Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: telepolis (Seite 54 von 57)

Massenmord in Jemen sichert Arbeitsplätze in Bremen

Oder, intoniert nach Haydns Melodie der Nationalhymne: „Deutsche Waffen, deutsches Ge-he-held, morden mit in a-haller Welt“. Freundlicher lässt sich kaum ausdrücken, was Jörg Kronauer zum Krieg im Jemen kommentiert, und was Michael Knapp zur Kriegslage in Syrien/Irak/Kurdistan analysiert. Bei letzterem fällt neben den deutschen Waffen, mit denen sich u.a. Kurd*inn*en gegenseitig massakrieren, auf, dass die Trump-USA eine immer kleinere, und Putin und Erdogan eine immer größere Rolle spielen. China wird das aufmerksam beobachten und analysieren.
Derweil inszeniert der beliebteste deutsche Politiker, was meistens der Außenminister ist, einen diplomatischen Konflikt in Israel, der ihm hierzulande mehrheitlichen Beifall beschert, allerdings nicht von Peter Nowak.

Lokomotive China / Wer ist Macron?

Wolfgang Pomrehn versorgt uns schon viele Jahre über seine sparsames Zeilengeld zahlenden Arbeitgeber*innen telepolis und Junge Welt über volkswirtschaftliche Fundamentaldaten Chinas. Allerdings konnte weder er noch sonst jemand bisher erklären, wie ein nicht demokratisches und insbesondere in seiner Spitze extrem korruptes System in einem riesigen kaum lenkbaren Land ökonomisch doch so effizient gesteuert werden kann, und nebenbei jetzt sogar zum Weltmeister im Klimaschutz avancieren könnte.

So sehr deutsche Medien das Präsidialsystem der Türkei und den dortigen Machthaber dämonisieren, so sehr lieben sie das Gleiche in Frankreich, jedenfalls wenn es Emmanuel Macron wählen sollte. Hier ist es Bernhard Schmid, der uns seit Jahren über telepolis und Jungle World in einer angenehm differenzierten Tonlage auf dem Laufenden hält: hier über Macron.
Meine von mir sehr geschätzte Ex-Bloggerinnenkollegin Annika Joeres porträtiert in der Zeit den linken Macron-Konkurrenten Jean-Luc Melenchon.
Update 19.4.: Eine „böse Überraschung“ bei Frankreichs Präsidentenwahl befürchtet carta-Autor und hauptberuflicher Campaigner Mario Münster.

Rohstoffkriminalität

In der Rohstoffpolitik sind Demokratie und Rechtsstaat abgemeldet. Die Räder, die hier gedreht werden, sind zu gross, um sie solchen Unberechenbarkeiten auszusetzen. Wir kleinen Wichte können schon froh sein, wenn der Kampf um Marktanteile – „Markt?“ Haben wir gelacht … – nicht als Krieg ausgetragen wird. In Syrien, Irak, Afghanistan wären sie froh darüber.
Selten genug wird darüber transparent berichtet, denn Transparenz ist in diesem Geschäft eine übel subversive Waffe. Telepolis tat es gestern mit einer Analyse zum Stand der Fracking-Strategien und zu einem über Italien geplanten Gaspipeline-Projekt.

Medienkritik – von einer Russin aus Dortmund / Erdogan-Iran

In Dortmund werden schon lange nicht wenige Journalist*inn*en sehr ordentlich ausgebildet. Schade, dass davon in unserer ökonomisch vermachteten Medienlandschaft so wenig durchkommt. Die nachdenkseiten, von mir hier in letzter Zeit oft getadelt, lassen heute mit Veronika Prokhorova eine Dortmunder Absolventin zu Wort kommen, die deutschen Medien ihre Fehler noch mal ganz genau zu erklären versucht.

Correctiv versucht bereits an diesen Fehlern zu arbeiten, z.B. mit seinem neuen AfD-Schwarzbuch.

