gebäude der 60er Jahre ist keine architektonische Schönheit. Sein Inneres wurde aber, erinnernd an den Kölner Gürzenich, gestalterisch erhalten und hat heute einen originellen, fast einmaligen Charme. Von seiner Terrasse sieht man nicht den Rolandsbogen, aber das Siebengebirge, nur leider für die Sonne ist es die falsche Seite, eben kein Beuel.

Mit diesem Haus verbindet sich eine wichtige Etappe meiner politischen Biografie. Weiterlesen

Dortmund / Thalia / Männer / Österreich / Trump / Barcelona / ArdZdfUefa

Was Bonn in der Südüberbauung hatte, hat Dortmund auch. Allerdings ist es dort im Ruhrgebiet, wo nördlich der Citys Leerstände herrschen, ein Wohnhaus. Und es ist auch noch nicht abgerissen.
Wenn ein Monopol erst mal errungen ist, dann ist es nur noch ein Augenzwinkern, bis es zur Mafia wird. Thalia-Buchhandlungen betrete ich grundsätzlich nicht, seit das Bonner Metropol-Kino vernichtet wurde. Für mein Verhalten gibt es weitere gute Gründe: hier im “Börsenblatt des deutschen Buchhandels”, und ein treffender Kommentar von Andreas Platthaus (FAZ).
Thomas Gesterkamp, Ex-Bonner und schon als Buchautor zur Männerpolitik verhaltensauffällig gewesen, berichtet in der taz über die Camouflage-Strategien rechter Maskulinisten auf die nicht wenige gutwillige, schlecht informierte Linksliberale hereinfallen.
Auch bei Seyran Ates, von der ich nie ein Fan war, frage ich mich, ob sie bei aller öffentlichen Lautsprecherei auch mal den Überblick über die eigenen Angelegenheiten verliert. Daniel Bax’ Text in der taz wirft im Kern aber noch mehr Fragen zum demnächst rechtsradikal regierten Zwergstaat Österreich auf. Die Alpenrepubliken waren immer schon ein Tummelplatz für Geheimdienste aus aller Welt. Was früher vielleicht mal in der Logistik hoher Berge begründet war, kann im digitalisierten Zeitalter eigentlich keine Rolle mehr spielen. Aber: “Schönes bleibt” (Zitat WDR4).
Bei Frauke Steffens (FAZ) gibts den aktuellen Überblick zu den Ermittlungen Robert Muellers im Trump-Umfeld: die Wände werden enger.
Marc-Andre Terstegen, immer Torwart meiner Lieblingsvereine, gehts in Barcelona offensichtlich gut. Würde es mir auch. Die Stadt hat ihm beim Reifen geholfen, wie er in einem WAZ-Interview näher erläutert.
Jörn Kruse (taz) rechnet vor, wie ARD und ZDF der Uefa-Mafia unser Geld millionenfach hinterherwerfen, nur damit sie es nicht mehr für gutes Fernsehen ausgeben müssen.

Pendlerprotest im Norden grüsst “Schwarze Null”

Gibt es in Schleswig-Holstein schon Oberleitungen? Als ich mir Sylt noch leisten konnte, endeten sie an der Hamburger Stadtgrenze. Heute, in der Immobilienblase kann sich kein normaler Mensch mehr Sylt leisten, aber viele müssen dort arbeiten, als Dienstleister*in für die Milliardäre und Multimillionäre (viele von letzteren aus Hamburg). Diese Dienstleister*innen müssen aus strukturschwachen, vom herrschenden Kapitalismus verlassenen Dörfern nach Sylt anreisen. Das geht nur über den “Hindenburgdamm“, mit der Bahn.

