Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Politik (Seite 112 von 445)

Reform oder Reparatur

Hilferufe als Klopfzeichen aus dem Maschinenraum der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten

Abstract: Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR) in der Kritik steht, ist nicht neu. Zu große Regierungsnähe, parteipolitische Einseitigkeiten, mangelnde Ausgewogenheit des Programms, Überbürokratisierung und selbstherrliche Führungskräfte, teilweise mit ausgeprägter Selbstbedienungsmentalität – diese Themen begleiten mich, seit ich vor 40 Jahren meinen ersten Beitrag für den WDR produzierte. (1) Doch bis zur Affäre Schlesinger galt, was Johannes Ludwig im Februar 2009 eine ehemalige Führungskraft des Öffentlich-Rechtlichen sagen ließ: »Das wird an denen abprallen«. Und: »Die Öffentlich-Rechtlichen glauben es sich leisten zu können.« (Ludwig 2009: 6) Die Causa Schlesinger hat für Erschütterungen gesorgt, die an den öffentlich-rechtlichen Hierarch*innen nicht einfach mehr so abprallten. Weiterlesen

Gegen Götzenverehrung

In staatsaktähnlicher Weise soll heute der verstorbene Steuervermeider Franz Beckenbauer verehrt werden. Das öffentliche TV überträgt live. Und sofern Schnee und Eis es nicht vermeiden, wird auch der kommende Bundesligaspieltag davon geprägt – jedenfalls, wenn es nach denen geht, die für die Inszenierung verantwortlich sind. Immerhin gibt und gab es abweichende Stimmen. Weiterlesen

Wer hängt hier wen ab?

Wundersame Bahn CLXXXII und Bonn

Im Generalanzeiger ist ein Kommentar erschienen, den ich aufgrund der fabulösen Paywall und des Ausfalls meines Paywallbohrers nicht in seiner vollständigen Differenziertheit zur Kenntnis nehmen kann. Der Teaser – nicht zwangsläufig von der Autorin selbst formuliert – lautet so: “Kommentar zur Bahn-Infrastruktur: Bonn als abgehängte Stadt – Bonn · Der Beueler Bahnhof ist schon für den Nahverkehr unzumutbar, aber erst recht für Fernreisende, die eher ein Gepäckstück mehr dabeihaben. Bonn präsentiert sich Bahnreisenden als abgehängte Stadt, findet unsere Autorin.” Das ist zugleich richtig und falsch. Weiterlesen

Spin-Doktor*inn*en-Alarm!

Noch ein Eigentor der “Ampel”: die Bildsprache

Ist das Frauenwahlrecht bald wieder abgeschafft? Noch nicht einmal die AfD fordert das, jedenfalls nicht offen. Was denken sich also die Spindoktoren (Frauen können nicht mitgemeint sein) der Bundesregierung, bzw. die der sie tragenden Parteien, bei den immer häufiger eingesetzten Dreier-Fotos (Beispielbild) der schwarz gewandeten Herren Scholz, Habeck und Lindner? Viele dieser Fotos mögen von den Agenturen aus dem Archiv ausgegraben sein. Auf aktuelleren ist gut zu erkennen, dass vor allem der Habeck sichtbar altert. Schade für seine weiblichen Fans, aber ehrlich. Also typisch “Habecksche Kommunikationskunst”? Weiterlesen

FAZ-Medienkritik – und anderswo

Was ist wichtiger als Messi?

Sach- und Fachkunde an (von mir) unerwarteter Stelle, nicht nur über Fussball, sondern auch über Medienökonomie, freut mich immer besonders. Christopher Meltzer/FAZ: Weltfussballer der Fifa: Warum die Messi-Wahl kein Aufreger ist – Ist die nächste FIFA-Auszeichnung für den Argentinier ein Grund zur Empörung? Im Gegenteil: Das ist moderner Fußball.” (mit Safari vermauert, mit Firefox paywallfrei). Gibt es nichts Wichtigeres? Doch. Weiterlesen

Wie Michael Meyen seine Uni verlor

Eine „Politisierung der Forschung“? – In seinem neu erschienenen Buch bilanziert Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen das System der Wissenschaft. Unser Autor hat eine ganz eigene Meinung zu dem Buch.

