Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Italien (Seite 18 von 20)

Trumps Lüge “America first” treibt EU/Merkel in die Defensive

Wie ärmlich sich die deutschen “Qualitäts-” und “Leitmedien” darstellen und selbst verstehen, haben sie gestern und heute erneut bewiesen: von der “BILD-Zeitung” liessen sie sich die Agenda diktieren und am Nasenring durch die Manege ziehen. Die Frage, was der zukünftige US-Präsident vorhat, ist natürlich relevant. Die Antwort hätten sie gestern billiger haben können. Gabriel Simon hat sie auf Telepolis beantwortet.
“America first” wird sich als Lüge erweisen. Trump symbolisiert den Abstieg der USA als Weltmacht. Das irritiert ihre engsten Bündnispartner in Europa schon lange. Diese Irritation nimmt zu. Geländegewinne im Welthandelskrieg gibt es für die Schwellenländer, Simon nennt namentlich die “BRICs” Brasilien, Russland, Indien, China, die einen Plan haben und ihn verhältnismässig stringent verfolgen.
Wer das genauer erklärt haben will, sollte sich das aktuelle Geschehen im globalen Fußballbusiness näher anschauen, Gunter Gebauer (FAZ) und Jens Weinreich (Sp-on) liefern dafür Hinweise.
Jetzt rächt sich die Ökonomie-Diktatur, die Wolfgang Schäuble in der EU errichtet hat, Weiterlesen

China

Birgit Schönau ist eine Italien-Korrespondentin, von der ich mir wünschen würde, dass mehr Politikredaktionen als nur das Studienräteblatt Die Zeit sie mit Schreibaufträgen eindecken. Weil sie schon so lange dort lebt, sich als Deutsche in Italien gut integriert hat, gelingen ihr die am wenigsten oberflächlichen Reportagen und Analysen. Seit dem Tod von Werner Raith ist sie die beste deutsche Korrespondentin im südlichsten Stadtteil von Köln. Aktuell gelingt ihr mit einer Bestandsaufnahme des italienischen Vereinsfussballs gleichzeitig eine geopolitische ökonomische Analyse, wie das chinesische Businesskapital sich Eingang in mittel- und vielleicht auch langfristig Sonderrenditen versprechende kapitalistische Branchen verschafft. Und wie unideologisch und wenig zimperlich es dabei zugeht. Ökonomisch klug von der chinesischen Seite ist, dass sie sich als Zielgebiet Bereiche mit günstigen Einkaufspreisen ausgesucht hat, nämlich die sportlich seit einiger Zeit heruntergewirtschafteten aber über eine große globale Anhängerschaft verfügenden Mailänder Klubs, und nicht die überhitzte Premier League oder die Bundesliga. In Spanien sind nicht die überteuerten Aushängeschilder Real oder Barca das Ziel, sondern Atletico; in Frankreich ist man am Überraschungsspitzenreiter Nizza beteiligt und dreht den arabischen (PSG) und russischen (Monaco) Investoren von oben eine lange Nase.

Der Trick der chinesischen Okonomie-Strategen ist, dass sie als angebliche “Kommunisten” am wenigsten ideologisch vernagelt sind, Weiterlesen

Addis Abeba / Italien / Klimaflucht / NSU

Die heutigen empfehlenswerte Texte finden sich in nur zwei Medien: Jungle World und Telepolis.
Erstere bietet eine informative Reportage über der politischen Lage in Äthiopien und speziell im boomenden Addis Abeba. Geradezu avantgardistisch mutet dabei der Mangel an Demokratie an.
Telepolis bietet u.a.: Bankenkrise in Italien eskaliert; Klimaflucht vor allem aus Afrika wird stark zunehmen, danke auch an uns Verursacher*innen; die preiswürdige NSU-Serie widmet sich heute dem Zschäpe-Prozess in München.

“Abendland, christliches”!