Die Bahn schafft das aber nicht. Weiterlesen

Terror Togo Trump CSU Katalonien

“… war den Behörden bekannt.” Sicher wäre es eine demagogische Zuspitzung zu behaupten, die Geheimdienste machten den Terror selbst, einfach um ihre eigene Bedeutung zu erhöhen, und um ihren Bemühungen um mehr Zuständigkeiten und Ressourcen Nachdruck zu verleihen. Obwohl: manchmal bedarf es dieser Behauptung nicht. Schon Johannes Rau wollte unmittelbar zurücktreten vom Amt des NRW-Ministerpräsidenten, als er erfuhr, dass der Kampfschulen-Leiter in Solingen, Anleiter der Attentäter auf das Haus einer türkischen Familie, als V-Mann einer seiner Angestellten war. Nun scheint es sich im Fall Amri wiederholt zu haben. Wir könnten es bei einem “Siehste!” bewenden lassen. Geheimdienste und Geheimpolizeien sind für eine Demokratie systemwidrig. So lange ihre Abschaffung nicht durchsetzbar ist, eine “Jamaica”-Koalition lässt das jedenfalls nicht erwarten, muss mindestens die Arbeit mit sog. “V-Leuten” problematisiert werden.

Von der Qualität der Afrika-Berichterstattung der taz bin ich, seit es diese Zeitung gibt, noch nie überzeugt worden. Die bessere LeMonde diplomatique erscheint aber leider nur einmal im Monat. Im Korrespondent*inn*en-Netz deutscher Medien sind die meisten afrikanischen Länder nicht vorgesehen. So muss man über politik- und inhaltsarme Berichte, wie diesen aus Togo, schon dankbar sein, dass wir überhaupt was erfahren.

Ganz anders die USA, aus denen jeder Furz seziert wird. Aber es gibt Perlen strategischer Bedeutung, wie diesen Hinweis von Frauke Steffens in der FAZ auf Stephen Bannons Feldzug in der Republikanischen Partei.

Albert Schäffer berichtet im gleichen Blatt zum aktuellen Stand der Bayrischen Erbfolgekriege.

Gestern Abend interviewte der DLF erstmals mit dem Bremer Romanisten Axel Schönberger einen Wissenschaftler, der die katalanische Position vertreten konnte. Der Interviewer des Senders flippte regelrecht aus und unterbrach ständig mitten im Satz, weil er diese Meinung anscheinend noch nie wahrgenommen hatte (Audiofassung anhören).

Hans Schäfer 90

Die Saison 1964/65 war die erste, in der ich mich für Fußball interessierte. Meine Grosseltern in Essen-Karnap hatten schon einen Fernseher, gabs damals nur in schwarz-weiss. Samstags und Sonntags war da Fußball drin, die Sportschau. Die weiss gekleideten Mannschaften sahen am besten aus, sie spielten auch am besten: Borussia Mönchengladbach in der Regionalliga West, in der seinerzeit auch Rot-Weiss Essen spielte, der Lieblingsverein meines Opas, in dem nach dem Krieg auch ein Verwandter meiner Grosseltern mit August Gottschalk, einem späteren kongenialen Partner von Helmut Rahn zusammengespielt hatte.
Ich vergab meine Sympathien den Mannschaften in weiss. Das war mein erster Kontakt zu Hans Schäfer. Er war Kapitän und Regisseur des 1. FC Köln, im reifen Alter von 37 Jahren, und in dieser, seiner letzten Saison erspielte er sich, von Verletzungen geplagt, noch einmal die Vizemeisterschaft, hinter Werder Bremen. Von dieser Saison hatte ich auch ein fast vollständiges Sammelalbum. Ich weiss nicht, wo es hingekommen ist, aber die Bilder habe ich noch im Kopf, das von Hans Schäfer kann meine Hirn-Festplatte jederzeit abrufen. Er hat noch mit dem echten hier in Bonn geborenen Toni Schumacher zusammengespielt, ebenfalls eine Legende, Weiterlesen

