Klandestin und intransparent – der Fall Seppelt

Von , am Donnerstag, 14. Juni 2018, in Fußball, Medien, Politik.

Ist er vielleicht eine paranoide Nervensäge? Vielleicht für die Bundesregierung und die ARD.
Das Auswärtige Amt hat sicherlich genug Arbeit und Probleme. Da hat ein schwer kontrollierbarer Journalist, der sich an der Schnittstelle von Blockkonfrontationen bewegt und keine Rücksicht auf politische Interessen nehmen will, gerade noch gefehlt. Freiwillig und fahrlässig begibt er sich in Gefahr, und erwartet dann auch noch unseren Schutz. Nee, dafür haben wir jetzt keine Zeit. Sprachlich behilft man sich mit Textbausteinen aus dem Fall Skripal: “zu keiner andersgelageerten Einschätzung gelangen können” und versteckt sich hinter Geraune des Bundeskriminalamtes.
Die ARD hat derzeit eine Quotenkrise: unter 10% Marktanteil in diesem Jahr. Die WM muss es rausreissen. Die Stimmung ist eh schon schwierig genug (Özil/Gündogan). Wenn dann noch einer im eigenen Stall die Stimmung verderben will, wer will dabei noch zugucken? Es ist sowieso schon viel Arbeit, der unabhängige Sportjournalismus muss in die Sommerpause gehen, wir müssen jetzt produzieren, was wir in den TV-Rechte-Verträgen versprochen haben.
Nach aussen präsentieren wir: der Russe ist böse und gefährlich, da können wir für nichts garantieren. Wir sind auch nur Opfer.
Von wegen.
Der WM-Veranstalter Fifa ist kein unkontrollierbarer multinationaler Konzern, sondern ein Verein nach Schweizer Recht, und entsprechend steuerbefreit. Der Veranstalter muss die Presse- und Berichterstattungsfreiheit garantieren. Sie wird in Verträgen mit dem Veranstalterland sichergestellt (oder etwa nicht? vergessen? nicht so wichtig?). Es müsste auch in den TV-Rechte-Verträgen garantiert werden. Oder etwa nicht? Öffentlich einsehbar sind sie nicht. Wenn das alles nicht so ist, muss ein grosser und keineswegs einflussloser Mitgliedsverband wie der Deutsche Fussballbund (DFB) intervenieren und Fakten auf den Tisch legen (und nicht nur intransparentes Geheimdienst-Geraune s.o.). Er muss sich dabei um eine gemeinsame Linie des Kontinentalverbandes Uefa bemühen, dessen Boss er selbst mit inthronisiert hat. DFB, Uefa, Fifa sind alle reich und mächtig genug, von den russischen Gastgebern und Geschäftspartnern Sicherheitsgarantien verlangen zu können. Oder sind sie zu abhängig geworden? Dann wäre ein Geständnis fällig.
Wenn sie Einflusslosigkeit vorschützen müssen – was wollen sie dann beim nächsten Mal in Katar, was beim übernächsten Mal in Mexiko? Und wie glauben sie, werden sich die USA entwickeln? Sind das die richtig gewählten Orte für eine weltumspannende und weltverbindende Sportveranstaltung?
Offensichtlich gibt es zu alledem eine praxisnahe Alternative: alles zuscheissen mit Geld.

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