Telepolis arbeitet schon lange daran: hier die Spekulationslage zu Syrien, USA und Russland, und hier eine leider schlüssige und glaubwürdige Räuberpistole von Detlef zum Winkel zu Erdogans-Irangeschäften. Zusammengefasst: den jüngsten „Putsch“ führte herbei, dass Erdogans Freunde von der Gülen-Bewegung, deren Chef bekanntlich im USA-Exil lebt, seine Iran-Geschäfte nicht mittragen wollten/durften.
Zum Trumps Nahostpolitik/-strategie (gibts die?) hier ergänzend ein langer Text aus der Huffington Post.

Zu Erdogan auch über diesem Text ein aktueller Kommentar von Hidir Celik.

Kriegsverbrecher – unsere besten Geschäftsfreunde

Wissen Sie, was im Jemen los ist? Komisch oder? Imgrunde – leider – ungefähr das Gleiche wie in Syrien, im Irak, Afghanistan. Aber wir Deutsche sind geschäftstüchtig. Selbst in der schlimmsten Katastrophe wissen wir, wie daraus noch zu profitieren ist. Jetzt hat mal wieder ein verzweifelter recherchierender Journalist, Markus Bickel, ein Buch darüber geschrieben, Auszüge bei telepolis.
An gleicher Stelle ein Hinweis von Wolfgang Pomrehn, wie die chinesische Volkswirtschaft von steigenden Mindestlöhnen profitiert.
Und ein Hinweis auf den hierzulande absichtsvoll ignorierten linken französischen Präsidentschaftskandidaten Melenchon, gut befreundet mit Oskar Lafontaine. Wie gut oder schlecht Sie das finden, überlasse ich selbstverständlich Ihnen.

Nigeria – größter „Failed State“ der Welt?

Ich bin ein engagierter Freund des Völkerrechts. Es sorgt nicht für Gerechtigkeit, noch nicht einmal für Frieden, aber es ist eine Ordnung für schlimmste Konflikte, die unser Überleben als Menschheit in Zeiten von Massenvernichtungsmitteln gesichert hat.
Die „Responsibility to Protect“, die in den letzten Jahrzehnten in den Diskurs eingeführt wurde, habe ich immer eher als Selbstermächtigungsinstrument der Großmächte kritisch gesehen. Die Geschichte lehrt, dass deren Aufrichtigkeit sowieso nicht zu trauen ist, also auch unserer, der Deutschen nicht, der besonders.

Wer sein Bewusstsein dann in einzelne Beispiele vergräbt, dem/der kommen dann allerdings Zweifel an dieser Sicht. Ich muss Sie jetzt wieder vorwarnen: wenn Sie noch an einem schönen Sonntag interessiert sind, hören Sie hier mit dem Weiterlesen auf. Telepolis-Autorin Birgit Gärtner hat sich der aktuellen Lage nigerianischer Frauen, und hier insbesondere der Opfer des heutigen, des „zeitgemässen“ Sklavenhandels angenommen. Sicher, er macht deutlich, wie bigott „unser“ Migrationsdiskurs ist, und dass „Wir“ die Letzten sind, denen man eine „Responsibility to Protect“ zuordnen sollte. Aber ein Land und eine Regierung (plus ihrer Freund*inn*e*n in Europa, die fröhlich mit ihnen zusammenarbeiten!), die das in ihrem Staatsgebiet zulassen, die gibt es nicht mehr.
Zu befürchten ist: Nigeria wird hier nur ausgeleuchtet, ein Einzelfall ist es wahrscheinlich nicht, nur ein besonders Großer.

ISM / NSU&BAW / Wirtschaft 4.0

ISM steht für „Institut Solidarische Moderne“, eine Gründung aus einer Zeit, als Medien noch nicht über rot-rot-grüne Politiker*innentreffen berichtet haben. Jetzt hat aber sogar die FAS den Institutsgeschäftsführer Thomas Seibert zum Interview gebeten. Ob es ihre Leser*innen fürchten werden?

Über Thomas Moser und seine NSU-Berichterstattung auf Telepolis habe ich mich hier schon oft lobend ausgelassen. Jetzt hat er sich die Arbeit, bzw. die Nichtarbeit, den sabotierenden Streik der Bundesanwaltschaft (BAW) vorgenommen. Neue blamable Tiefpunkte deutscher Rechtspflege.