Rechtsrheinisch flussabwärts – Köln-Mülheim

von Wolfgang Hippe
aus dem Kalender “mülheim dreimal anders

Och, wat wor dat fröher schön doch in Müllem … Klingt wie die Einladung zu einer kleinen Zeitreise. Man schlendert gemächlich die Frankfurter Straße entlang, nimmt im Japanischen Teehaus am Stadtgarten einen Tee, quert dann den Oscar-Platz Richtung Rhein, biegt auf der Suche nach der Strunde in die Bachstraße ein und findet sich auf der Freiheit wieder, die letzte der Strunder Mühlen hinter sich, das Plätschern des Baches noch im Ohr, neben sich an der Ecke das Haus »auf der Brücke«. Die große Brücke ignorieren wir jetzt einfach. Rechts erum und dann links grüßt St. Clemens, wir machen Stopp beim Kino in der Regentenstraße. Drehen uns wieder zum Rhein, irgendwo dahinten lächelt August Bebel. Davor hat sich in der Nummer 110 die Künstlergruppe »Mülheimer Freiheit« eingerichtet, den Namen kreierte der Galerist. »Es gab nie ein Manifest, wir haben uns nie als echte Gruppe verstanden, wir waren nicht die Sex Pistols der Malerei. Obwohl wir dauernd Musik gehört haben«, erinnerte sich der Maler Walter Dahn an seine Zeit als »junger Wilder«. »Wir waren einfach Leute, wo der eine diesen kannte, und der andere kannte jenen. Weiterlesen

Macht über Europa, entschieden in: Deutschland

Die gegenwärtige, demnächst “geschäftsführende” Bundesregierung trägt einen erbarmungslosen europäischen Machtkampf in den eigenen Reihen aus, kaum noch verdeckt. Letzteres ist dem Noch-Aussenminister Gabriel zu verdanken, der sich nicht nur intern, sondern offensiv sichtbar gegen Finanzminister Schäuble positioniert. Der wiederum schnell vor Bildung einer ungewissen neuen Koalition entscheidende Pflöcke für das austeritätsfixierte deutsche Großkapital einrammen will. Aktuelle Analysen dazu von Svenja Glaser beim Oxiblog und von Steffen Vogel in den Blättern.

Ein Wetterleuchten, wie es auch hierzulande desaströs weitergehen könnte, droht heute in Österreich. Manche meinen ja, wir wären die meisten reaktionären Probleme los, wenn wir Bayern an Österreich verschenken würden. Aber wohin mit Baden-Württemberg? Wohin mit den Ossis? Müssen wir dann nicht eher NRW für unabhängig erklären? Aber wohin dann mit den Westfalen? Und ist nicht auch das Rheinland mental geteilt, durch den breiten Fluss in seiner Mitte?
Die Probleme der “andern” sind schon längst hier. Die Jungle World beschreibt z.B. die Spaltung der österreichischen Grünen durch Peter Pilz. Bei den Grünen im Rhein-Sieg-Kreis ist es längst schon ähnlich: in jedem Ort, der sich dort für eine Stadt hält, gibt es schon mindestens zwei “grüne” Grüppchen, und auch hier in Bonn gibt es in deren Ratsfraktion kaum noch ernsthafte Bemühungen den Laden zusammenzuhalten.
Die FAS berichtet heute über den Immobilienkapitalismus im idyllischen Voralpenland. Und gerade am Mittwoch sprach ich mit Freund*inn*en über das gleiche Thema hier im idyllischen Bonn. Alles schon hier, im Voralpenland von Köln, nicht mehr abspaltbar.
Der oben schon erwähnte Herr Schäuble kämpft darum, dass das nicht besser wird, sondern weitergeht. Nach einem “Monitor”-Bericht kämpft er in der EU darum, dass die deutsche Immobilienwirtschaft ein Paradies für Geldwäsche bleibt.

Dass es auch anders geht, zeigt ausgerechnet Italien. Dort, auf Sardinien, haben sie eine Villa des katarischen Präsidenten von PSG aufgrund seiner – mutmasslich – kriminellen Machenschaften in Fußballbusiness erst mal beschlagnahmt. Geht doch.