Hör’ Dir mal selbst zu!
Heute Abend, glaubst Du, sei Dein höchster Feiertag.
Deine Religion sagt Dir zwar, das sei Ostern, aber das kannst Du mit Dir selbst ausmachen.
Ich hörte von Dir heute als Erstes das hier.
Und dann das hier.
Du bist erleichtert?
Weil die Italiener mit dem Verdächtigen das gemacht haben, wie vor rund 2000 Jahren die Römer angeblich mit Deinem “Jesus”, nur ohne Beweiserhebung und Prozess?
Du irrst Dich, der Moment der höchsten Gefahr kommt erst noch, heute.
Du versammelst Dich heute in Deinen Familien.
Dort wo die meisten Gewalttaten stattfinden, die meisten Opfer zu beklagen sind.
Du fährst nachhause, dort wo die meisten Unfälle passieren, die meisten Verletzten anfallen.
Dort und in den Versammlungsräumen, die Du heute und morgen aufsuchst, die mit den Türmen, die früher mal als “hoch” galten, lässt Du Dir wie jedes Jahr eine Geschichte erzählen aus einer Zeit, als es schon aus technischen Gründen noch keine Lügenpresse geben konnte, die meisten Menschen konnten gar nicht lesen und schreiben.
Heute denkst Du, lebst Du in der besten aller Welten, Du bist so davon überzeugt, dass Du glaubst, “alle” wollten zu Dir kommen, und das ginge aber leider ganz und gar nicht. Dabei schlägst Du Dir ordentlich den Bauch voll und konsumierst nicht wenig bewusstseinstrübende Drogen, von denen Du sonst behauptest, das sei Sünde und ungesund. Derweil beauftragst Du Deine “Sicherheits”-Behörden, möglichst viele andersartige Menschen von Dir fernzuhalten. In dem Moment, in dem Du Dich selbst in größte Gefahr begibst, glaubst Du, das sei die Gefahr. Du musst besoffen sein. So wird das nichts mit Deiner Weltherrschaft (“Mission”, “Responsibility to protect”, “Verhinderung humanitärer Katastrophe”, “Regime Change”, und was Du sonst an Namen dafür hast).
Vor 71-77 Jahren hättest Du unserem Planeten fast den Garaus gemacht, mit dem Segen Deiner Kirchen.
Unsere Eltern, Großeltern, Urgroßeltern besannen sich noch das eine Mal eines Besseren, viele von ihnen sind uns leider schon weggestorben.
Hierzulande schrieben sie die Lehren, die sie aus diesem Moment tatsächlich allerhöchster Gefahr zogen, in einen Text namens Grundgesetz. Wenn Du heute zusammenkommst, lies’ Dir das noch mal genau durch. Für den Anfang sollen die ersten 19 Artikel genügen; doch, vieles ist von damals noch übrig geblieben. Du wirst aufregende Entdeckungen machen.

Wenn Ihnen dieser Text zu kurz und unlustig ist, versuchen Sie es bei Georg Seesslen.

Verdächtiger erschossen – in Italien

Es fällt schwer, sachlich zu bleiben, wenn man sich wie ich diese Woche dem Trommelfeuer des Deutschlandfunks ausgesetzt hat. Zu Beginn der Woche ergab sich die paradoxe Situation, dass der Interviewte Bosbach (!) seinen Befrager zur Mässigung seiner Spekulationen aufforderte. Statt investigativer, kritischer Befragung muss man bei jedem Äußerungsversuch kompletter Gedanken stammtischartige Unterbrechungen a la “wie ist es denn möglich, dass ….” anhören. Wenn Journalist*inn*en am Mikrofon einen Ton anschlagen, den sie an Stammtischen vermuten, dann sind sie wirklich ganz unten angekommen.

Also: der Tatverdächtige des Berliner LKW-Attentats ist von der italienischen Polizei bei einer “zufälligen” Verkehrskontrolle erschossen worden, nachdem er eine Waffe gezogen haben soll.
Die Merkwürdigkeiten dieses Falls sind so umfangreich, dass sie hier nicht referiert werden können. Heribert Prantl ist es in sachlicher und kompakter Form besser gelungen, als ich es jemals könnte.

Ich möchte nur auf das zufällige zeitliche Zusammentreffen mit einem anderen gewichtigen Vorgang hinweisen, der die deutsch-italienischen Beziehungen der nächsten Wochen stark prägen wird, und bei dem die eine der anderen Seite so manchen Gefallen schuldig sein wird: dazu hier ein knackkurzer taz-Kommentar und eine ebenso kurze Darstellung der FR.