Roland Appel beklagte gestern hier, dass die Grünen in ihrem Wahlprogrammentwurf keine ausreichenden Antworten auf die Probleme der Wirtschaft 4.0 geben. Ebenfalls auf Telepolis haben Matthias Weik und Marc Friedrich aktuell zusammengefasst, um welche Probleme es sich da im einzelnen handelt: wir werden alle arbeitslos!

Telepolis: Leitmedien – Ostafrika-Hungersnot – „Verfassungsschutz“

Dem von mir sehr geschätzten Onlinemagazin Telepolis gelang gestern – journalistisch gesehen – wieder ein sehr guter Tag. Hier meine Kostprobeempfehlungen:
Paul Schreyer über die Angst unserer „Leitmedien“ vor …. uns.
Dirk Eckert über menschengemachte Hungersnot ist Ostafrika (Südsudan, Somalia, Ähtiopien, Nordkenia).
Ulrike Heitmüller im Interview mit einem Ex-„Verfassungsschützer“, darüber, was in der deutschen „Intelligence“ alles schiefläuft und einem sehr interessanten Link zu einer „NSU-Leak“-Seite.
Dahinter verbirgt sich die Autorenanwerbung und Agandasetting-Intelligenz des Chefredakteurs Florian Rötzer, der nach meiner Wahrnehmung im 24/7-Modus arbeitet. Kürzlich musste er einen Nachruf über einen verstorbenen Mitgründer schreiben, und erzählte dort ein bisschen über die Geschichte von Telepolis.

Wahlkämpfe – Frankreich und Deutschland im Vergleich

Es kann auch an den beiden hier hervorzuhebenden Autoren liegen.
In Frankreich wird ein Staatspräsident gewählt. Also nicht Parteien, sondern eine Person. Dennoch gelingt es Bernhard Schmid in seiner Beschreibung der Ausgangspositionen bei Telepolis politische Sachfragen und die jeweils alternativen Angebote der Bewerber darzustellen. Als wenn es tatsächlich ein politischer Wahlkampf sein oder werden könnte.
Albrecht v. Luckes Darstellung in den Blättern dagegen kreist fast ausschliesslich um strategische Kalküle und Manöver. Auf der Suche nach politischen Positionen, Sachfragen oder gar -antworten findet man ….. nichts, fast nichts. Liegt es nur an dem talkshowerfahrenen Autor (diese Woche auf Phoenix, morgen im ARD-Presseclub) und seiner deformation professionelle? Erst wenn es im deutschen Wahlkampf gelingt, ihn mit Sachfragen und Alternativen der Parteien zu durchdringen (Digitalisierung und Arbeit, friedliche Außenpolitik, Klimawandel etc.) könnte er noch wirklich interessant und spannend werden.

NRW & Bertelsmann

Als Helmut Kohls CDU in den 80ern in Westdeutschland das Privatfernsehen durchsetzte und förderte, um dem im öffentlich-rechtlichen TV identifizierten „Rotfunk“ etwas entgegen zu setzen, suchten auch die großindustrieerfahrenen Sozialdemokraten nach Ankern in der neu entstehenden Branche. So entstanden neue Klischees: Kohlfreund Leo Kirch mit seiner Pro7Sat1-Gruppe war der Böse, und RTL/Bertelsmann (die Konzernmutter mit Sitz in Gütersloh!) waren die Guten. Insbesondere Wolfgang Clement, zunächst als Staatskanzlei-Chef von Johannes Raus, dann als sein Brutus und Nachfolger, liess sich nicht lumpen, wenn es um Einsatz für diese Lobby ging.

Konzernstrategien und ihre Ausdifferenzierungen haben die NRW-Sozialdemokraten dabei nie näher interessiert – Bertelsmann-Hauptaktionärin Liz Mohn ist, ebenso wie Friede Springer, eine „beste Freundin“ der Bundeskanzlerin. Der Aufwand an Zeit und Intelligenz für die SPD wäre zu hoch gewesen. Weiterlesen

Hunderttausende fordern: mehr Flüchtlinge!