Potemkinsches Verfassungsschutzgesetz in Hessen

Die Hessische Schwarz-Grüne Koalition hat einen Gesetzentwurf zur Novellierung des Verfassungsschutzgesetzes vorgelegt, das aus politisch-liberaler Perspektive mehr als fragwürdig angesehen werden muss. Monatelang hatten sich Expertenkommissionen, denen Hertha Däubler-Gmelin (SPD) und Wolfgang Wieland (Grüne) angehörten, über die Mechanismen und Eckpunkte dieses Entwurfs verständigt. Bei den beteiligten Personen muss unterstellt werden, dass eine bürgerrechtliche Orientierung auf jeden Fall als Motivation unterstellt werden kann. Wer jedoch kritisch liest, was da nun auf “Schwarz-Grünem” Mist geachsen ist, dem muss aus liberaler Sicht das Gruseln kommen.

So bemerkenswert wie verräterisch ist bereits die in der Präambel zum Ausdruck gebrachte Absicht, den Verfassungsschutz generell neu zu justieren. Angeblich haben Terrorismus, aber vor allem die Erkenntnisse aus den NSU-Morden und deren Untersuchungen den Aussschlag für den Zuschnitt dieses Gesetzentwurfes gegeben. Den Nachweis hierfür bleibt der konkrete Entwurfstext im Einzelnen allerdings schuldig. Die ersten Paragrafen geben vor, das verfassungsrechtliche Trennungsgebot zwischen Polizei und Geheimdiensten besonders ernst zu nehmen und enger zu fassen. Allein durch die Erweiterung der Befugnisse des Verfassungsschutzes auf “Organisierte Kriminalität” umgeht der Gesetzentwurf dieses Trennungsgebot durch die Hintertür der Zuständigkeiten.

Plötzlich ist der Verfassungsschutz nicht nur für die klassische Ermittlung im Vorfeld eines Verdachts von Straftaten zuständig, Weiterlesen

Statt im-Stau-stehen: Lesen!

9290 Staus mit einer Gesamtlänge von 9.700 km soll der ADAC am Freitagabend, dem Beginn dieses Brückentagwochenendes gemeldet haben. Bisher habe ich geglaubt, der Mensch lerne nur aus Erfahrungen. Selbst das ist in deutscher Leitkultur wohl nicht vorgesehen. Zu ihr gehört das Auto und sein in-mindestens-drei-Reihen-auf-die-Autobahn(das “Gute” von Adolf)-stellen.

Es gibt Alternativen. Z.B. zuhausebleiben, Ausschlafen, zu-Fuss-gehen (mit dem Fahrrad geraten sie genauso in den Stau, dafür gibts nur noch kein Meldesystem), aufs-Sofa-legen, besonders-bei-schlechtem-Wetter-ins-Eiscafe-setzen, ausgiebig Mittag- und Abendessen, und vor allem: viel Lesen. Es gibt mehr zu lesen, als Sie schaffen können, viel Müll dazwischen, aber auch viel Gutes. Hier aktuelle Hinweise:

Libyen: da wollen unsere Regierungen in Zukunft Migrant*inn*en in Lagern einsperren. In der taz und bei Telepolis können Sie nachlesen, wer sich dort fürs Aufpassen, Bewachen und ggfls. Umbringen bewirbt.

Es wird wenig Freude machen, aber Ignorieren ist auch keine Lösung: in Mexiko wird der “Femizid”, das massenhafte Ermorden von Frauen immer gebräuchlicher. Weiterlesen

Wir hatten die Wahl

Drei Viertel des Wahlberechtigten entschieden gestern über die Zusammensetzung des Bundestages. Verlierer waren die Volksparteireste, die die letzte Bundesregierung bildeten. Sie hätten auch jetzt gemeinsam noch eine Mehrheit. Wenn sie die wieder zur Koalition verbinden würden, wäre es wohl ihre Letzte. In Deutschland verändert sch das Parteiensystem langsamer als in den meisten anderen europäischen Ländern. Nur die angloamerikanischen Systeme mit ihrem Mehrheitswahlrecht (“the winner takes it all”) tun es noch weniger – eine Scheinstabilität, wie Brexit und Trump-Wahl bewiesen. Auch bei uns verschärft sich jetzt das Veränderungstempo.