Immer irrer? – Die außenpolitischen Blindflüge der Regierung Merkel

Was macht eigentlich der Außenminister? Bei Westerwelle schien diese frage sehr oft berechtigt zu sein. Obwohl – im nachhinein betrachtet – sein Ausscheren bei der Libyen-Intervention sich als außergewöhnlich weise erwiesen hat. Heute ist Außenminister Steinmeier wieder regelmässig in der Tagesschau vertreten und veröffentlicht, neudeutsch “branded”, seine Nachdenklichkeit. Seine Wahl zum Bundespräsidenten ist so gut wie sicher. Vermutlich wird das Amt für ihn persönlich ruhiger als sein jetziges. Denn so viel Brände kann kein einzelner Minister löschen, wie die von ihm mitgetragene Regierung mitverursacht.

Die Trump-Wahl hat in den europäischen Hauptstädten, vor allem in der 80 km vor Polen, offensichtlich komplette Desorientierung hervorgerufen. Die von der Hauptstadt angefütterten Leitmedien verbreiten bereits Einkreisungsängste: wir armen Wichte, zermahlen zwischen Amis und Russen, zwischen Trump und Putin. Weiterlesen

Todenhöfer beim Freitag – “ein Fuchs im Stall”?

In den 70er Jahren war es eine revolutionäre Tat meiner Schülervertretung, für unsere damalige selbstverwaltete Schülerbibliothek die Deutsche Volkszeitung zu abonnieren und auszulegen, die westdeutsche Vorläuferin des späteren Freitag. Wenn uns damals jemand vorausgesagt hätte, diese Zeitung werde dereinst vom entwicklungspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Jürgen Todenhöfer (damaliger Jargon: “Hodentöter”) herausgegeben, wir hätten ihn sehr für seinen Geisteszustand bedauert. Nunja, der damalige Volksverhetzer Heiner Geißler ist ja auch attac-Mitglied geworden. Und der damalige Kämpfer gegen “Sekundärtugenden” mit denen man ein KZ betreiben könne, hat später geholfen, das Grundrecht auf Asyl zu schlachten. Und frühere Apo-Aktivisten kämpfen heute gegen Russland. Die Zeiten ändern sich, wir wissen und erfahren immer mehr; und das ist sehr unübersichtlich und in Schubladen nicht zu sortieren.

In den Nuller-Jahren habe ich die damaligen Freitag-Verleger*innen beraten, wie sie ihren damaligen Herausgeber*innen*kreis aktualisieren könnten, einige sehr wertvolle, Günter Gaus und Wolfgang Ullmann waren verstorben. Ihr größeres Problem, das ich selbstverständlich nicht lösen konnte, Weiterlesen

Italien: Personalisierung als Populismusturbo

von Andrea Arcais

Ja, ich habe schon vor einer Woche per Briefwahl abgestimmt. Und zwar mit grosser Überzeugung: Ja.

Die Berichterstattungen in den deutschen linken und semi-linken Medien lassen ja den Eindruck entstehen, als ob hier ein kalter Putsch vorbereitet würde. Eine Einschätzung, die weiter nicht von der Realität entfernt sein könnte.
Das italienische Zwei-Kammer-System mit identischen Rechten ist gerade von der italienischen Linken seit den 1950er Jahren als zu reformieren und in seiner Funktion als abzuschaffen angegriffen worden.

Die heutigen Nein-Kampagnen-Teilnehmer, zumal Diejenigen aus der PD-Minderheit, haben im Parlament noch für die Reform gestimmt, um nun, da sie die Chance sehen, Renzi durch eine Niederlage stürzen zu können, die Herankunft einer neuerlichen Diktatur an die Wand zu malen.

Was sich hier leider erneut zeigt, ist das Grundübel der italienischen Linken: Ihr offensichtlich nicht zu überwindendes Sektierertum. Weiterlesen

“Überraschende Wahlergebnisse”? – It’s The Economy, Stupid!