„Das Land steht still. Innovation findet andernorts statt. Fortschritt auch. Dafür gibt es viele Gründe. Einer davon: die Wissenschaft. Das ist ein Apparat, eine Behörde, eine Anstalt. Unterworfen der Politik, beherrscht von den Unternehmen, Stiftungen, Parteien. Nur eine hat dort nichts zu suchen: die Freiheit der Forschung“ – konstatiert der Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen in seinem neuen Buch. Weiterlesen

Daily Good News

Obwohl in Beuel wieder klassisches Depressionswetter ist, startete ich in den Montag (!) wie auf Drogen. Das muss am gestrigen Fussball gelegen haben (+ einer sizilianischen Involtino, die in meinem Kühlschrank aufs heissmachen wartet): die zweitschlechteste Abwehr der ersten Liga leistete über zwei Halbzeiten engagierte und erfolgreiche Arbeit, 3:1 gegen einen VFB Stuttgart, der schon stärkere Gegner mit ansehnlichem Fussball an die Wand gespielt hat – Borussia-Fans wissen, was ich meine. Der von deutschen Medien ignorierte Africa-Cup bietet weitere Sensationen. Deutsches Fernsehen bietet lediglich schöne Stimmungsbilder von den ivorischen Strassen und Plätzen, sowie dürren Datenjournalismus. Weiterlesen

Märchenonkel unter sich

Angeblich trifft sich in diesen Tagen in Davos nicht nur wieder die Crème de la Crème kapitalistischer Gierschlünde und ihrer Hofnarren, sondern auch der ukrainische Präsident Selenskyj wird als möglicher Gast vermutet. Aus Sicherheitsgründen natürlich zu einem nicht benannten Termin vermutlich am Dienstag. Er soll ein Verhandlungspapier entworfen haben und will seine Punkte beschließen oder unterstützen lassen. Weiterlesen

Wie Geschichte lebendig bleibt

Südafrika, Israel, Deutschland und Namibia – wie Geschichte lebendig bleibt – Zur Diskussion um die südafrikanische Klage

In den Kommentaren zu einem Video, in dem die südafrikanische Anklage gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag diskutiert wurde, stand die Bemerkung, das Problem der US-Außenpolitik sei, dass die Amerikaner dächten, dass alles, was geschehe, nur ein Hollywood-Film sei. Wenn das stimmen würde, sind wir seit mehr als 100 Tagen mit der Snuff-Variante eines Films konfrontiert, die sich über das Internet in Echtzeit verbreitet: Mord, Tod und Zerstörung, Tränen, endloses Leid. Die Zahlen, die offiziell herausgegeben werden, werden dem Grauen nicht gerecht. Weiterlesen

Freie Fahrt für E-Fahrzeuge?

Wer in der vergangenen Woche die Nachrichtengebeung nur oberflächlich vorbeirauschen liess, konnte den Eindruck gewinnen, die Bundesregierung wolle für die Monsterlimousinen von Tesla die Lieferketten freischiessen. Mehrheitsaktionär soll ja schliesslich der angeblich reichste Mann der Welt sein. Das ist natürlich grob vereinfachend, und hielte einer vertiefenden materialistischen Analyse gar nicht stand. Aber die ist ja sowieso aus der Mode gekommen, und frau*mann hat heutzutage alle Mühe den Neoliberalismus ideologisch zu beerdigen. Aber ich schweife ab … Weiterlesen

Wohltuend informativ

Katajun Amirpur im FR-Interview

Hinten im Feuilleton vergraben erscheint bei der FR ein hochpolitisches Interview mit der Kölner Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur. Michael Hesse hat es mit ihr geführt: ‘Der Wille zum Umsturz ist ungebrochen’ – Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur über die Sorge des Iran, in einen Krieg mit Israel und den USA hineingezogen zu werden, die Lebendigkeit der Protestbewegung der Frauen und die Rolle der Minderheiten.” Da ist alles ausgeleuchtet, was Sie zu dem Kriegsabenteuer, dem die Bundesregierung so gerne beitreten möchte, wissen müssen. Weiterlesen