CDU/CSU
Die Performance der Bundeskanzlerin angesichts einer historisch brutalen Wahlniederlage gelang überzeugend. In der TV-Runde war sie sich nicht zu schade, anderen das Wort zu erteilen, wenn es die Moderatorenmänner überforderte. Als Einzige gelang ihr ein Blick ins Weltgeschehen, das sich um einiges gefährlicher darstellt, als unsere deutschen Kinderzimmerstreitereien. Die grösste Gefahr lauert auf sie in der eigenen Partei, von denen, die das Geschrei von rechts kopieren wollen. Die werden sich bei solchen Wahlergebnissen vermehren und an Gewicht gewinnen. Weil die Gesamtmasse der CDU/CSU schneller schmilzt als die Arktis.

SPD
In meiner alten Heimat, der Emscherzone des Ruhrgebietes lag einst der sicherste SPD-Wahlkreis der BRD. Peter Reuschenbach holte dort 69,2%, in meinem Wohnort Karnap waren es über 75%. Die CDU, seinerzeit dort eine linke Alternative, ist seitdem zwischen 15 und 20% “stabil geblieben”. Weiterlesen

Riesling – bedroht von der Finanzbranche

1999 besuchte ich zusammen mit der damaligen Pressesprecherin des NRW-Umweltministerium das Slowfood-Festival in Lübeck. Neben dem Besuch des Marzipan-Herstellers Niederegger, ich bin marzipanabhängig, bleibt eine Veranstaltung mir im Sinne des Wortes am “nachhaltigsten” in Geschmackserinnerung: eine Vergleichsverkostung von Rieslingen “aus vier Jahrzehnten”. Die Probeflaschen kamen nicht aus professionellen Lagern und Vertrieben, sondern waren aus privaten Kellern gestiftet worden. Ich hatte es als interessierter Laie bis dahin nicht für möglich gehalten, dass Weissweine so lange in der Flasche geniessbar “überleben” können. Was wir dort präsentiert bekamen, übertraf nicht nur alle Erwartungen. Danach schmeckte man nichts Anderes mehr, jeder Käse versagte. Der Gaumen war den Rest des Tages belegt.

Mich lehrte dieses Erlebnis, was für ein wichtiges Kulturgut der Riesling ist. Und wie dankbar wir den nachgewachsenen Winzer*inne*n seiner diversen Anbauregionen sein müssen, die sich um seine Qualitätssteigerung, seine landschaftsgerechte und ökologische Weiterentwicklung verdient machen. Stark vereinfachend formuliert: der fortlaufende Generationenwechsel im deutschen Weinbau hat, zumindest in meiner jetzt 60-jährigen Lebenszeit, dem Riesling speziell und dem deutschen Weinbau insgesamt, sehr, sehr gut getan.

Umso mehr erfasste mich Schrecken und Entsetzen, als die FAZ heute online ihr Finanzressort (!!!) mit einer Reportage über eine Rieslingversteigerung aufmachte. Weiterlesen

Gedanken zu Flüchtlingskrisen & Asylpolitik

von Dirk Reder

Sommer 2017. An den Rändern Europas drängen sich wieder die Flüchtlinge und wollen rein, aber im deutschen Wahlkampf spielte das Thema bis vor Kurzem fast keine Rolle. Auf dem Mittelmeer schlägt sich die italienische Marine mit Flüchtlingshelfern herum, Menschen kommen um Leben, aber hier schien das niemanden zu interessieren Solange die Flüchtlinge in Italien und Griechenland eingesperrt werden (oder im Mittelmeer ertrinken), aber nicht bis nach Deutschland kommen, scheint das Thema Flüchtlinge uninteressant zu sein.
Ein dramatischer Irrtum und eine feine Heuchelei.
Mit dem Pariser Flüchtlingsgipfel und den Wahlkampfdebatten scheint das jetzt anders zu werden. Jetzt überbieten sich alle in Vorschlägen, wie man die Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge, die Kriminellen aus Nordafrika und die abgelehnten Asylbewerber möglichst schnell wieder los wird. Aber über nachhaltige Lösungen, die man die globalen Flüchtlingsströme verhindern kann, wird kaum debattiert.

