Das am meisten interessierende Ereignis dieses Wochenendes ist nicht irgendein Parteitag, sondern das Ruhrpottderby, morgen 15.30 h, Westfalenstadion. Aber gut, eine Minderheit, vor allem alle was-mit-Medien-Leute interessieren sich auch fĂŒr den CDU-Parteitag. Doch auch fĂŒr diese Leute gilt: egal, wie es heute ausgeht. Entscheidende Daten sind im nĂ€chsten Jahr: 25. Mai, nicht nur Europawahl, sondern Kommunalwahlen in allen ostdeutschen BundeslĂ€ndern, in denen am 1. September (Brandenburg, Sachsen) und 27. Oktober (ThĂŒringen) Landtagswahlen folgen.
In all diesen BundeslĂ€ndern hat es – ausser der einstigen PDS – nie “Volksparteien” gegeben. Laut Wikipedia: “Als Volkspartei bezeichnet man … eine Partei, die fĂŒr WĂ€hler und Mitglieder aller gesellschaftlicher Schichten und unterschiedlicher Weltanschauungen im Prinzip offen ist.” Die ehemaligen DDR-Blockparteien sowie die SPD haben das nie geschafft. Sie blieben sektenĂ€hnliche Gebilde, verstĂ€rkt durch karriereorientiertes Wessi-Personal, das es in der alten Heimat nie ĂŒber ein Drittliga-Niveau hinaus geschafft hat.
Die werden nach ihren Wahlen vor der Entscheidung stehen, und die wird wirklich mal wichtig: koalieren wir mit der rechtsradikalen AfD, oder lieber nicht? Ich weiss, was die tun werden. Auch wenn heute AAK gewĂ€hlt werden sollte – deutsche Rechte MĂ€nner waren noch nie faire Verlierer – vielleicht dann erst recht: na klar, werden sies tun.
Dann folgt das Szenario, das nach Meldungen der Funke-Mediengruppe die Bertelsmann-Stiftung vorgedacht hat: die CDU wird die Reste der gesellschaftlichen Mitte an die GrĂŒnen vererben. Und die wĂŒrden dann scheinbar z.B. vom Bertelsmann-Konzern – erstmals – bevorzugt. Liz Mohn soll ja auch sehr gut mit Angela Merkel befreundet sein …
Was werden die GrĂŒnen daraus machen? Das ist gar nicht so schwer vorherzusagen. Alexander Nabert/Jungle World dĂŒrfte nicht sehr weit von kommenden Wirklichkeiten entfernt sein. Klar ist: die Parteien werden wg. ihrer anhaltenden SchwĂ€che immer weniger geregelt bekommen und fallen uns BĂŒrger*inne*n gegenĂŒber als Politik-“Dienstleister” immer mehr aus. Da wird auch den GrĂŒnen kein grosser Unterschied zu gelingen. Wenn wir den Laden, unsere Demokratie, nicht nur grosskapitalen und medienstarken Lobbys ĂŒberlassen wollen, mĂŒssen wir mehr selbst ĂŒber- und unternehmen.

Dieser Beitrag wurde vor der Wahl zum CDU-Parteivorsitz verfasst. Die Veröffentlichung verzögerte sich durch das heutige wordpress 5.0-Update.

Update nach dem Wahlgang: Warum AKK die bessere Wahl ist, begrĂŒndete Albrecht von Lucke gestern bei Illner/ZDF mal wieder exzellent; beachtenswert seine AusfĂŒhrungen zur “ProjektionsflĂ€che Merz” sowie seine AusfĂŒhrungen zum potenziellen “Duo Merz/Söder” und seiner AttraktivitĂ€t fĂŒr die WĂ€hlerinnenmehrheit der Frauen.