Vielen Menschen geht es schlechter, nicht besser. Aus dieser Erkenntnis lässt sich nicht ableiten, dass so jemand ein Recht auf Arschlochsein hat. Arschlochsein bedeutet nicht automatisch, dass so jemand auch doof ist. Möglicherweise bekommt das Arschloch schlicht kein realistisches Angebot zum Anderssein.
Bei Telepolis beschreibt der Wissenschaftler Oliver Nachtwey, wem und warum es in den letzten Jahren schlechter ging. Es war eine rotgrüne Bundesregierung, die diesen Prozess eingeleitet hat. Zwar ist die Linkspartei wesentlich daraus entstanden. Sie hat aber im größeren Westen Deutschlands nie ein Angebot machen wollen, an der Situation politisch etwas zu ändern, sondern war mit dem “Siehste!”-Sagen so zufrieden, dass jetzt alle, “Rote”, Rote und Grüne zum Mobilisieren kaum fähig sind.
Clinton, Hollande und Renzi haben nichts daraus gelernt, sondern sind geraden Blicks in die gleiche Falle gelaufen. Wenn es nicht Dummheit gewesen sein sollte, dann müssen es andere Prioritäten gewesen sein. Nur welche bloss?
Unseren deutschen Bankenretter*inne*n mag das alles recht sein; Schäuble würde ich das unterstellen. Die Bundeskanzlerin schürt dagegen wahlstrategisch den Verdacht, dass es ihr schon ein bisschen mulmig wird; so hält sie sich alle Bündnisoptionen offen.
In Österreich und Italien könnte es morgen einen erwartet “unerwarteten” Verlauf nehmen. In Frankreich gibt es immerhin eine Alternative zum Arschlochsein. Was sie dort so wenig hinbekommen, wie derzeit hierzulande, ist eine mobilisierungsfähige Bündnisalternative mit Wahlsiegaussichten.

Österreich & Italien: der letzte Countdown der EU

Österreich wiederholt seine Präsidentschaftswahl, weil sie, anders als in den USA “falsch” ausgegangen war. Josef Hader sagt dazu im SZ-Interview, mit einer bemerkenswerten Kühle, im Innersten dürfte es etwas anders aussehen, was dazu zu sagen ist.

In Italien ist gleichzeitig ein Referendum, das Regierungschef Renzi mit einer strategischen Intelligenz, wie man sie sonst nur von deutschen Sozialdemokraten kennt, zu einer Abstimmung über sich selbst gemacht hat. Deutsche Hochnäsigkeit gegenüber Italien ist aber absolut unangebracht, wie die von Thomas Fricke genannten ökonomischen Zahlen ganz faktisch beweisen.

Sanders&Lee / Israel / Syrien / BuPrä / Podemos / Italien

Bernie Sanders und Spike Lee diskutierten für den Guardian das US-Wahlergebnis. (Freitag)
Knut Mellenthin (JW) berichtet über eine Korruptionsaffäre in Israels Regierung, hinter der – wenig überraschend – die RüstungsspARTE von Thyssen-Krupp und unsere eigene Bundesregierung stecken.
Michael Lüders beschrieb heute morgen im DLF-Interview die ausweglose strategische Situation in und um Syrien. Wie die Fluchtsituation die Lebenslage syrischer Frauen verändert, hat eine von ihnen selbst untersucht. (Freitag)
Bundespräsidentenkandidat Butterwegge veröffentlicht seine Agenda. (Freitag)
Ebendort eine Bestandsaufnahme der Strategiediskussion bei Podemos in Spanien, die hier schon ausführlich beschrieben wurde. (Freitag)
Wie Alte, Eltern, Lehrer*innen und besserwissende Kulturkrtiker*innen nicht nur den Lernfortschritt ihrer Kinder, vergeblich, zu bremsen versuchen, sondern auch den technisch-industriellen Fortschritt unserer Ökonomie, steht nicht im Handelsblatt, sondern auch im Freitag.
Petra Reski, die durchaus auch schon mal über das eine oder andere Ziel hinausschiesst, schimpft über die verzeifelte Lage vor dem vermaledeiten Renzi-inspirierten Verfassungsreferendum in Italien. Nach Auskunft meiner italienischen Freunde verniedlicht Reski die Gefahr, die von der “5-Sterne-Bewegung” ausgeht, in allen anderen Punkten hat sie glaube ich leider ziemlich recht.