Während hierzulande Trump und die einheimischen Rechtsradikalen Schlagzeilen und Nachrichtengebung beherrschen und die Bundesregierung täglich über neue Schikanen gegen Flüchtlinge nachdenkt, fordern hunderttausende Menschen mehr Flüchtlinge. In der schönsten Stadt Europas, in der in den letzten 30 Jahren der schönste Fußball gespielt wurde, und die vermutlich von den meisten Tourist*inn*en aus aller Welt besucht wurde und wird. Während Barcelona diesen Besucher*innen*ansturm ziemlich leid ist und eine Oberbürgermeisterin gewählt hat, die versprochen hat, das zu begrenzen, hat die gleiche Oberbürgermeisterin mit einer halben Million ihrer Bürger*innen von der blockierenden rechtsreaktionären spanischen Zentralregierung die Zuweisung von mehr Flüchtlingen gefordert.
Das glauben sie nicht? Weil es nicht in der Zeitung stand? Nicht im Fernsehen war? In Ihrer asozialen-Netzwerksblase keine Erwähnung fand? Dann überlegen Sie mal ganz scharf: warum nicht?
Hier der Telepolis-Bericht.

Update 20.2.: Oskar Lafontaine hat am Wochenende in einer Zeitung des Springer-Konzerns, für den er langjährig als Kolumnist tätig war, seine Attacken auf die Flüchtlingspolitik seiner Partei fortgesetzt; er wird nicht damit aufhören. Darauf entgegneten ihm heute u.a. ein linker Linker, Ex-MdEP Jürgen Klute und ein linker Sozialdemokrat, der in Godesberg seinen verdienten Ruhestand verlebende Klaus Vater.

NSU-Mordserie – 5. Zeugin (46) tot

Thomas Moser ist kein begnadeter Essayist wie Seesslen (s.u.), aber ich kenne als Leser keinen, der so hartnäckig und dauerhaft, modewörtlich gesprochen „nachhaltig“ die Aufklärung der rechtsradikalen NSU-Serienmorde und die staatlichen Bemühungen ihrer Sabotage beobachtet und berichtet, für das klitzekleine Nischenmedium des Heise-Verlages, auch in diesem Verlag nur eine Nische, Telepolis. Es wird Zeit, dass der Mann den einen oder anderen (dotierten!) Journalistenpreis erhält. Und es wird Zeit, dass mehr Menschen lesen, was er mitzuteilen hat. Die Liebe zu unserem Land wird das nicht steigern, aber die Liebe zu Demokratie und Bürgerrechten.
Nun also ist die fünfte Zeugin im Zusammenhang der NSU-Serie im jugendlichen Alter von 46 Jahren verstorben. Woran, wird sich kaum ermitteln lassen, weil sie schon eingeäschert ist.

Update 15.2.: Es sind leider schon mehr als 5 tote Zeug*inn*en, wie Moser selbst gestern auflistete.

USA-(Fake-?)News überschlagen sich

Es ist schwer den Überblick über ein Meer an Trash, Unsinn und Gequatsche zu behalten. Letztendlich muss jede*r für sich eine eigene Auswahl treffen. Hier ist meine.
Stefan Niggemeier, hat sich in masochistischer Weise unter größtem Zeitaufwand einem Bilderquellen-Studium zum Streit um die Trump-Amtseinführung unterzogen. Und ist zu einem recht klaren Ergebnis gekommen.
Florian Rötzer, Telepolis-Chef, gibt einen Tagesnachrichten-Überblick aus der Welt der „Intelligence“. Im gleichen Medium gibt er einem österreichischen Professor, der u.a. am der Liberalen-Hochburg Stanford/USA lehrt, Raum für eine etwas traditionalistische Perspektive, aus der dieser die Selbstzerstörung des Westens sieht.
Und um die Querfronterei auf die Spitze zu treiben, schreibt Slavoj Zizek ausgerechnet in der Neuen Zürcher Zeitung, wie die Linke seiner Meinung nach nach dem Trump-Sieg weiteragieren sollte.

Schuldenbombe, Atombombe und Erdogan

Unbeachtet von unserer Öffentlichkeit diskutieren sich Ökonomen die Köpfe heiss, ob und wann die Schuldenbombe explodiert. Bezug genommen wird auf eine neue Veröffentlichung von Michael Hudson, kritisch besprochen u.a. von Heiner Flassbeck und Norbert Häring.