Keine Lösung – kein Wahlkampfthema

Warum ist das so? Meine These: Das peinliche berührte Schweigen rührt daher, dass keine der Parteien – vielleicht mit Ausnahme der AfD, die aber nur gerne Mauern baut – ein Rezept gegen die Flüchtlingskrise oder gar eine Lösung für die globalen Flüchtlingsströme anzubieten hat. Wer will zugeben, dass das demokratische Europa sich gerade zu Festung ausbaut? Dass es dass möglicherweise tun muss? Dass wir in Afrika oder den arabischen Bürgerkriegsstaaten nichts ausrichten? Die einzige Partei, die bei dem Thema Stimmen gewinnen kann, ist die AfD, und deshalb lässt man das Thema lieber liegen. Aber das ist keine Lösung. Das Thema drängt und muss diskutiert werden.

Ein spätes Lob der Willkommmenskultur (und ihre Grenzen)

Merkels mutige und großzügige Flüchtlingspolitik des Jahres 2015 hat meine ganze Bewunderung und meinen ganzen Beifall. Auch wenn sie möglicherweise mehr Versehen als Planung war. Weiterlesen

Amin

von Doro Paß-Weingartz

Herbst 2015 – Hunderttausende Flüchtlinge sind auf dem Weg nach Europa. Viele wollen nach Deutschland. Täglich liefern die Medien Bilder von flüchtenden Menschen – und dann die Frage: Kann das klappen? Über Angela Merkels Antwort »Wir schaffen das!« bin ich froh. Ein so reiches Land wie Deutschland kann die Tische größer machen und kann Menschen aufnehmen. Die HelferInnen bei den Registrierungsstellen zeigen mit ihren Spenden, mit ihrer Unterstützung das freundliche Deutschland, das Land, das Menschen in Not willkommen heißt.
Doch was machen wir persönlich, was könnten wir tun, um einen kleinen Beitrag in dieser Situation zu leisten? Als ehemalige Politikerin sind mir die Sorgen der Kommune im Hinblick auf die Unterbringung der vielen neuen Menschen vertraut. Ganz besonders liegen mir die unbegleiteten jungen Flüchtlinge am Herzen. Wie können sie es schaffen, nach einer fast unmenschlichen Fluchtleistung hier inmitten einer fremden Umgebung so etwas wie Heimat zu finden?

Die Gedanken

Mein Mann und ich diskutieren. Bisher haben wir unser ehemaliges Kinderzimmer im Souterrain auf einer Vermietungsplattform angeboten. Gibt es jetzt nicht andere Prioritäten? Könnten wir nicht stattdessen einen jungen Menschen aufnehmen und ihm unsere Unterstützung anbieten? Andererseits – nach drei Kindern – und in vergleichsweise hohem Lebensalter: Schaffen wir das noch? Es gibt Berichte zuhauf über traumatisierte Jugendliche, die auch für ihre Helfer und Helferinnen zur Belastung werden.
Wir sprechen mit unseren Kindern. Die sind sofort begeistert und ermutigen uns, den Versuch zu wagen.
Wir entscheiden uns, diesen Schritt zu gehen und die Herausforderung anzunehmen, von der wir noch nicht wissen, wie sie aussieht…. Weiterlesen

Grüne Ratsfraktion – “es war immer so”

Paradiesische Zustände in der Bonner Ratsfraktion der Grünen. Sie konnte es sich gestern leisten, mit 15:7 Stimmen dieses Angebot abzulehnen:

Annette Standop
Liebe Ratsfraktion,
ich bewerbe mich heute für das Amt der Fraktionssprecherin.
Wir stehen in der Mitte der Wahlperiode. Es ist Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Zeit aber auch, um nach vorne zu schauen, durchzustarten und die ersten Weichen zu stellen für das Kommunalwahljahr 2020.
Als GRÜNE haben wir in Bonn in den letzten drei Jahren politisch viel erreicht. Hier nur einige Beispiele:
 Wir GRÜNE haben in der Koalition klare Grenzen für eine städtische Beteiligung am Festspielhaus-Betrieb ausgehandelt, die dazu geführt haben, dass es nicht gebaut wurde – eines unserer zentralen Themen im vergangenen Kommunalwahlkampf.
 Das WCCB konnte durch GRÜNES Engagement fertiggestellt werden und läuft heute erfolgreicher als erwartet.
 Nach 30 Jahren Stillstand Weiterlesen