Feministisch dekonstruiert

Charlotte Mullins’ beeindruckend leicht erzählte Geschichte der Kunst räumt auf mit der Männerzentriertheit der Kunst

Eine Kunstschule für Frauen. Weil es in ihrer Heimat keine Ausbildung für Künstlerinnen gab, griff Elisabetta Sirani 1660 in Bologna zur Selbsthilfe. Die Malerin, 1638 geboren, starb mit 27 Jahren und hinterließ über 200 Gemälde. In kunsthistorischen Lehrbüchern muss man lange nach der Künstlerin suchen, die gern weibliche Helden aus Antike und Bibel als Motiv wählte. Im 17. Jahrhundert überstrahlt das Licht Guido Reni alles und alle. Bezeichnenderweise liegt Sirani heute in dem Grab ihres Bologneser Zeitgenossen. Weiterlesen

Die Kranzabwerfer

Medien haben kein Thermostat. Wenn einmal eins heissläuft, haben die Anderen Angst zu spät zu kommen, und rennen der Hitze hinterher. So entstehen Hitzewellen, die das Publikum in den Überdruss treiben. Früher gab es mal Chefredaktionen und Ressortleitungen, die sich ums Temperieren kümmerten. Aber solche Medienherren (kaum Frauen mitgemeint) haben heute keine Zeit mehr für ihre Arbeit. Die durchs Dorf getriebene Sau ist dieses Mal schon tot. Der sog. “Kaiser” Franz Beckenbauer starb ausgerechnet in der knapp bemessenen Fussball-Winterpause, so dass sich wirklich kein einziges Medium mehr einkriegt. Ich habe noch keinen “Nachruf” gefunden, dem ich folgen kann. Aber ich muss auch zugeben, dass ich die meisten gar nicht erst mit der Kneifzange anfasse. Weiterlesen

Neue Gentechnik

Wenn Wissenschaft auf EU-Kommission und Interessen trifft
I.

Am 11. Dezember ist die EU-Kommission im Agrarministerrat mit ihrem Vorschlag gescheitert, den grössten Teil neuer gentechnischer Verfahren so zu behandeln, als handle es sich bei den dadurch entstehenden Pflanzen um das Ergebnis natürlicher Auslese oder konventioneller Züchtung. Diese Pflanzen sollen in Zukunft ohne Prüfung und Zulassung, ohne Kontrolle und Kennzeichnung überall angebaut werden dürfen. Weiterlesen

Wer bestimmt die Themen?

Fabian Sänger/Jungle World schreibt: Storytelling, Kommunikationsstrategie, Framing, Manipulation – im Zeitalter der postfaktischen Politik ist alles möglich: Manipulieren will gelernt sein – Jeder kann heute Unterricht in Manipulation nehmen. Das Angebot an Framing-Seminaren boomt, gerade in der NGO-Szene. Die Affirmation postfaktischer Politik ist gesellschaftsfähig.” So erfahre ich endlich, was die Hauptstadtblase den ganzen Tag macht. Aber warum sitzen die da den ganzen Tag drin und rum – und lernen nichts? Weiterlesen

Krampf und Kampf

Am Druck, Israel möge sich mäßigen in seiner Kriegsführung, ist Deutschland wenig beteiligt. Nach 90 grauenvollen Tagen bleibt ein Gefühl der Mitschuld

Eine dreiköpfige palästinensische Familie, zur Kundgebung angereist mit sorgfältig gebastelten Schildern, die Parolen brav („Auch ein Krieg hat Regeln“) und in Klarsichthüllen drapiert. Vater, Mutter, Sohn. Darf ich sie fotografieren? Ja, sagt der Vater, nein, sagt die Mutter. Sie sorgt sich um die Sicherheit der Familie, ihre Sorge setzt sich durch. Ich mache ein Bild ohne Gesichter. Die Szene begleitet mich seitdem, und eine leichte Beschämung. Weiterlesen

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 Beueler-Extradienst | Impressum | Datenschutz

Theme von Anders NorénHoch ↑