Mehr Zusammenhalt wagen

von Jürgen Trittin

Als Antwort auf den Trumpismus brauchen wir einen neuen Gesellschaftsvertrag für Europa. Er soll die Teilhabe für alle organisieren.

Nach diesem Sonntag könnte der neue österreichische Bundespräsident ein Rechtspopulist sein. Es wäre der zweite Sieg für den Rechtspopulismus in drei Wochen. Bereits bei den Präsidentschaftswahlen in den USA war eingetreten, was wir alle nicht wahrhaben wollten. Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Verlogenheit haben zu einer Mehrheit der Wahlmänner und -frauen für Donald Trump geführt.
Wir wollten es nicht wahrhaben. Jetzt müssen wir uns vor Überheblichkeit hüten. Denn wir haben etwas unterschätzt: das Ausmaß der Wut und der Verbitterung in unseren Gesellschaften.

Trumps Sieg offenbart: Es gibt diese große Wut über das gebrochene politische Versprechen der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Teilhabe an der Gesellschaft. In den USA hieß das Versprechen: amerikanischer Traum, bei uns: soziale Marktwirtschaft. Weiterlesen

Einst: “Der Westen” – und jetzt? (Lehren aus Trump X)

Frank Stauss, ehemaliger Kampagnenberater der SPD, der diese Aufgabe öffentlichkeitswirksam beendete, analysiert auf Carta heute noch einmal die US-Präsidentschaftswahl und räumt dabei die meisten Märchen, die durch unsere Medienlandschaft geistern, konsequent ab. Solche Klarsichtigkeit ist selten geworden. Update: einen Tag später beschreibt Reinhard Wustlich in der FR die Abwrackung des “Rostgürtels”, und wie es Trump gelingen konnte, die entsprechenden Bundesstaaten zu swingen.
Ungemütlich wird es jedoch spätestens, wenn über die Konsequenzen für unser eigenes Tun nachgedacht und diskutiert wird. Dieser Aufgabe hat sich Albrecht v. Lucke, Redakteur der “Blätter” mal wieder unterzogen. Aus seiner und auch der Darstellung von Franz Sommerfeld (auch auf Carta) wird deutlich, dass “der Westen” sich auflöst. In Osteuropa ist er nie angekommen, in Frankreich, Österreich, Britannien, Italien, Niederlanden kommen die Trump-Geschwister im Geiste demnächst an die Regierungsmacht, unbeachtet sind sie es auch schon im künstlich sozial verherrlichten Skandinavien (in Dänemark, Norwegen und Finnland in der Regierung, in Schweden auf dem Vormarsch).
Plötzlich wird Exporteuropameister Deutschland politisch ganz allein. Für die deutschen Wähler*innen wird das ein Megamotiv zur Wiederwahl von Mutti Merkel, doch auch mit dieser Mutti werden die Gefahren größer. Sie wird dann auch einen roten Knopf für Atomwaffen haben wollen (Link verschwindet in einigen Tagen in ein Paywall-Archiv), um den ganzen Gefahren um uns herum angemessen und wirkungsvoll drohen zu können. Andernfalls wären “wir” (also die in Berlin) keine Weltmacht mehr, sondern nur noch ein herumgeschubster Kleinstaat.
Ich käme damit klar. Und Sie?

Kneipen,Cafes und mehr….im Uni-Magazin

von Klaus Kleinöder

Liebe Schnüss,
Eure Ausgabe zum Winter-Semester haben wir, drei Beueler, gleich nach dem Aufschlagen in die Tonne gekloppt. Unbrauchbar die Ausgabe für uns – und peinlich für Euch. Bei “Kneipen, Cafes und mehr…” übernehmt Ihr in “Beuel & Rechtsrheinisch” Lokal für Lokal aus dem Sommer-Magazin, faul und schlampig, denn so habt Ihr Euch die Mühe erspart zu recherchieren, was in Beuel Sache ist, teilweise sogar Kult.