Dieses Thema bildet den Hintergrund für ein vordergründig rätselhaft erscheinendes politisches Agieren. Es soll deutsche Wahlkämpfe nicht mit unnötigen inhaltlichen Diskussionen belästigen. Es ist aber auch die Basis für die Panik vor dem „unberechenbaren“ Trump.

Die ökonomische Machtpolitik Deutschlands wird jetzt von allen Seiten angegriffen werden. Und die deutschen Aussenpolitiker*innen ahnen es bereits. Weiterlesen

Angst&Schrecken im AA? – Guter Deutscher – Systemkritik – Medienkonsum

Das Auswärtige Amt musste schon viel aushalten. 1969 eroberte sein Chef von dort aus das Bundeskanzleramt. Wird es jetzt zur Deponie für Altfälle? Für Sigmar Gabriel stand offensichtlich im Vordergrund, nicht als Getriebener sondern als Treiber dazustehen. Und wie fast immer hat ihn das so verblendet, dass er das Gegenteil erreicht. Majid Sattar, der oftmals neben seinem Chef Bannas bestinformierte Hauptstadtkorrepondent, wurde nach Monaten endlich mal wieder von FAZ.net online gestellt.
Dem gleichen Blatt verdanken wir im Feuilleton den guten Deutschen Autor Byung-Chul Han, der offensichtlich mehr von „unserer“ Sprache und Kultur versteht, als die, die sie vor „Überfremdung“ zu verteidigen vorgeben.
Systemkritik ist ja bisher noch nicht verboten. In den Köpfen der Menschen scheint sie weltweit bereits eine Mehrheit zu haben, wie Telepolis-Chef Rötzer (mit Link zur Originalquelle) aus einer groß angelegten Untersuchung der PR- und Kommunikationsagentur Edelman referiert. Ein umfangreiches inhaltliches Beispiel liefert Werner Rügemer aktuell bei attac-Köln. Wie es seine Art ist: umfangreich, recherche- und analysestark, aber strategisch extrem schwach. Er muss uns ja noch was zum Erledigen übrig lassen.
Dietrich Leder nimmt unsere Medienkonsum-Laster unter die Lupe, einen kleinen Teil von ihnen, das aber richtig.

Seesslen über Trump / Lachen über „Schwarze Null“ / wie wärs mit Journalismus?

Georg Seesslen, in meinen Augen bester Essayist unter deutscher Sonne, hat ein Buch über Trump geschrieben. Und siehe da, neben seinen regelmässigen Arbeitgebern taz, Jungle World und DLF gibt jetzt sogar das FAZ-Feuilleton Texte bei ihm in Auftrag. Im Telepolis-Interview gibt es Auskunft über seine Trump-Sicht. Seine Berlusconi-Bezüge sind interessant und zutreffend – Trump ist zwar sehr US-amerikanisch, aber nicht nur. Das Problem, das er darstellt und repräsentiert, lässt sich in Europa nicht aussitzen. Ein Teil der herrschenden neoliberalen Klasse ist zum Bündnis mit Rassismus, Machismus und dem, was früher mal „Lumpenproletariat“ genannt wurde, entschlossen.
Ein Mitarbeiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung beschrieb im Deutschlandradio, wie der kluge Karl Marx die heutige strategische Lage – vielleicht – erfasst hätte.
Eine „Schwarze Null“ ist aus US-amerikanischer Sicht allenfalls Wolfgang Schäuble, und Ausweis für seinen lächerlichen Provinzialismus. Für die Politik einer Großmacht ist die Höhe der Schulden irrelevant – entscheidend ist Vertrauen in ihre Macht.

Die ganze Woche habe ich überlegt, was ich kluges zum allgemeinen „Fake-News“-Gequatsche schreiben könnte. Ausgeruhte kritische Einschätzungen gab es Weiterlesen