Laschet und der Medienkonzern

NRW-Ministerpräsident Laschet hat juristischen Ratschlägen – scheinbar – nachgegeben, und das Ressort Medienpolitik von seinem Minister Holthoff-Pförtner lieber gleich selbst übernommen. Doch was wird sich neben den nicht unbedeutenden formalrechtlichen Regelungen materiell-politisch ändern? Der MP hat keine Zeit, sich einzuarbeiten. Er wird also Sachkundige in Strategie- und Zweifelsfragen um Rat fragen. Ach, zufällig sitzt so einer am Kabinettstisch – kurze Wege und Verkehrsvermeidung.

Was spricht dafür, dass Laschet diese strategische Verbindung, die dem Ansehen seiner Unabhängigkeit schadet, nicht kappt? Der ehemalige WAZ-Konzern bezeichnet sich heute als “Funke-Mediengruppe“. Das Ehepaar Grotkamp, Teil des Familienzweiges Funke, hatte die Erben der sozialdemokratischen Familie Brost mittels eines umfangreichen Kredits aus dem Konzern herausgekauft. Holthoff-Pförtner ist als Adoptivsohn Teil der Familie Funke und verfügt über einen namhaften zweistelligen Prozentanteil am Gesamtkonzern. Vom Springer-Verlag kaufte die “Funke-Mediengruppe” für einen stolzen Preis einen ganzen Müllsack voll billiger, alter Druckerzeugnisse, die, wenn überhaupt nicht mehr lange rentabel sein werden. Das Grotkamp-Geschäftsmodell baut auf Synergien und harte Rationalisierungsmassnahmen. So funktionieren fast alle Verlage, die noch von Druckerzeugnissen leben. Zu Lebzeiten der Eigentümer kann das noch gutgehen. Wenn sie Ableben, ist in der Regel schnell danach Schluss.

Laschet könnte so kalkulieren: solange ich im Amt bin, ist das noch der wichtigste Medienkonzern in NRW. Meine über 70-jährigen Stammwähler*innen sind die letzten Leser*innen der billigen Blätter dieses Konzerns. Bis der zerschlagen wird, bin ich sowieso nicht mehr im Amt. Da können sich meine Nachfolger*innen dann mit rumärgern.

Medienblase

Heute mittag beim Videorecorderprogrammieren bekam ich einen kurzen Zapping-Blick in die Berliner Pressekonferenz der Bundeskanzlerin, die der “Ereignis”kanal Phönix selbstverständlich live übertrug. Frau Merkel und ihr Auftritt ist bestens bekannt, einer gleicht – absichtlich – dem andern. Schockierend war für mich der Blick in ihr Publikum, in den vollbesetzten Saal von Journalist*inn*en. Sie sahen – gefühlt – alle so gleich aus. Gut, die Geschlechterparität ist bei Journalist*unn*en, die (noch) arbeiten müssen, und nicht nur Befehle erteilen (“delegieren”), ganz gut gewährleistet. Und es werden sicher nicht nur Deutsche gewesen sein, die dort sassen. Aber soziokulturell sahen sie alle so gleich aus: Hochschulabschluss, wahrscheinlich auch die Eltern schon, nicht uniform aber einheitlich casual gekleidet, beim gleichen Friseur gewesen, gleicher Geschmack – und wie wir Leser*innen wissen: verdammt ähnliche Ansichten. Das Vorlesen der Presseschauen im Radio sollte verboten werden, die Gleichheit ist geschäftsschädigend für die zitierten Zeitungen. So wie Autofahrer*inne*n vorgehalten werden kann, dass sie nicht in einen Stau geraten, sondern selbst der Stau sind, so gilt für die meisten Medien, die über “Filterblasen” schwadronieren: selber!

Der Medienmarkt ist ein Markt, bei dem es diesbezüglich noch Gerechtigkeit gibt. Weiterlesen

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