Zum Beispiel das einzige, dazu erstklassige Bio-Restaurant, Weiterlesen

Brexit / Trump / EU schützt uns / Emire bezahlen FN / Sanktionen gegen Erdogan / Für mehr Flüchtlinge / Brasilien /Star ist der Trainer

Ulrike Herrmann erklärt in der taz, warum der Brexit vor allem für die Briten furchtbar wird.
Eine der besten deutschsprachigen Trump-Analysen schrieb Cord Riechelmann für die FAS.
Die böse EU ist es, die versucht, unser Grundnahrungsmittel Grundwasser vor der Verseuchung durch Agrarindustrie und tatenloser lobbygesteuerter Regierung zu schützen. (WDR/Tagesschau)
Arabische Emire finanzieren die rechtsradikale FN in Frankreich – Terrorismus ist immer gut für Herrschaftssicherung, Rüstungsgeschäfte und Korruption.
Jean Asselborn hat endlich die Diskussion um Sanktionen gegen das Erdogan-Regime gestartet. Dieserart fortschrittliche Solo-Vorstösse sehen im seine Kolleg*inn*en wohl gerne nach, weil er damit öffentlich so hübsch vom Steueroasen-Geschäftsmodell seiner luxemburgischen Regierung ablenkt.
Erste Aufrufe, mehr Flüchtlinge aufzunehmen, statt sie in Italien und Griechenland hängenzulassen – hier bei Pro Asyl.
Die politische Lage in Brasilien ist katastrophal – mit bisher nur zarten Ansätzen für eine linke Alternative (amerika21/Lateinamerikanachrichten).
Der taz-Sportteil beschäftigt sich mit dem Rollenbildwechsel der Fußballtrainer, mit einem Special zu taumelnden Mourinho.

Sex sells immer

Vor einigen Tagen wollte ich hier gerne einen Aufsatz von Ulrike Heider zweitveröffentlichen, der sich sehr gründlich und kritisch mit der bisherigen Verarbeitung von sexuellem Missbrauch in der gesellschaftlichen Diskussion, mit einem größeren Seitenblick zu den Grünen, beschäftigte. Die Autorin, mit der ich bisher nicht persönlich bekannt war, hätte mir das sogar erlaubt, allein: ihr Autorinnenvertrag mit dem Verlag erlaubt es nicht. Er steht dort aber online, bitte, bitte lesen, es lohnt sich.

Politisch komplizierend muss man allerdings feststellen, dass, was Missbrauch und Ekelhaftigkeit betrifft, eigentlich kein politisches Spektrum und kaum ein gesellschaftlicher Sektor unter Mangel leidet.

So sei das Fußballbusiness erneut darauf hingewiesen, Weiterlesen

Hervorragender Journalismus: Panama-Papers, Widmann, Laura Meschede u.v.m.

von Jupp Legrand / Otto-Brenner-Stiftung

+++ “Otto Brenner Preis für kritischen Journalismus” geht 2016 an Frederik Obermaier und Bastian Obermayer (“Panama Papers”) +++ Jury zeichnet Arno Widmann (DuMont Hauptstadtredaktion) für sein Lebenswerk mit dem “Spezial”-Preis aus +++ Newcomer-Preis erhält für eine multimediale “taz”-Reportage die freie Journalistin Laura Meschede +++ “FragDenBundestag.de” wird mit dem Medienprojektpreis ausgezeichnet +++ Preisverleihung findet am 15. November in Berlin statt +++ Festrednerin 2016 ist Mely Kiyak, Publizistin und Autorin +++

Den mit 10.000 Euro dotierten 1. Preis des “Otto Brenner Preises für kritischen Journalismus” erhalten 2016 Frederik Obermaier und Bastian Obermayer von der Süddeutschen Zeitung (SZ) für ihre besondere Rolle bei den Recherchen und der Veröffentlichung der “Panama Papers – Die Geheimnisse des schmutzigen Geldes”.
Die “Panama Papers” sind nach Auffassung der Brenner-Jury eine journalistische Großtat, ein Unikat, was die internationale Dimension der Enthüllungen angeht, und sie sind der Superlativ des transnationalen Journalismus, weil hier mehr als 400 Journalisten höchst konzentriert und verlässlich verschwiegen zusammengearbeitet haben.