Trumps Lüge „America first“ treibt EU/Merkel in die Defensive

Wie ärmlich sich die deutschen „Qualitäts-“ und „Leitmedien“ darstellen und selbst verstehen, haben sie gestern und heute erneut bewiesen: von der „BILD-Zeitung“ liessen sie sich die Agenda diktieren und am Nasenring durch die Manege ziehen. Die Frage, was der zukünftige US-Präsident vorhat, ist natürlich relevant. Die Antwort hätten sie gestern billiger haben können. Gabriel Simon hat sie auf Telepolis beantwortet.
„America first“ wird sich als Lüge erweisen. Trump symbolisiert den Abstieg der USA als Weltmacht. Das irritiert ihre engsten Bündnispartner in Europa schon lange. Diese Irritation nimmt zu. Geländegewinne im Welthandelskrieg gibt es für die Schwellenländer, Simon nennt namentlich die „BRICs“ Brasilien, Russland, Indien, China, die einen Plan haben und ihn verhältnismässig stringent verfolgen.
Wer das genauer erklärt haben will, sollte sich das aktuelle Geschehen im globalen Fußballbusiness näher anschauen, Gunter Gebauer (FAZ) und Jens Weinreich (Sp-on) liefern dafür Hinweise.
Jetzt rächt sich die Ökonomie-Diktatur, die Wolfgang Schäuble in der EU errichtet hat, Weiterlesen

Wir sind alle Afris

Z.B. der neue Einwanderungsminister von Kanada Ahmed Hussen. Er ist, wie eine meiner besten Freundinnen, somalischer Herkunft. Für die global verzweigte somalische Community ist das heute ein Feiertag. Update: zwei Tage später ein Porträt in der taz.
Die eritreische Exil-Community ist dagegen von ausländerrechtlichem Rassismus bedroht; ein Telepolis-Interview mit Nicole Hirt erklärt, warum das von Sachkenntnis nicht getrübt ist.
Dass wir alle sowas Ähnliches wie Ahmed Hussen sind, gebräuchlicher Fachbegriff dafür ist „Mensch“, das weist die Genforschung in Zusammenarbeit mit der Archäologie und der Geologie schon lange nach, aber es schadet nicht, das in aktualisierter Form ausführlich zu wiederholen, wie im FAZ-Wissenschaftsteil, bis es irgendwann jede*r verstanden hat – wir lassen niemanden zurück!
Auch die „Gelben“ sind sowas wie wir. Darum wäre es nicht verkehrt, ein wenig deutschsprachigen Journalismus in Korea zu investieren: dort sitzt der fast wichtigste IT-Konzern der Welt, der dieses Land der Early-Adopters so ähnlich zu regieren scheint, wie VW Niedersachsen. Berichte und Analysen im deutschen Sprachraum? Blamable Fehlanzeige. Update: zwei Tage später endlich eine Analyse in der deutschen Le Monde Diplomatique.
Hollywood ist schon „gelb“. Der Chinese hat bereits die Kapitalmehrheit. Wir wird Trump das finden? Das schafft Raum, große und zahlreiche kleine Nischen, für neues, zensurunabhängiges Filmschaffen. Und das Fußballbusiness kann studieren, was ihm kurz bevorsteht.
Vor diesem Hollywood-Geschehen wird noch bedeutsamer, was Klaus Kreimeier, den ich als langjährigen Kolumnisten des Freitag sehr genossen habe, nun in der FAZ zur digitalen Rettung des deutschen Filmerbes aufgeschrieben hat.

Schweigen über „unseren“ Krieg

Zwar ist unser Sicherheitsapparat zu dumm, provokativ-offene Signale – besonders gerne in Überwachungskameras! – eines mutmasslichen terroristische Attentäters richtig zu deuten, weil ihm schlicht Mitarbeiter*innen mit entsprechenden sprachlichen, sozialen und kulturellen Kompetenzen fehlen. Sie fühlen sich absolut unschuldig und un-verantwortlich, weil sie ihn ja schon seit Urzeiten erkannt und beobachtet haben. Nur richtig verstanden haben sie ihn leider, leider nicht.
Was dagegen so perfekt funktioniert, dass man darüber noch nicht einmal „embedded journalism“ zulässt, ist das Totschiessen dort, wo unsere Öffentlichkeit nichts davon wahrnehmen soll. Nun ist es Le Monde in Frankreich anscheinend doch gelungen, mühselig Informationselemente zu gewinnen und Telepolis-Redakteur Thomas Pany lässt und hier und hier daran teilhaben. Bekämpfung von Fluchtursachen und Terrorismus scheint das nicht wirklich zu sein, sondern wohl eher Produktion.

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