Für die Jury bleibt jedoch die Leistung der beiden SZ-Reporter Bastian Obermayer und Frederik Obermaier “singulär”. Weiterlesen

Island & Immobile

Island scheint eine ganz große Fußballmannschaft zu werden. Das gibt es sonst nur bei Real Madrid oder dieser Mannschaft aus dem süddeutschen Raum: dass so lange gespielt wird, bis sie das siegbringende Tor schiesst. So heute Island im WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland zum 3:2 in der 95. Minute.
Von heute bis Dienstag sind täglich europäische Qualifikationsspiele zur WM 2018 in Russland. Ich bezweifle immer noch, dass diese WM dort wie geplant stattfinden wird. Man schaue nur, was geopolitisch gerade los ist, derzeit noch als geographisch begrenzter aber mit unbegrenzter Grausamkeit durchgezogener Krieg in Syrien (hier und hier Versuche von Telepolis, einen Überblick zu geben).
Spanien vergab die Chance auf einen vorentscheidenden Auswärtssieg in Italien. In der 1. Halbzeit, in der es beim 0:0 blieb, gab es einen fußballerischen Klassenunterschied, den Spanien wie so oft nicht mit Toren untermauerte. Es brauchte sogar das Geschenk eines Torwartfehlers durch den großen Gianluigi Buffon, um überhaupt zum Torerfolg zu kommen. Danach hätte der eingewechselte Immobile, der beim BVB meistens nicht über die Ersatzbank hinauskam, sie in seinem Turiner Heimstadion fast alleine geschlagen – am Ende 1:1. Auch der Ausgleich war ein Geschenk – des deutschen Schiris, der Elfmeter für Italien pfiff.

taz

Lag es am langen Wochenende?
In der taz haben sich bemerkenswert zahlreiche lesenswerte Texte angesammelt:
Ambros Waibel erklärt seine Unlust, den Feiertag in Dresden mitzufeiern, und beschreibt aus bayrisch-italienischer Sicht, welch unheilvolle Verbindung abgehalfterte westdeutsche Politiker/Beamte mit dem rechten Mob in Sachsen eingegangen sind.
Charlotte Wiedemann verdanken wir den Hinweis – warum hat da eigentlich sonst niemand drüber berichtet? – auf die umfangreichen britischen Untersuchungen zu Kriegsbeteiligungen in Libyen und Irak. Meine Verehrung für diese Art Publizistik!
Dito Bettina Gaus: Flüchtlinge in ägyptische Lager? Warum nicht auch Nordkorea?
Helmut Höge verdanken wir aufschlussreiche Studien über das Verhältnis von Mensch und Tier.
Tom Mustroph bringt uns das Engagement chinesischer Investoren im europäischen Fußball nahe.
Und Ralf Sotschek begegnete irischen FC-Liverpool-Fans nach einem 5:1 im Flieger.
So viele exzellente Schreiber*innen bei einem so sch…..lecht bezahlenden Blatt. Wie ist das möglich?

Suizidserie: IS, Dt. Bank, Dt. Müllwirtschaft, PSOE

Rainer Hermann, einer der kompetenteren FAZ-Redakteure, bespricht drei interessante Bücher zum arabischen Djihadismus. (FAZ)
Die Deutsche Bank ist mitten ins Gefechtsfeuer des europäisch/deutschen/US-amerikanischen Wirtschaftskrieges geraten und könnte darin umkommen. (Telepolis) Allerdings auch selbstverschuldet, hier gut erklärt von Ulrike Herrmann. (taz)
Die deutsche Müllwirtschaft – “Abfall” ist gerne die Branche, in der US-/italienische Mafiafamilien den Anschein geben, sich legal “wirtschaftlich” zu betätigen – wird in ihrem privaten Sektor aktuell weitgehend von chinesischen Investoren übernommen. (FAZ)
Nach dem missglückten Suizid der Labour Party im UK versucht es als nächste sozialdemokratische Partei die PSOE in Spanien, sich zu entleiben. (Telepolis)

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